Russland – der neue Star auf globalen Maismärkten?

Dossier

Waggon mit Mais in Russland
Maisernte in Russland (© Fotolia)

Wer an russischen Ackerbau denkt, denkt an endlose Weizenfelder; tatsächlich aber werden jedes Jahr 17 % mehr Flächen mit Mais bestellt. Wie kommt das, und welche Folgen hat das für die europäische Landwirtschaft?


In den vergangenen zehn Jahren wurden in Russland die Maisflächen jährlich um 17 % ausgeweitet, bei Soja waren es sogar über 30 %. Erste betriebswirtschaftliche Analysen eines typischen Ackerbaubetriebs in der Schwarzerde-Region zeigen, dass der Anbau von Mais im Vergleich zu Weizen in der Regel eine um ca. 100 bis 200 Euro pro Hektar (= 15 bis 30 %) höhere Flächenverwertung ergibt; ähnliche Zahlen ergeben sich für Sojabohnen. Die Zahlen stammen aus dem internationalen, vom Thünen-Institut und der DLG koordinierten Betriebs- und Produktionssystemvergleichs-Netzwerk  agri benchmark. Für die Perspektiven bei Mais ist allerdings auch zu beachten, dass die steigenden Ausgaben für Saatgut und Dünger die in manchen Betrieben ohnehin angespannte Liquidität zusätzlich belasten. Vor dem Hintergrund des im Vergleich zu den USA oder Deutschland erhöhten Risikos von Trockenheit bedeuten die steigenden Anbaukosten also auch ein höheres wirtschaftliches Risiko als zum Beispiel im Weizen.

Befragungen von russischen Landwirten haben ergeben, dass die schnelle weitere Expansion von Mais und Soja ferner durch fehlende Trocknungskapazitäten zumindest vorübergehend begrenzt werden könnte. Langfristig ist dies allerdings ein Engpass, der vergleichsweise leicht zu überwinden ist. Was auf Dauer für einen anhaltenden Wandel der Anbaustrukturen spricht: Die Maiserträge pro Hektar sind – wie auch in vielen anderen Regionen der Welt – weitaus stärker gestiegen als bei Weizen. Zwischen 2000 und 2013 sind die Weizenerträge jährlich um 1,5 % gestiegen – die von Mais und Soja um über 6 %. Aktuell werden in der Region im Schnitt ca. 5 Tonnen je Hektar Mais geerntet und 3,5 Tonnen je Hektar Weizen – nach oben ist also noch viel Luft.

Die international führenden Maiszüchter haben in jüngster Zeit – auch mit Blick auf Kanada – ihre Züchtungsanstrengungen in den hier relevanten frühen Maishybriden verstärkt. Daher wird in den kommenden Jahren das genetische Potenzial dafür vorhanden sein, dass diese Schere noch weiter auseinandergeht. Und das dürfte die Landwirte in Russland veranlassen, noch mehr Mais und Soja anzubauen und die Weizenflächen zu reduzieren. Im Norden der USA hat ein solcher Wandel dazu geführt, dass vormalige Weizenregionen zu Mais- und Sojaexporteuren wurden.

Dass Russland die erforderliche Infrastruktur hat, um im großen Stil Getreide zu exportieren, ist bekannt: Im Jahr 2013 beliefen sich die Weizenexporte auf knapp 20 Mio. Tonnen. Zum Vergleich: Die USA als größte Weizenexportnation der Welt bringen es auf ca. 30 Mio. Tonnen. Unsere internationalen Produktionskostenvergleiche von im Rahmen von agri benchmark zeigen, dass die modernisierten, westlich geführten Agrarunternehmen in Russland zu sehr wettbewerbsfähigen Kosten produzieren; die nachfolgende Grafik verdeutlicht das:

Grafik zu Vollkosten und Erlösen von Mais in US-Dollar pro Tonne im Jahr 2013.
Vollkosten und Erlöse in US-Dollar pro Tonne im Jahr 2013. (© Thünen-Institut/Yelto Zimmer)