Nutztierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland

Dossier

Wie viel Tonnen Fleisch werden in Deutschland produziert? Wie viel davon wird exportiert? Diese und andere Fragen zur Tierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland beantworten wir mit einer Zusammenschau aktueller Daten.


Der Fleischverbrauch hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als 7 Millionen Tonnen gelegen, im Jahr 2020 ist er allerdings im zweiten Jahr in Folge rückläufig. Die Fleischproduktion dagegen hat sich seit der BSE-Krise in Jahr 2001 – gemessen an der Schlachtmenge – zunächst fast jedes Jahr erhöht und lag 2016 bei knapp 9 Millionen Tonnen. Seitdem ist ein Rückgang auf rund 8,5 Millionen Tonnen im Jahr 2020 zu verzeichnen.

Schweinefleisch ist in Deutschland nach wie vor die wichtigste Fleischart. Von 1999 bis 2020 ist der Pro-Kopf-Verbrauch allerdings von 54,9 auf 45 Kilogramm gesunken. Demgegenüber ist die Schlachtmenge in den letzten 20 Jahren von rund 4,1 Millionen auf rund 5,6 Millionen Tonnen im Jahr 2016 stetig angestiegen. Seitdem ist ein Produktionsrückgang auf knapp 5,1 Millionen Tonnen im Jahr 2020 festzustellen. Trotz des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest im September 2020 bleibt Deutschland aber Nettoexporteur, weil in der EU das Regionalkonzept gilt und weiter gehandelt werden darf.

Eine besonders rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch ist beim Geflügelfleisch zu beobachten. Im Gegensatz zum Schweinefleisch haben sich sowohl Produktion als auch Verbrauch nach oben entwickelt. Die Schlachtmenge bei Geflügel ist von 748.000 Tonnen im Jahr 1999 auf 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2020 gestiegen und hat damit in ihrer Bedeutung die Rindfleischproduktion überholt. 2019 haben die Deutschen knapp 1,9 Millionen Tonnen Geflügelfleisch verbraucht, dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwas mehr als 22 Kilogramm je Person.

Schlachtmenge versus Fleischverbrauch 2000, 2010, 2020 in tausend Tonnen. (© Thünen-Institut. Daten-Quelle: BZL-Datenzentrum, 2021, *2020 vorläufig)
Ausfuhr von Fleisch aus Deutschland nach Fleischarten in tausend Tonnen. (© Thünen-Institut. Daten-Quelle: BZL-Datenzentrum, 2021, *2020 vorläufig)

Die Schlachtmenge von Rindfleisch ist von knapp 1,3 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf knapp 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2020 zurückgegangen. Der Rindfleischverbrauch reduzierte sich – im Wesentlichen bedingt durch die Verbraucherverunsicherung im Zusammenhang mit BSE und der Maul- und Klauenseuche – zunächst auf knapp eine Million Tonnen 2009 und verzeichnete seitdem einen Wiederanstieg auf gut 1,2 Millionen Tonnen im Jahr 2020. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei gut 14 Kilogramm Rind- und Kalbfleisch im Jahr 2020.

Die Produktion und der Verbrauch von Schaf- und Ziegenfleisch haben in Deutschland im Vergleich zu den anderen Fleischarten eine deutlich geringere Bedeutung. Einer Schlachtmenge von 35.000 Tonnen steht (nach offizieller Statistik) ein Verbrauch von knapp 83.000 Tonnen an Schaf- und Ziegenfleisch gegenüber. Der Pro-Kopf Verbrauch liegt bei lediglich knapp einem Kilogramm je Jahr.

Tierbestände und ihre Entwicklung

Tierbestände und ihre Entwicklung, 2001 - 2020

Insgesamt sind die Tierbestände mit Ausnahme von Geflügel rückläufig. Die Anzahl der Schafe geht ebenfalls leicht zurück. Eine exakte stichtagbezogene Anzahl der Tiere anzugeben ist nicht möglich, da die Tierbestände nicht für alle Tierarten in jedem Jahr und zum gleichen Stichtag erhoben werden.

Das Geflügel hat zahlenmäßig den höchsten Anteil. 2020 wurden in Deutschland insgesamt 150 Millionen Tiere gehalten; davon waren 107 Millionen Mastgeflügel inklusive Truthühner, Enten und Gänse. 2020 wurden 42 Millionen Legehennen gezählt.

Zahlenmäßig von hoher Bedeutung in Deutschland ist auch die Schweinehaltung. In der Maizählung 2021 lag die Zahl der Schweine weiter unter 25 Millionen Tieren. Davon sind knapp zwei Drittel Mast- und Jungschweine.

Auch der Rinderbestand hat sich weiter reduziert auf 11,2 Millionen Rinder im Mai 2021. Mit 3,9 Millionen Milchkühen liegt der Bestand weiter auf einem vergleichbar niedrigen Niveau wie zur Zeit der BSE-Krise in 2006.

Die Schafhaltung spielt mit weniger als 1,6 Millionen gehaltenen Tieren nur eine untergeordnete Rolle.

Betriebsstrukturen

Gut die Hälfte aller Rinderhaltungen in Deutschland zählt weniger als 50 Tiere. Demgegenüber steht die Hälfte aller Rinder in Deutschland in Beständen von mehr als 200 Tieren. Dies entspricht rund 11 Prozent der Betriebe. Bei der Betriebsstruktur in der Rinderhaltung ist zu berücksichtigen, dass hier alle Nutzungsrichtungen (Milchkühe, Mutterkühe, Mastrinder) einfließen.

Ähnlich wie bei den Rindern sind auch die Betriebsstrukturen für Schweine ausgeprägt: Fast die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Schweine steht in Beständen mit mehr als 2.000 Tieren. Wie bei den Rindern ist die Betriebsstruktur der Schweinehaltung nicht in allen Produktionsrichtungen gleich. So sind die Betriebe in der Schweinemast vergleichsweise größer als in der Sauenhaltung.

Noch deutlicher wird der Trend zu großen Beständen beim Geflügel: Einerseits halten die meisten Betriebe in Deutschland nicht mehr als 100 Jungmasthühner. Andererseits werden 80 Prozent der Jungmasthühner in Beständen mit mehr als 50.000 Tieren gehalten.

Regionale Verteilung

Regionale Viehdichte 2016. (© Thünen-Institut/Statistisches Bundesamt)

Die vorliegenden Karten basieren auf der Agrarstrukturerhebung des Jahres 2016.

Gemessen an den Großvieheinheiten (GV) je Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) liegt das Zentrum der Veredlungswirtschaft (Schweine- und Geflügelhaltung) im Nordwesten Deutschlands. Ein weiterer – kleinerer – Schwerpunkt liegt im südlichen Bayern, der im Wesentlichen auf die Milchviehhaltung zurückgeht.

Die regionalen Schwerpunkte für die Rinderhaltung befinden sich vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und in Bayern. Milchkühe stehen vor allem in Landkreisen mit hohem Grünlandanteil.

Service zum Download

Die jährlich aktualisierten „Steckbriefe zur Tierhaltung“ geben einen Überblick über die Produktion, den Verbrauch und den Außenhandel mit Fleisch. Außerdem enthalten sie Angaben zur Entwicklung der Tierbestände, zu Betriebsstrukturen und zur räumlichen Verteilung der Produktion in Deutschland.

Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Ein Überblick
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Schweine
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Milchkühe
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Mastrinder
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Legehennen
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Mastgeflügel
Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Aquakultur

Die Steckbriefe greifen bewusst nicht die vielfältigen und laufenden Diskussionen zum Thema Tierhaltung in Deutschland (und weltweit) auf, liefern aber einen fachlichen Beitrag, um eben diese gesellschaftliche und politische Diskussion über den Status quo und die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland auf einer soliden Informationsbasis führen zu können.