Der Zuckermarkt in Zahlen

Hintergrund

Welche Länder sind die größten Zuckerproduzenten? Welche sind wichtige Handelspartner der EU? Und wie viel Zucker wird direkt in Deutschland produziert? Hier gibt’s die aktuellen Zahlen zur Zuckerproduktion und zum Handel.


Auf dem Weltmarkt lagen die Preise für Zucker im vergangenen Zuckerwirtschaftsjahr (ZWJ 2019/20) – das Zuckerwirtschaftsjahr beginnt im Oktober und endet im September – das dritte Jahr in Folge auf einem niedrigen Niveau. Trotzdem hat Brasilien die Zuckererzeugung gegenüber dem Vorjahr deutlich gesteigert und mehr Zuckerrohr zu Zucker und weniger zu Ethanol verarbeitet.

Infolge der Corona-Pandemie war die globale Erdölnachfrage eingebrochen und die Weltmarktpreise für Rohöl und Ethanol regelrecht abgestürzt, wodurch die Verarbeitung von Zuckerrohr zu Zucker wirtschaftlich rentabler war. So steht Brasilien im ZWJ 2019/20 nach zwei Jahren wieder an der Spitze des Rankings der weltweit größten Zuckerproduzenten, gefolgt von Indien und der EU-27.

Im Ranking der Länder mit dem höchsten Zuckerverbrauch ergeben sich dagegen trotz Corona-Pandemie keine Änderungen. Indien bleibt wie bereits seit Mitte der 1990er Jahre das Land mit dem weltweit höchsten Zuckerverbrauch.

Der Konsum der Inder macht auch im ZWJ 2019/20 rund 15 Prozent der globalen Zuckernachfrage aus. Dabei liegt der Pro-Kopf-Verbrauch mit 21,1 Kilogramm Rohzuckerwert (Rw) pro Person und Jahr weiterhin unter dem globalen Durchschnitt von 23,6 Kilogramm Rw.

Auch die Chinesen konsumieren immer noch deutlich weniger Zucker als im globalen Durchschnitt (11,3 kg Rw), trotzdem steht China wegen seines hohen Anteils an der Weltbevölkerung bereits seit fast 20 Jahren auf dem dritten Platz im Ranking der Länder mit dem weltweit höchsten Zuckerverbrauch.

Der EU-Zuckermarkt befindet nach der Aufhebung des EU-Quotensystems zum 1. Oktober 2017 weiterhin in einem Konsolidierungsprozess. Nach einem Absturz des EU-Zuckerpreises in den ersten Jahren nach dem Ende der Quote wurden in der EU bereits sieben Zuckerfabriken geschlossen, davon vier in Frankreich, zwei in Deutschland und eine in Polen. Trotzdem bleibt die EU auch nach dem Brexit mit einer Zuckererzeugung und einem Zuckerverbrauch von jeweils 16,2 Mio. Tonnen Rw im ZWJ 2019/20 der weltweit drittgrößte Zuckerproduzent und global betrachtet zweitgrößte Absatzmarkt für Zucker.

Innerhalb der EU-27 ist Deutschland der zweitgrößte Produzent von Zucker und aufgrund seiner hohen Bevölkerungsanzahl das EU-Land mit dem höchsten Zuckerverbrauch. Sowohl in der EU-27 als auch in Deutschland stagniert der Verbrauch von Zucker jedoch schon seit vielen Jahren und hat sich zuletzt in der Tendenz eher rückläufig entwickelt.

Die Zuckererzeugung unterliegt stärkeren Schwankungen. Sowohl in Deutschland als auch in der EU war die Entwicklung im ZWJ 2019/20 gegenüber dem Vorjahr jedoch stabil. Damit liegt die Erzeugung in Deutschland – anders als in der EU-27 – weiterhin deutlich oberhalb des durchschnittlichen Niveaus vor Aufhebung der Produktionsquoten, ist gegenüber der Rekorderzeugung des ersten Jahres nach dem Ende des EU-Quotensystems (ZWJ 2017/18) jedoch um 16 Prozent gesunken.

Mit Blick auf das laufende ZWJ 2020/21 (Ernte 2020) zeigen vorläufige Zahlen einen Rückgang der EU-Erzeugung um rund 10 Prozent. Ursächlich hierfür ist vor allem ein Einbruch der Rübenerträge in Frankeich infolge des seit Kurzem geltenden Verbots bestimmter Insektizide (sogenannte Neonicotinoide, kurz Neonics) und einer damit einhergehenden starken Verbreitung des Vergilbungsvirus durch Blattläuse.

Vor dem Hintergrund des anhaltend niedrigen Preisniveaus am Weltmarkt sind die Exporte der EU-27 im ZWJ 2019/20 um knapp ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gesunken, wohingegen die Importe aus Drittstaaten wieder leicht angestiegen sind (+5%). So erreichten die EU-Exporte nur noch ein Niveau von 1,6 Mio. Tonnen Weißzucker (Ww) und lagen damit deutlich unterhalb der EU-Importe von 2,8 Mio. Tonnen Ww.

Wichtigstes Herkunftsland für EU-Zuckerimporte ist im ZWJ 2019/20 Brasilien, gefolgt von Swasiland, dem Vereinigten Königreich, Mauritius und Kuba. Insbesondere aus Swasiland und Brasilien sind die Importe zuletzt wieder stark angestiegen, wohingegen Serbien, Belize und Südafrika an Bedeutung verloren haben. Auf der Exportseite sind der Nahe Osten, Nord- und Westafrika sowie Länder in unmittelbarer EU-Nachbarschaft wichtige Absatzmärkte für die EU-27.