ICES-Fangempfehlungen: Was steckt dahinter?

Expertise

Jedes Jahr veröffentlicht der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) den wissenschaftlichen Ratschlag zum Zustand der Fischbestände im Nordostatlantik (ICES Advice) und schlägt nachhaltige Fangquoten für das nächste Jahr vor. Im Folgenden erläutern wir den Zustand der für deutsche Fischereien wichtigsten Fischbestände der Nordsee und des Nordostatlantiks und die darauf aufbauenden wissenschaftlichen Fangquoten-Empfehlungen.


Der Status vieler Fischbestände im Nordostatlantik und angrenzender Gebiete hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren deutlich verbessert. Durch das Absenken der Fangquoten und den daraus resultierenden Beschränkungen der Fischerei zeigt die Biomasse von vielen Beständen einen positiven Trend. Von 2003 bis 2015 nahm die Bestandsbiomasse im Nordostatlantik um durchschnittlich 35 % zu. Immer mehr Bestände werden nachhaltig nach dem Prinzip des maximalen Dauerertrages (MSY) bewirtschaftet, auch wenn das MSY-Ziel nicht für alle Bestände erreicht ist. 2015 hatten 39 von 66 Beständen, für die entsprechende Referenzwerte vorliegen, das MSY-Kriterium erreicht. Dies entspricht 59 % der bewerteten Bestände, während es 2005 nur 6 % waren. Im Jahr 2020 sollen laut politischer Vorgaben alle Bestände nach dem MSY-Kriterium bewirtschaftet sein.

Die Erholung der Bestände hat auch positive ökonomische Effekte. So verzeichnete die EU-Fangflotte im Jahr 2014 Rekord-Nettogewinne in Höhe von 770 Mio. EUR. Das entspricht einem Zuwachs um über 50 % gegenüber dem Wert von 2013 (500 Mio. EUR).

Was bedeuten MSY und FMSY?

Unter dem maximalen Dauerertrag (englisch: Maximum Sustainable Yield, MSY) versteht man die optimale Fangmenge, die einem Fischbestand unter Ausschöpfung seines maximalen Wachstumspotenzials entnommen werden kann, ohne dass seine Fortpflanzungsfähigkeit in der Zukunft gefährdet ist.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) in Johannesburg 2002 sind die EU-Mitgliedstaaten, gemeinsam mit vielen anderen Ländern, die politische Verpflichtung für eine Bewirtschaftung ihrer Fischbestände auf Basis von MSY eingegangen und haben dieses Ziel in der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) verankert. Ein Hauptziel der GFP ist es, bis 2020 alle Bestände mit Fangbeschränkungen so zu bewirtschaften, dass sie den maximalen Dauerertrag liefern können. FMSY bezeichnet dabei die optimale Fischereiintensität, die den maximalen Dauerertrag ermöglicht. Werden Bestände über FMSY befischt, so wird ihr Wachstumspotenzial nicht mehr optimal ausgeschöpft und die Fischereien verlieren langfristig Ertrag.

Eine Gefährdung des Bestandes tritt aber erst ein, wenn über einen längeren Zeitraum mehr Fische entnommen werden als nachwachsen und eine kritische Elternbestands-Biomasse unterschritten wird, unterhalb derer das Risiko einer verminderten Nachwuchsproduktion rapide steigt. Der Bestand befindet sich dann außerhalb sicherer biologischer Grenzen.

Somit ist eine Überfischung in Bezug auf den maximalen Dauerertrag (Verlust an Ertrag) von einer Überfischung in Bezug auf sichere biologische Grenzen (verminderte Nachwuchsproduktion) zu unterscheiden.

Was ist die fischereiliche Sterblichkeit?

Die fischereiliche Sterblichkeit ist ein Maß für die Menge an Fisch oder anderen marinen Tieren, die über einen bestimmten Zeitraum durch Fischfang vom fischereilich nutzbaren Anteil eines Bestandes entnommen wird.

Erläuterungen zu den einzelnen Empfehlungen

Kabeljau Nordsee

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Für diesen Bestand nimmt die fischereiliche Sterblichkeit seit 2000 kontinuierlich ab, ist aber immer noch über dem Referenzwert FMSY. In den letzten Jahren hat sich die Laicherbestands-Biomasse zunehmend erholt und war 2017 knapp innerhalb sicherer biologischer Grenzen. Auch findet man zunehmend wieder ältere Tiere im Bestand.

Die Erholung beschränkt sich jedoch fast ausschließlich auf den nördlichen Bereich der Nordsee. Im südlichen Teil ist der Bestand immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau ohne Anzeichen einer Erholung. Klimatische Veränderungen spielen hier sicher neben der Fischerei eine Rolle, da die Nordsee die südliche Grenze des Verbreitungsgebietes von Kabeljau darstellt. Wissenschaftliche Studien lassen außerdem vermuten, dass eine Wiederbesiedlung der südlichen Gebiete durch Kabeljau aus dem Norden unwahrscheinlich ist, da Kabeljau meist zu seinen angestammten Laichgebieten zurückkehrt. Insgesamt ist die Produktivität des Nordseebestandes nach 1998 niedrig im Vergleich zu früheren Jahren. Im Jahr 2017 gibt es seit langem wieder Anzeichen für eine etwas höhere Nachwuchsproduktion.

Basierend auf dem MSY-Ansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von 53.058 Tonnen für 2018. Die erlaubte Höchstfangmenge 2017 lag bei 47.023 Tonnen. Auf den ersten Blick entspricht dies einer Erhöhung, jedoch bezogen auf die Anlandungen von Fischen über einer Mindestlänge, die für den menschlichen Konsum vermarktet werden darf, ist dies eine Kürzung von 24 %. Die deutliche Kürzung ist notwendig, um FMSY zu erreichen. Auch wurde der Juni-Ratschlag im Herbst nach unten angepasst, da zusätzliche Informationen aus dem Sommersurvey eine präzisere, aber etwas niedrigere Einschätzung der Nachwuchsstärke für 2017 erbrachte.

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Seelachs Nordsee

Seelachs (© Thünen-Institut)

Der Bestand ist innerhalb sicherer biologischer Grenzen und wird seit 2013 unterhalb von FMSY befischt. Die Produktivität des Bestandes ist dennoch in den letzten 10 Jahren geringer als in den Jahrzenten davor, was ungünstige Umwelteinflüsse vermuten lässt.

ICES empfiehlt für 2018 eine Höchstfangmenge von 118.460 Tonnen. Bezogen auf die Anlandungen von Fischen mit einer Mindestlänge, die für den menschlichen Konsum vermarktet werden darf, entspricht dies einer Kürzung der Höchstfangmenge von 2,4 % im Vergleich zu 2017. Somit bleiben die Fangoptionen zwischen 2017 und 2018 nahezu stabil.

Im letzten Jahr verzeichneten die ICES-Empfehlungen einen sprunghaften Anstieg der Fangmengen im Vergleich zu 2016. Der Grund: Die verwendeten Daten und das Model zur Bestandsabschätzung und Fangmengenempfehlung wurden überprüft. Solche Überprüfungen werden regelmäßig durchgeführt um sicherzustellen, dass immer die neuesten methodischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Empfehlungen einfließen, auch wenn die daraus resultierenden Änderungen oftmals nicht biologisch begründbar und nur schwer zu vermitteln sind.

In der aktuellen Überprüfung wurde beschlossen, ein neues Modell zu benutzen (SAM anstatt XSA) und die benutzten Eingangsdatenserien zu ändern. Die kommerziellen Fänge pro Aufwandszeitserien werden nun nicht mehr altersbasiert berechnet und nach Nationen getrennt, sondern es wird nur noch ein standardisierter Index über die Flotten der drei wichtigsten Nationen mit gezielter Seelachsfischerei berechnet. Die Konsequenz daraus ist, dass Daten, die auf den Forschungsschiffen gewonnen werden, mehr Gewicht im neuen Modell bekommen und die Zeitserien aus der kommerziellen Fischerei an Gewicht verlieren. Der Vorteil ist, dass das Assessment nun weniger von sogenannten gerichteten Fehlern, die oftmals ein Problem in kommerziellen Zeitserien darstellen, abhängig ist. Denn eine gezielte Fischerei kann den Fang pro Aufwand hochhalten, obwohl der Bestand abnimmt, indem sie sehr gezielt mit hochmodernen Methoden Fischansammlungen aufspürt. Diese Befürchtungen gibt es beim wissenschaftlichen Survey nicht. Dafür sind die Indices aber mit größeren Unsicherheitsbereichen behaftet und können von Jahr zu Jahr stark schwanken. Zusammen mit einer unsicheren Abschätzung der Nachwuchsstärke ergibt sich eine unsichere Vorhersage des Bestandes und damit eine unsichere Empfehlung der Höchstfangmenge.

Um die Unsicherheiten in Zukunft zu verringern, testen Norwegen und Deutschland gerade ein neues Survey-Design, das speziell auf Seelachs ausgerichtet ist.

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Scholle Nordsee

Scholle (© Thünen-Institut)

Bedingt durch eine kontinuierliche Abnahme im Fischeraufwand der Hauptfangflotten für Plattfische seit Anfang der 2000er Jahre ist auch die fischereiliche Sterblichkeit (F) für Scholle in den letzten Jahren stetig gesunken. Seit 2009 liegt sie knapp um den Referenzwert FMSY. Während die ermittelte Rekrutierung seit Mitte der 1990er durchschnittlich ausfällt, ist die Laicherbiomasse der Scholle deutlich angestiegen und erreichte in den letzten Jahren die höchsten Werte seit Aufzeichnung der Daten.

Die Fangempfehlung des ICES nach dem MSY-Konzept beträgt für das Jahr 2018 für Scholle aus der Nordsee und dem Skagerrak zusammen (seit 2016 kombinierte Fangempfehlung für beide Gebiete) 142.481 Tonnen. Sie liegt damit unter der Vorjahresempfehlung von 158.201 Tonnen. Allerdings lag der Gesamtfang in den beiden Vorjahren deutlich unter der empfohlenen Höchstfangmenge.

Eine Absenkung der Höchstfangmenge ist notwendig, wenn man den Bestand basierend auf den Vorhersagen weiterhin mit FMSY befischen möchte. Allerdings sieht man eine Tendenz zu einem niedrigeren Gewicht der Einzeltiere, was auf eine Nahrungslimitation hindeuten könnte.

Sollte sich das bestätigen, müsste der Referenzwert für FMSY überarbeitet werden, da der Bestand in diesem Fall trotz Bewirtschaftung auf FMSY-Niveau nicht seine maximale Produktivität entfaltet. Noch ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob der Rückgang im mittleren Gewicht durch natürliche Schwankungen hervorgerufen wird oder aber anzeigt, dass Nahrungslimitation durch den hohen Bestand auftritt. Dies ist ein zentraler Punkt, der die Wissenschaft momentan beschäftigt, um das Management basierend auf dem MSY-Ansatz zu optimieren.

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Seezunge Nordsee

Seezunge (© Thünen-Institut)

Die Laicherbestandsbiomasse der Seezunge in der Nordsee steigt seit 2007 an und liegt seit 2012 innerhalb sicherer biologischer Grenzen. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 kontinuierlich gesunken, lag in 2016 allerdings ganz leicht über dem Referenzwert von FMSY. Die ermittelte Rekrutierung liegt seit Anfang der 1990er Jahre ohne erkennbaren Trend unter dem langjährigen Mittel.

Basierend auf einem Management-Plan der EU für Seezunge (Council Regulation No. 676/2007) spricht der ICES eine Fangempfehlung von nicht mehr als 15.726 Tonnen in der Nordsee aus, die damit etwas höher ausfällt als die Vorjahresempfehlung (15.300 Tonnen), aber etwas niedriger als die tatsächlich beschlossene Höchsfangmenge in 2017 (16.123 Tonnen). Die beschlossene Höchstfangmenge lag in den Vorjahren häufig höher als die Fangempfehlungen des ICES.

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Hering Nordsee

Hering (© Thünen-Institut)

Die Laicherbestandsbiomasse des Nordseeherings schwankt seit Ende der 1990er Jahre zwischen 1,1 und 2,3 Millionen Tonnen. Ein starker Rückgang des Laicherbestandes Mitte der 1990er Jahre führte zu drastischen Fangbeschränkungen. Zusätzlich wurde ein Managementplan entwickelt und eingeführt. Im Ergebnis erholte sich der Bestand nachhaltig. Seit 1996 liegt die Laicherbestandsbiomasse innerhalb biologisch sicherer Grenzen und die fischereiliche Sterblichkeit beständig unterhalb von FMSY.

Trotz der guten Bestandsstärke ist das Aufkommen an Heringsnachwuchs seit 2003 nur unterdurchschnittlich. Einzig 2014 brachte einen stärkeren Nachwuchsjahrgang hervor. Aus Heringslarvenfängen auf den Laichplätzen ist ersichtlich, dass nach wie vor ausreichend Larven schlüpfen. Diese erreichen jedoch zumeist nicht das Jungheringsstadium. Die Gründe hierfür sind nicht abschließend geklärt. Die letzten wirklich starken Jahrgänge datieren aus den Jahren 1998 und 2000. Trotzdem reicht die schwache Nachwuchsproduktion (bei dem gegenwärtigen relativ geringen Fischereidruck) aus, um den Bestand aufzufüllen.

Eine zwischen der EU und Norwegen abgestimmte Management-Strategie bildet seit 1998 die Grundlage für die Berechnung der wissenschaftlichen Fangempfehlung. Sie wurde letztmalig 2014 überarbeitet. Auf Basis dieser Management-Strategie beläuft sich die ICES-Fangmengenempfehlung für 2018 auf 517.891 Tonnen (Anstieg um 5 % gegenüber der erlaubten Höchstfangmenge 2017).

Zieht man allerdings das Konzept des maximalen Dauerertrages (MSY) als Basis für die Fangmengen-Empfehlung heran, ergibt sich eine höhere Fangempfehlung. Die Referenzwerte für den Bestand änderten sich 2016 infolge neuer Abschätzungen zur natürlichen Sterblichkeit. Es besteht seither eine Abweichung zwischen FMSY (F(2-6) = 0.33) und dem Zielwert aus der Management-Strategie (F(2-6) = 0.26). Basierend auf FMSY ergibt sich eine Fangempfehlung von 628.873 Tonnen für 2018 (+28 % gegenüber der erlaubten Höchstfangmenge von 2017). Sie liegt damit deutlich höher als laut Managementstrategie vorgesehen. Verhandlungen werden zeigen, welche der zwei langfristig nachhaltigen Grundlagen zur Festlegung der erlaubten Höchstfangmenge in 2018 herangezogen werden.

Neben der Fischerei zur Humanernährung (A-Flotte) existiert in der Nordsee auch eine Industriefischerei zur Erzeugung von Fischmehlen und -ölen (B-Flotte). Da hier vornehmlich Jungheringe als Beifang auftreten, wird dieses Flottensegment mit einer eigenen Höchstmengenbegrenzung für Heringsbeifang versehen (2018 voraussichtlich 7.643 Tonnen). Außerdem vermischen sich vor der südlichen norwegischen Küste, im Skagerrak/Kattegat und in der westlichen Ostsee Heringsbestände aus Nord- und Ostsee und werden gemeinsam gefangen. In den entsprechenden Gebieten werden deshalb die jeweiligen Segmente (C, D, F) ebenfalls mit separaten Höchstfangmengen an Nordsee- und Ostseehering belegt, um einer Übernutzung einzelner Bestandskomponenten vorzubeugen. Die eben beschriebenen Fanganteile an Nordseehering sind keine Extra-Quoten, sondern sind Teilquoten der erlaubten Höchstfangmenge.

Neben den Fangdaten und den biologischen Beprobungen aus der Fischerei werden bei den Bestandberechnungen auch verschiedene Zeitserien aus wissenschaftlichen Forschungsreisen verwendet (Heringslarven-Survey, Jungheringsaufkommen, Bodentrawl-Fänge). Dazu kommen akustische Messungen zur Anzahl und Stärke der Heringsschwärme. Damit ist die Menge und Qualität an Eingangsdaten im Vergleich zu vielen anderen Beständen sehr gut.

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Makrele Nordostatlantik

Makrele (© Thünen-Institut)

Die Biomasse des Laicherbestandes der nordostatlantischen Makrele ist seit den 2000er Jahren substantiell gestiegen und ist seit 2008 innerhalb sicherer biologischer Grenzen. Er liegt 2017 bei 3,5 Millionen Tonnen. Die fischereiliche Sterblichkeit ist seit Mitte der 2000er Jahre zurückgegangen, ist aber beständig höher als FMSY. Seit den frühen 2000er Jahren haben sich einige große Jahresklassen entwickelt. Als Resultat der gestiegenen Biomasse und klimatischer Veränderungen hat sich der Bestand insbesondere während der weiten Fresswanderungen im Sommer stark in nordwestlicher Richtung ausgedehnt.

Für die Bestandsabschätzung wird ein altersbasiertes Modell angewendet. Dieses verwendet – neben den kommerziellen Daten – den alle drei Jahre stattfindenden Makreleneier-Survey, der auf die Laichansammlungen abzielt und seit mehreren Jahren auch einen nordischen „Swept area“ Survey, der den Bestand während der Fresswanderung erfasst. Außerdem wird der internationale Bodentrawl-Survey (IBTS) im 4. Quartal und 1. Quartal zur Abschätzung der Nachwuchssituation verwendet. Norwegische Markierungsdaten, bei denen über die Wiederfangraten die Bestandsgröße abgeschätzt wird, konnten ebenfalls in das Assessment integriert werden.

Die ICES-Empfehlung 2017 für die maximale Fangmenge 2018 lautet 551.000 Tonnen (September 2017). Im Jahr zuvor betrug sie noch 857.000 Tonnen, was einer Reduzierung von 36 % entspricht. Das Assessment durchlief 2017 einen Benchmark-Prozess. Dabei wurden insbesondere die Berechnungen für die Survey-Indices auf den neuesten Stand gebracht und eine neue Zeitserie von Markierungsdaten, die auch die neuesten Jahre berücksichtigt, in die Berechnungen eingebracht. Dies führte dazu, dass die Bestandsentwicklung anders als zuvor eingeschätzt wird – die Laicherbiomasse der letzten Jahre auf niedrigerem Niveau bei einer höheren fischereilichen Sterblichkeit. Diese neue Einschätzung der Bestandsentwicklung und die angestrebte Absenkung der fischereilichen Sterblichkeit auf FMSY führten dazu, dass die Empfehlung für den Gesamtfang deutlich abnahm.

Nach dem Benchmark-Prozess besteht immer noch eine gewisse Unsicherheit in der Berechnung. Die juvenilen Makrelen werden nur unzureichend von den verfügbaren Surveys und der Fischerei erfasst. Das erschwert die Abschätzung der Nachwuchsproduktion. Einige der verwendeten Zeitserien sind relativ kurz („Swept area“ Survey: 7 Jahre, Markierungsdaten: 5 Jahre), was die Assessment-Ergebnisse von Jahr zu Jahr schwanken lässt, wenn ein neuer Datenpunkt zugefügt wird. Mit den Jahren und längeren Zeitserien dürften die Assessment-Ergebnisse jedoch robuster werden.

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Kabeljau Nordostarktis

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Dieser Bestand befindet sich derzeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse befindet sich seit 2002 innerhalb sicherer biologischer Grenzen (> MSY Btrigger) und erreichte 2013 ihren historischen Höchststand. Seitdem hat die Biomasse abgenommen, der Bestand wird aber weiterhin nachhaltig befischt, da die fischereiliche Sterblichkeit (F) mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 2017 unter dem Referenzwert FMSY lag.

Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 712.000 Tonnen in 2018 ist niedriger als die empfohlene Höchsfangmenge für 2017 von 890.000 Tonnen und basiert auf dem neuen Managementplan des JNRFC (Joint Norwegian-Russian Fishery Commission) von 2016 (ICES 2016). Die Absenkung der Höchstfangmenge trägt dem Abwärtstrend in der Laicherbestandsbiomasse Rechnung, auch in Anbetracht der Tatsache, dass seit den Jahrgängen von 2004 und 2005 kein starker Jahrgang mehr produziert wurde. Die empfohlene Fangmenge entspricht einem F von 0.44, welches über dem FMSY von 0.40 liegt. Laut Managementplan und basierend auf FMSY sollte 2018 eine Fangmenge von nicht mehr als 701.000 Tonnen erlaubt sein. Allerdings darf die erlaubte Fangmenge gemäß einer weiteren Bewirtschaftungsregel (Harvest Control Rule) im Managementplan von Jahr zu Jahr um nicht mehr als 20 % schwanken. Daraus resultiert die Fangempfehlung von nicht mehr als 712.000 Tonnen in 2018 (minus 20 % gegenüber dem TAC 2017).

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Rotbarsch Grönland/Irmingersee

Rotbarsch (© Thünen-Institut)

Die deutsche Flotte fischt Rotbarsch hauptsächlich am Grönlandschelf und in der Irmingersee. Dort kommen zwei Rotbarscharten, der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (S. norvegicus, ehemals S. marinus), in mehreren Beständen vor.

Der Zustand dieser Bestände ist unterschiedlich. Am Ostgrönlandschelf werden außerdem die beiden Arten gemeinsam gefangen. Eine Unterscheidung zwischen S. norvegicus und S. mentella ist oft schwierig, so dass es zu Fehlmeldungen zwischen den gemeinsam vorkommenden Arten kommt bzw. beide Arten zusammen als „Rotbarsch“ gemeldet werden.

Der S. norvegicus-Bestand am Ostgrönlandschelf gehört zu dem größtenteils am Islandschelf vorkommenden Bestand und ist in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse befindet sich seit 2008 innerhalb sicherer biologischer Grenzen und wird seit 2010 annähernd nach dem MSY-Prinzip befischt, da die fischereiliche Sterblichkeit meist leicht über dem FMSY-Wert von 0.097 lag. Die Fangempfehlung des ICES von nicht mehr als 50.800 Tonnen für 2018 ist niedriger als die erlaubte Höchstfangmenge für 2017 von 52.800 Tonnen und basiert auf dem grönländisch-isländischen Managementplan für S. norvegicus. Durch diese Absenkung wird der Bestand laut Vorhersagen in 2018 gemäß FMSY befischt. Sorge bereitet die Rekrutierung von Jungfischen in den Elternbestand, da diese seit 2011 gering ausgefallen ist.

Der genaue Zustand des am Grönlandschelf vorkommenden S. mentella-Bestandes kann nicht genau eingeschätzt werden. Der Bestand hat aber seit 2010 abgenommen, und sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert. Die Empfehlung des ICES von nicht mehr als 1.142 Tonnen für 2018 entspricht deshalb annähernd der Empfehlung für 2017 von 1.120 Tonnen. Ob die Fänge die empfohlene Höchstfangmenge in den vergangenen Jahren jeweils übertroffen haben, ist schwierig einzuschätzen, da bis 2017 eine gemeinsame Quote für die beiden Rotbarscharten am Grönlandschelf ausgegeben wurde und aufgrund der Artentrennungsproblematik eine genaue Einschätzung schwierig ist.

In der benachbarten Irmingersee kommen zwei weitere S. mentella-Bestände vor, die mit pelagischen Schleppnetzen gefangen werden. Diese beiden Bestände haben so stark abgenommen, dass der ICES empfiehlt, 2017 und 2018 keine Fänge zu tätigen. Der Zustand des flachen Bestandes (< 500 m Wassertiefe) kann nicht genau eingeschätzt werden, allerdings hat dieser Bestand gemäß einem wissenschaftlichen Survey-Index so stark abgenommen, dass er derzeit weniger als 5 % der ursprünglichen Bestandsgröße beträgt. Der tiefe Bestand (> 500 m Wassertiefe) weist eine verminderte Reproduktionsfähigkeit auf und wurde in den letzten Jahren mit einer fischereilichen Sterblichkeit von deutlich über FMSY befischt. Die Fangempfehlungen des ICES zu diesen beiden Beständen wurden in den vergangenen Jahren deutlich überschritten.

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Rotbarsch Norwegensee/Barentssee

Rotbarsch (© Thünen-Institut)

Am norwegischen Schelf, in der Norwegensee und in der Barentssee sind ebenfalls die zwei Rotbarscharten von kommerzieller Bedeutung anzutreffen: der Tiefenrotbarsch (Sebastes mentella) und der Goldbarsch (Sebastes norvegicus, ursprünglich Sebastes marinus).

Der Sebastes mentella-Bestand befindet sich derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem guten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse hat zwischen 1992 und 2005 stetig zugenommen und sich seitdem auf hohem Niveau stabilisiert. Die fischereiliche Sterblichkeit (F) ist seit 1997 relativ niedrig (F = 0.01 – 0.03), und seit 2006 werden wieder starke Nachwuchsjahrgänge beobachtet. Gemäß dem Vorsorgeansatz empfiehlt der ICES eine Höchstfangmenge von nicht mehr als 32.658 Tonnen für 2018. Diese Empfehlung liegt damit über der Höchstfangmenge für 2017 von ≤ 30.000 Tonnen.

Seit 2004 hat sich in der Norwegensee eine pelagische Fischerei auf diesen Bestand außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Norwegens entwickelt, die von der North-East Atlantic Fisheries Commission (NEAFC) gemanagt wird. Da es kein internationales Abkommen über das Aufteilen der Höchstfangmenge zwischen den fischenden Nationen und zwischen nationalen und internationalen Gewässern gibt, lagen die Fänge 2016 über der erlaubten Höchstfangmenge. Es wird erwartet, dass dies auch in den nächsten Jahren der Fall sein wird.

Der am norwegischen Schelf und in der Barentssee vorkommende Goldbarschbestand (S. norvegicus) befindet sich derzeit in einem schlechten Zustand. Die Laicherbestandsbiomasse hat seit den späten 1990er Jahren kontinuierlich abgenommen und befindet sich auf dem niedrigsten Stand in der Zeitserie der Bestandsabschätzungs-Ergebnisse. Daher empfiehlt der ICES, keine Fänge für 2017, 2018 und 2019 zu tätigen. Zusätzlich empfiehlt ICES, die Beifänge an Goldbarsch in anderen Fischereien im gleichen Gebiet, wie z.B. auf Kabeljau und Seelachs, möglichst gering zu halten. Dennoch wurden in den letzten Jahren 3.000 bis 6.000 Tonnen jährlich gefangen.

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Kabeljau Grönland

Kabeljau (© Thünen-Institut)

Der Kabeljaubestandskomplex vor Grönland gliedert sich nach gegenwärtigem Erkenntnisstand in drei Untereinheiten mit deutlichen ökologischen Unterschieden. Der inshore-Bestand lebt in den ausgedehnten Fjordsystemen der Westküste Grönlands, der offshore-Bestand gliedert sich in einen westlichen (West-Grönland) und einen östlichen (Südwest-Grönland bis Island). Der östliche Bestand steht in einem Austausch mit dem Kabeljaubestand vor Island. Historisch war die Hochzeit der Kabeljaufischerei vor Grönland mit einem sehr großen westlichen offshore-Bestand verbunden, während die Erholung seit 2000 auf ein Erstarken der östlichen offshore-Komponente zurückzuführen ist. Insgesamt vermischen sich die Bestände während der unterschiedlichen Lebensstadien. Daher können die Fänge nicht immer eindeutig zugeordnet werden.

Nach dem Zusammenbruch der Bestände Anfang 1990 erfolgte eine 10-jährige Periode mit sehr geringer Populationsdichte. Der Aufwärtstrend nach 2000 ist von erheblichen Schwankungen betroffen. Nach einem Moratorium bis 2005 wurde 2006 die Fischerei wieder eingeführt. Klassische Referenzwerte wie FMSY liegen nicht vor. Ein analytisches Assessment für den ostgrönländischen offshore-Bestand ist auf dem Benchmark-Workshop 2018 vorgeschlagen worden, wird aber erst in den Empfehlungen für 2019 eine Rolle spielen.

Die Surveytrends der letzten Jahre für den östlichen offshore-Bestand sind stark rückläufig und die fischereiliche Sterblichkeit in Form eines Fproxy (Fang dividiert durch grönländischen Surveyindex) liegt deutlich über dem Fproxy der Referenzperiode (2011 bis 2014), die als Ziel angestrebt wird. Deshalb empfiehlt der ICES, die Fangmengen um 20 % von 7.930 Tonnen auf 6.344 Tonnen zu reduzieren, was der maximal erlaubten Reduzierung bei datenarmen Beständen entspricht, um Unsicherheiten im Assessment zu puffern.

Die Einschätzung für den westgrönländischen offshore-Bestand ist, dass er sich im historischen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau befindet und deshalb keine Fänge getätigt werden sollten. Es wird vermutet, dass der Anstieg in den Survey-Indices bis 2015 teilweise durch Juvenile von anderen Beständen in der Umgebung verursacht wurde. Der grönländische Index für 2016 zeigt wieder einen deutlichen Einbruch.

Der westgrönländische inshore-Bestand zeigt im Index einen ansteigenden Trend. Die Fänge in 2016 waren die höchsten in den letzten 25 Jahren. Die Fangempfehlung steigt um 13 % von 12.379 Tonnen auf 13.952 Tonnen. Die offiziellen Fänge der letzten Jahre lagen aber deutlich höher als die ICES-Fangempfehlungen. Eine Vermischung unterschiedlicher Bestände in den Fanggebieten erschweren das Assessment und das Management zusätzlich.

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Schwarzer Heilbutt (Ostgrönland, Island, Färöer, westlich von Schottland)

Schwarzer Heilbutt (© Thünen-Institut)

Für den Schwarzen Heilbutt als Tiefenbestand liegt für das Assessment-Gebiet von den Färöern, Island und Ost-Grönland kein einheitlicher wissenschaftlicher Survey vor. Entsprechend muss die Bestandsdynamik aus kommerziellen Daten abgeschätzt werden, wobei die Ergebnisse von der Gewichtung der einzelnen Eingangsparameter abhängig sind.

Ein analytisches Assessment liegt vor, es weist jedoch größere Unsicherheiten auf. Der Trend zeigt eine stetige Erholung seit 2005, nachdem die Bestandsdichte 1994-1996 stark eingebrochen war und zwischenzeitlich den MSY-Btrigger-Wert erreicht hatte. Nach ICES-Empfehlungen für 2018 sollte die Jahresfangmenge 24.000 Tonnen nicht übersteigen. Dies entspricht einer unveränderten Empfehlung im Vergleich zum Vorjahr. Biomasse und Reproduktionspotenzial des Bestandes liegen oberhalb der Referenzwerte, die fischereiliche Sterblichkeit liegt etwas oberhalb von FMSY.

Die Erläuterung zum Schwarzen Heilbutt als PDF zum Download