Es zählt, was im Netz ist: Das Catch Quota Management

Hintergrund

Ein wesentliches Problem des bisherigen Fischereimanagements der EU war, dass nur die angelandeten Fische auf die Fangquoten angerechnet wurden. Die unerwünschten Beifänge, die in aller Regel noch auf See über Bord geworfen wurden, wurden weder angerechnet noch berichtet.

Da die meisten Fische die Rückwurfprozedur nicht überleben, gehen sie so dem Bestand verloren. Und die Qualität der wissenschaftlichen Bestandsberechnung ist gering, wenn dieser teilweise erhebliche Teil der Fänge nicht berichtet wird und damit auch nicht in unsere Analysen eingehen kann.

Zur Vorbereitung der Reform der Gemeinsamen EU-Fischereipolitik haben wir in Pilotstudien gemeinsam mit der Fischerei getestet, ob sich ein Wechsel von Anlandequoten zu echten Fangquoten umsetzen lässt. Die Ergebnisse waren überwiegend positiv, vor allem, weil sie starke Anreize zur Vermeidung unerwünschten Beifangs im Wasser erzeugen. Sie haben uns aber auch gezeigt, dass es an einigen Stellen Probleme gibt, z.B. wenn seltene Arten oder solche mit sehr geringen Quoten die Fangmöglichkeiten für eine viel häufigere Zielart stark limitiert („choke species“). Wir haben aber für jedes der Probleme wenigstens theoretische Lösungsansätze gefunden.

Im Rahmen der GFP-Reform hat die Politik beschlossen, ab 2015 nicht nur Fangquoten einzuführen, sondern in vielen Fischereien gleich eine Verpflichtung zur Anlandung aller Fänge vorzuschreiben. Auch dieser Ansatz bringt besondere Herausforderungen mit sich – zum Beispiel in der Frage, wie man mit Fischen mit hohen Überlebensraten umgeht, die bei einer Verpflichtung zur Anlandung unweigerlich sterben. Die Überlegungen zur Ausgestaltung dieser Anlandeverpflichtung werden voraussichtlich erst 2019 beendet sein, wenn die Reform auch in der letzten EU-Fischerei umgesetzt ist.