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Freihandel USA-Europa (TTIP): Ist die europäische Rindfleischproduktion in Gefahr?

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Vor dem Hintergrund eines möglichen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA untersucht eine neue Studie die voraussichtliche Wettbewerbsfähigkeit und die Perspektiven der Produktion und des Handels.

Feedlots in den USA haben teilweise mehr als 100.000 Rinder und verwenden überwiegend Wachstumsförderer wie Hormone und Beta-Agonisten. (© agri benchmark)

Die USA zählen zu den größten Rindfleischproduzenten und –exporteuren. Auf Grund des höheren europäischen Preisniveaus haben sie daher einen Anreiz, Rindfleisch nach Europa zu exportieren. Allerdings stellen sowohl existierende Importzölle von etwa 60 Prozent als auch gesundheitspolitische Handelsbeschränkungen Hindernisse für den Import in die europäischen Länder dar. Sollten jedoch die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU abgeschlossen werden, könnte zumindest der Zollsatz deutlich gesenkt werden.

In unserer Studie gehen wir davon aus, dass auch unter einem Handelsabkommen nur Rindfleisch in die EU-gelangt, das ohne Wachstumsförderer wie Hormone und Beta-Agonisten produziert wurde. Wir haben dementsprechend den Kosteneffekt errechnet, den ein Verzicht auf diese Substanzen für ein Feedlot mit einer Jahresproduktion von 75.000 Rindern in den USA hätte. Ohne Wachstumsförderer sinken die Futteraufnahme, die Futterverwertung, die täglichen Zunahmen und die Ausschlachtung. Insgesamt führt dies zu Kostensteigerungen von rund 10%. Hinzu kommen die Transportkosten von den USA nach Europa. Abbildung 1 zeigt das Ergebnis dieser Berechnungen für das Jahr 2012. Es zeigt sich, dass unter Berücksichtigung der oben genannten Kostenänderungen die US-Kosten nahe oder über den meisten Preisen (und teilweise Kosten) der untersuchten EU-Betriebe lägen. Demnach dürfte kaum ein wirtschaftlicher Anreiz bestehen, Rindfleisch in größeren Mengen nach Europe zu exportieren.

Unsere Studie kommt also zu dem Ergebnis, dass der Gesamteinfluss des möglichen Freihandelsabkommens auf die europäische Rindfleischproduktion eher gering sein dürfte. Diese Aussage wird durch einen Analyse gestützt, die vom Thünen-Institut für Marktanalyse mit dem Handelsmodell GTAP erzeugt wurde: sie zeigt einen sehr geringen Anstieg der US-Rindfleischimporte und einen Rückgang der deutschen Rindfleischproduktion von lediglich 0,5 % (Pelikan and Banse 2012).

Ergebnisse der Studie wurden unter anderem im Newsletter des IMS (International Meat Secretariat) sowie in der deutschen und der englischsprachigen Ausgabe (jeweils Heft 3, 2014) “Fleischwirtschaft” veröffentlicht. Die Vollversion der englischsprachigen Studie kann von der agri benchmark Website heruntergeladen werden.