Reformen für die Reform: Alternative Konzepte für das Fischereimanagement

Dossier

Um die Reform der Gemeinsamen EU-Fischereipolitik ab 2014 tatsächlich zum Erfolg zu führen, müssen etliche Prinzipien und Instrumente zum nachhaltigen Fischereimanagement reformiert oder ganz neu entwickelt werden.


Die Analyse der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU (GFP) über die vergangenen 20 Jahre zeigt, dass wesentliche Ziele der Politik nicht erreicht wurden. Auch wenn sich viele überfischte Bestände langsam erholen – von einem Managementsystem, das eine nachhaltige und profitable Fischerei garantiert, sind wir noch immer weit entfernt.

Die Reform der GFP ab 2014 soll die Wende bringen, ist aber so unspezifisch, dass der Erfolg weitgehend von Detailregelungen abhängt. Deshalb kommt es vor allem auf das Schaffen richtiger Anreize an, um die Eigenverantwortung der Fischerei zu stärken und das bisherige Mikromanagement, also das kleinteilige Erlassen sehr detaillierter Regelungen mit stetig ausufernden Nachweispflichten und Kontrollprozeduren, zu beenden. Wir arbeiten daher in enger Kooperation mit allen Beteiligten (Fischer, Politik, Handel/Industrie, Umweltverbände) daran, diese richtigen Anreize zu finden und zu evaluieren.  

Aber auch über die Umsetzung der aktuellen Reform hinaus entwickeln wir vorhandene Managementkonzepte weiter. Oder wir denken uns gänzlich neue Ansätze aus: Ob der Großhandel und die fischverarbeitende Industrie zum Beispiel rein preisorientiert ordern oder ihren Einkauf auch an Nachhaltigkeitsaspekten ausrichten, hat einen immensen Einfluss auf den Nachhaltigkeitsgrad der Fischerei. Deshalb versorgen wir Handel und Industrie mit wissenschaftlich glaubwürdigen Informationen, damit sie ihre eigenen Einkaufs-Politiken nachhaltiger gestalten können. Und wir überlegen uns, wie man die in der EU bislang weitgehend ungemanagten Freizeitfischer einbinden kann, ohne sie abzuschrecken und damit ihren hohen ökonomischen Wert für die Küstenregionen zu schmälern. Für all diese Überlegungen benötigen wir nicht nur biologische und ökonomische Informationen, sondern immer öfter auch Kenntnisse über weitere, „weiche“ Beweggründe der Akteure, die ihr Verhalten aber ebenfalls stark beeinflussen und denen wir deshalb mit sozialwissenschaftlichen Methoden auf die Spur zu kommen versuchen.