Es brennt im Wald! Was tun?

Dossier

Berichte aus dem April über brennende Wälder in Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Niederlanden zeigen: Die Gefahr von Waldbränden ist auch in diesem Jahr wieder hoch. Seit Mitte März hat es in Deutschland zu wenig geregnet, im Wald liegt viel trockenes Holz und die Bäume sind, so zeigt die Waldzustandserhebung 2019, durch die Trockenheit der vergangenen Jahre stark angegriffen. Ideale Voraussetzungen für Waldbrände.

In den letzten Jahren waren vor allem der Mai und der Juli die Monate mit den meisten Waldbränden. Was Sie persönlich tun können, wenn Sie einen Brand entdecken, erfahren Sie hier.


Es brennt, es raucht oder glüht! Egal, ob Sie offenes Feuer, glühendes oder schwelendes Material sehen oder einfach nur Rauchentwicklung: Wählen sie die 112! Deutschlandweit! Unter dieser Nummer erreichen Sie Feuerwehr und Rettungsdienst.

  • Nennen Sie Ihren Namen und beschreiben sie die Örtlichkeit möglichst genau.
  • Begeben Sie sich nach Möglichkeit an einen Rettungspunkt (s. unten), um die Einsatzkräfte von dort in das Schadensgebiet einzuweisen.
  • Geben Sie Ihre Handy-Nummer an die Leitstelle weiter und halten Sie sich für eventuelle Rückfragen zur Verfügung.

Begeben Sie sich nicht selbst in Gefahr. Entfernen Sie sich von der Brandstelle und beachten Sie dabei die Windrichtung – ein Waldbrand kann sich bei Wind und besonderer Trockenheit schnell ausbreiten.

Rettungspunkte

Typische Rettungspunkt-Tafeln an Waldrändern (© )

Forstliche Rettungspunkte sind definierte Orte im Wald, die mithilfe von Koordinatenangaben Treffpunkte beschreiben. Rettungspunkte erkennen Sie an Schildern im Eingangsbereich von Wäldern. Sie erleichtern bei Unfällen oder Bränden die Angabe des eigenen Standortes. Die Rettungsleitstelle kann die Nummer auf dem Schild zuordnen, und Ärzte oder Feuerwehr finden schneller zum Unglücksort.

Die Rettungspunkte-Dateien können unter www.rettungspunkte-forst.de zentral heruntergeladen werden. Mit der kostenlosen App „Hilfe im Wald“ (für Android und iOS) lassen sich die jeweiligen Rettungspunkte (mittlerweile mehr als 50.000) auch per GPS einfach mit dem Smartphone finden.

Waldbrände können ganz unterschiedliche Ursachen haben:

  • Selbstentzündung.
  • Blitzschlag.
  • Brandstiftung.
  • Zigaretten – vom 1. März bis zum 31. Oktober (in Sachsen-Anhalt vom 15. Februar bis 15. Oktober) herrscht im Wald Rauchverbot! In den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen gilt sogar ein ganzjähriges Rauchverbot.
  • (Lager-)feuer und Grillen im Wald.
  • heiße Katalysatoren von Autos oder Motorrädern, die im Wald oder am Waldrand abgestellt wurden.
  • auch Funkenflug beim Eisenbahnbetrieb oder schnell drehende Maschinenteile von forst- bzw. landwirtschaftlichen Maschinen können einen Brand auslösen.

Die verschiedenen Brandarten

Waldbrände beginnen meist als Bodenfeuer. Es kann entstehen, wenn viel organisches Material wie Laub und Totholz am Boden vorhanden ist. Ein Bodenfeuer ist noch recht einfach zu bekämpfen, kann sich aber durch Unterholz und trockene Vegetation schnell ausbreiten. Wächst dieses zu einem Lauffeuer an, kann es – besonders bei Nadelholzbeständen – auf Stämme überspringen. Ein Lauffeuer kann zu einem Vollfeuer werden und somit zu einer rasanten Ausbreitung der Flammen führen. Das Vollfeuer umfasst sowohl die Bodenvegetation, den Stamm als auch die Baumkrone. Trockene Nadeln lassen die Kronen in einer äußerst massiven Form durchzünden, was zu einer beschleunigten und umfangreichen Ausbreitung beiträgt.

Deutschlandkarte (Muster) mit Gefahrenstufen für Waldbrände (© DWD)

Bei einem Vollfeuer ist der Löscheinsatz gefährlich und schwer unter Kontrolle zu bringen. Die Brandintensität ist so hoch, dass selbst breitere Wege vom Feuer übersprungen werden können. Eine Ausbreitung ist nur schwer zu verhindern. Ein Vollfeuer kann oftmals nur durch Unterstützung aus der Luft erfolgreich bekämpft werden.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht auf seiner Webseite tagesaktuell den sogenannten Waldbrandgefahrenindex. Dort wird auf einer Karte angegeben, wie hoch die Waldbrandgefahr in den einzelnen Regionen Deutschlands ist. Der Index beschreibt das meteorologische Potenzial für die Gefährdung durch Waldbrand.

Die Gefahrenhöhe ist in fünf Stufen eingeteilt.

Stufe 1sehr geringe Gefahrkeine Waldbrandgefahr
Stufe 2geringe GefahrWaldbrandgefahr
Stufe 3mittlere Gefahrerhöhte Waldbrandgefahr
Stufe 4hohe Gefahrhohe Waldbrandgefahr
Stufe 5sehr hohe Gefahrhöchste Waldbrandgefahr

Früherkennung

Das Thünen-Institut für Waldökosysteme hat vor einigen Jahren zusammen mit der Humboldt-Universität zu Berlin ein System zur Früherkennung von Waldbränden entwickelt. Kern des Systems ist ein Wasserstoffsensor. Beim Verbrennen von organischem Material entsteht als erstes Wasserstoff. Überschreitet die Wasserstoffkonzentration in der Luft einen bestimmten Schwellenwert, meldet der Sensor den möglichen Brand an eine Zentrale. Auf diese Weise lässt sich ein Schwelbrand schon erkennen, bevor eine offene Flamme da ist. Wertvolle Zeit wird gewonnen.

Nähere Infos gibt das Thünen-Projekt INPRIWA. In einem Interview in dem Magazin „Wissenschaft erleben“ sprechen Jürgen Müller (Thünen-Institut) und Michael Luthardt (Landeskompetenzzentrum Forst) über den neuartigen Waldbrandsensor und die Herausforderungen nach den Waldbränden 2018.

Waldbrandstatistik

Waldbrandfläche, Anzahl Waldbrände und Schadenshöhen (© Thünen-Institut, Quelle: BLE)

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) stellt alljährlich Daten zur Waldbrandhäufigkeit und Waldbrandfläche in Deutschland zusammen. Danach sind im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre jährlich rund 800 Waldbrände zu verzeichnen. Die meisten Waldbrände gibt es im Mai und Juli. Im Bundesländervergleich ist vor allem Brandenburg wegen seiner schnell austrocknenden, sandigen Böden und leicht brennbaren Kiefernwälder besonders anfällig für Waldbrände.

In manchen Jahren können die durch Waldbrände verursachten Schäden leicht in die Millionenhöhe gehen, so z.B. 2000, 2003, 2008, 2010 und 2018. Auch das Jahr 2019 war ein überdurchschnittlich starkes Waldbrandjahr – allein schon durch den Großbrand bei Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern) und mehrere Großbrände in Brandenburg.

Welche Auswirkungen die trockenen Sommer 2018 und 2019 – neben Waldbränden – auf die Vitalität der Wälder gehabt haben und wie die Wälder an den Klimawandel angepasst werden können, lesen Sie hier.