Waldschäden durch Trockenheit und Hitze

Fragen & Antworten

Die Wälder in Deutschland leiden unter den herrschenden Witterungsbedingungen. Im Folgenden geben wir Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema Wald und Klima.

Auswirkungen von Trockenheit und Hitze: Häufig sind geschädigte und ungeschädigte Bäume in direkter Nachtbarschaft zu finden (hier ein Schwarzkiefernbestand in Franken). (© Thünen-Institut/Tanja Sanders)

Wie geht es dem Wald in Deutschland nach den Trocken- und Hitzeperioden im Sommer 2019?

Deutschlandweit beobachten wir in Altbeständen Schäden und Absterbeerscheinungen in Fichtenbeständen, aber gebietsweise auch bei Buchen. Kiefern und Eichen scheinen insgesamt weniger betroffen. Dies liegt zum einen an einer höheren Toleranz der beiden Arten gegenüber Trockenheit und Hitze (hier ist besonders die Traubeneiche zu nennen), aber auch an zum Teil weniger „dramatischen“ Bedingungen in den Wuchsregionen. Allerdings leiden beide Baumarten in einigen Regionen unter dem Befall von Schaderregern (u.a. Nonne, Kiefernspinner, Forleule, Diplodia-Triebsterben an Kiefer und Eichenprozessionsspinner, Schwammspinner, Frostspanner an Eichen). 

Erhebliche Schäden sind jedoch in Anpflanzungen und Naturverjüngungen entstanden. Für das vergangene Jahr 2018 beliefen sich die Schäden auf schätzungsweise 33 Mio. m³ Schadholz (das ist ca. der halbe Jahreseinschlag in Deutschland) und ca. 110.000 ha Schadflächen. Das entspricht fast der Hälfte der Fläche des Saarlandes.

Für das laufende Jahr wird mit einer Steigerung der Schäden gerechnet. Abschließende Schätzungen für das Jahr 2019 liegen aber frühestens Anfang 2020 vor.

Kann man von einem „Waldsterben 2.0“ sprechen?

Der Begriff „Waldsterben“ ist irreführend. Die aktuellen Schäden betreffen einzelne Bäume, Baumgruppen und bei der Fichte auch Bestände. Der Wald verschwindet aber nicht, sondern andere Bäume können die entstehenden Lücken zum Aufwachsen nutzen, so dass wieder Wald entstehen kann. Bei größeren abgestorbenen Flächen werden Anpflanzungen neuer Bäume genutzt, um die Fläche wieder zu bewalden. Die Bewältigung der aktuellen Schäden erfordert aber einen hohen logistischen und ökonomischen Aufwand, der die Forstwirtschaft vor große Herausforderungen stellt.

Die aktuellen Schäden sind auch nicht wie in den 1980er Jahren vorwiegend durch Luftschadstoffe und sauren Regen verursacht, sondern durch den Klimawandel und die sich verstärkenden Extremwetterlagen. Die langfristige Lösung liegt daher in einer drastischen Reduktion der Treibhausgasemissionen, um die Erwärmung zu begrenzen.

Die aktuellen Schäden sind durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren entstanden, welche mit den Stürmen im Herbst 2017 und Frühjahr 2018 und einem hohen Totholzvorkommen anfingen. Hinzu kamen die in einigen Regionen sehr trockenen und heißen Sommer 2018 und 2019.

Was hat die Schäden verursacht?

Die Schadursachen sind für jede Baumart unterschiedlich. Bei der Fichte sind hauptsächlich Borkenkäfer (Buchdrucker, Kupferstecher) für die Schäden verantwortlich. Diese konnten sich aufgrund der bereits erheblichen Schäden im Jahr 2018 in den geschwächten Fichtenbeständen weiter ausbreiten. Vitale Fichten können sich durch Harz, das Käfer an der Einbohrstelle umschließt, gegen einen Anfangsbefall wehren, nicht jedoch gegen einen Massenbefall. Trockenheit führt allerdings dazu, dass die Fichten weniger Harz bilden können.

Buchen sind durch die direkte Wirkung von Hitze (Blattschädigung, Sonnenbrand) und Trockenheit (Kronenwelke) geschädigt worden.

Welche Folgen haben die Waldschäden?

Der forstwirtschaftliche Schaden ist besonders bei der Fichte immens. Die vom Borkenkäfer befallenen Bäume müssen möglichst schnell gefällt und aus den Wäldern transportiert werden. Das Schadholz kann durch das aktuelle Überangebot nur mit Preisabschlägen verkauft werden, gleichzeitig muss aber die Wiederaufforstung finanziert werden.

Die Fichtenschäden werden vermutlich auch negative Folgen für die Klimaschutzfunktion der Wälder haben. Fichte liefert als zuwachsstärkste heimische Baumart 40 % des Holzzuwachses und 50 % der Ernteholzmengen in Deutschland. Damit trägt der Fichtenzuwachs einen sehr wichtigen Beitrag zur Kohlenstoffbindung im Waldholz und in Holzprodukten bei. Der Verlust von zuwachsstarken Fichtenbeständen kann die Klimaschutzwirkung vermindern.

Mittel- und langfristig ist mit einem Wandel der Baumartenzusammensetzung zu rechnen.

Welche Anpassungsoptionen gibt es?

Der Klimawandel mit seinen häufigeren Hitze- und Trockenextremen wird voraussichtlich dazu führen, dass sich die Baumartenzusammensetzung ändert. Mischwälder mit unterschiedlichen Baumarten können dabei die Schadrisiken verteilen und vermindern, so dass eine besser angepasste Baumart den Platz und die Funktion einer geschädigten Baumart übernehmen kann. Auch die Einmischung von Bäumen unserer heimischen Baumarten wie Buche oder Eiche, die vom trocken-warmen Verbreitungsrand in Süd(ost)-Europa stammen, kann die Anpassung der Wälder erhöhen.

Insbesondere auf trockeneren und wärmeren Standorten empfiehlt sich die Erweiterung der Baumartenpalette mit heimischen Baumarten aus trockeneren bzw. kontinentalen Klimaten wie z.B. Esskastanie, Winterlinde, Hainbuche, Wildobstarten, Flaumeiche, Elsbeere, mit eingeführten Baumarten aus dem süd(öst)lichen Europa wie Ungarische Eiche, Zerreiche, Hopfenbuche, Orientbuche oder mit eingeführten Arten aus Übersee mit Verbreitung in sommertrockenen Klimaten wie Douglasie, Küstentanne oder Roteiche. Dabei ist es eine wichtige Aufgabe von Wissenschaft und Praxis, eine auf das zukünftige Klima optimierte Baumartenwahl, Baumartenmischung und Bestandesbehandlung zu entwickeln.

Wie ist die Waldbrandsituation in Deutschland?

Waldbrandfläche, Anzahl Waldbrände und Schadenshöhen (© Thünen-Institut, Quelle: BLE)

Trockenheit und Hitze begünstigen die Entstehung von Waldbränden. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) stellt alljährlich Daten zur Waldbrandhäufigkeit und Waldbrandfläche in Deutschland zusammen. Danach sind im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre jährlich rund 800 Waldbrände zu verzeichnen. Die meisten Waldbrände gibt es im Mai. Im Bundesländervergleich ist vor allem Brandenburg wegen seiner schnell austrocknenden, sandigen Böden und leicht brennbaren Kiefernwälder besonders anfällig für Waldbrände.

In manchen Jahren können die durch Waldbrände verursachten Schäden leicht in die Millionenhöhe gehen, so z.B. 2000, 2003, 2008, 2010 und 2018. Es ist zu befürchten, dass auch das aktuelle Jahr – allein schon durch den Großbrand bei Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) – ein überdurchschnittlich heftiges Waldbrandjahr wird.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht auf seiner Webseite tagesaktuell den sogenannten Waldbrandgefahrenindex. Dort wird auf einer Karte angegeben, wie hoch aus meteorologischer Sicht die Waldbrandgefahr in den einzelnen Regionen Deutschlands ist.

Das Thünen-Institut für Waldökosysteme arbeitet zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin an der Entwicklung eines praktikablen Systems zur Früherkennung von Waldbränden. Kern des Systems ist ein Wasserstoffsensor. Beim Verbrennen von organischem Material entsteht als erstes Wasserstoff. Überschreitet die Wasserstoffkonzentration in der Luft einen bestimmten Schwellenwert, meldet der Sensor den möglichen Brand an eine Zentrale. Auf diese Weise lässt sich ein Schwelbrand schon erkennen, bevor eine offene Flamme da ist. Wertvolle Zeit wird gewonnen. Nähere Infos geben das Thünen-Projekt INPRIWA und ein Interview in dem Magazin „Wissenschaft erleben“.

Der Film Grenzenlose Wälder informiert über die Probleme, die der Klimawandel für die Wälder in Mitteleuropa verursacht, und zeigt Handlungsoptionen auf. Er ist im Rahmen des EU-Verbundprojekts SUSTREE („Nachhaltige Nutzung von forstgenetischen Ressourcen im Klimawandel“) entstanden und auf YouTube zu sehen. Das 26-minütige Video (englisch mit deutschen Untertiteln) hat die Tschechische Universität für Lebenswissenschaften Prag mit Unterstützung der Projektpartner produziert, u.a. des Thünen-Instituts für Waldökosysteme.