Institute of

Baltic Sea Fisheries

Empfehlung des ICES für die Ostsee-Fischbestände veröffentlicht

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Die jährliche Bestandsbeurteilung und Fangempfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung liefert überwiegend positive Nachrichten – leider nicht für die beiden Dorschbestände. Für Westdorsch lautet die Fangempfehlung für 2017 auf 88% Reduzierung der kommerziellen Fänge.

Frisch gefangener Ostseedorsch mit typischer Zeichnung und charakteristischer Bartel am Unterkiefer (© Thünen-Institut/D. Stepputtis)

Während sich die meisten von der deutschen Fischerei genutzten Bestände in der Ostsee moderat oder sogar sehr positiv entwickeln, bereiten die beiden Dorschbestände weiter sorgen. Nach den Empfehlungen des ICES können die Fangmengen 2017 für Ostsee-Sprotte um 28% erhöht werden, für Hering der zentralen Ostsee um 8%, für Hering der westlichen Ostsee um 8% und für Scholle im Managementgebiet 22-32 sogar um 94%. Die Biomasse dieser Bestände befand sich Anfang 2016 im grünen Bereich, der Fischereidruck ist nur für Sprotte in 2015 noch zu hoch gewesen – dies wird sich nach der Vorhersage aber schon im Lauf des Jahres 2016 ändern, wenn der starke 2013er-Jahrgang von der Fischerei erfasst wird.

Die beiden Dorschbestände zeigen dagegen keine positive Entwicklung. Der Ostdorschbestand scheint von den Salzwassereinströmen der vergangenen Monate zu profitieren und nimmt leicht zu, die Fangmengen sollten dennoch weiter abgesenkt werden (um 36% im Vergleich zur Höchstfangmenge für 2016). In kritischem Zustand ist der Westdorsch, der für die deutsche kommerzielle und Angel-Fischerei von besonderer Bedeutung ist: Der Nachwuchsjahrgang 2015 ist, wie wir erst jetzt feststellen konnten, quasi ausgefallen. Ursachen dafür sind noch nicht bekannt, die Folge ist aber, dass die Fangmengen drastisch reduziert werden müssten, um den Bestand schnell wieder aufzubauen. Denn durch den zu hohen Fischereidruck der letzten 20 Jahre bestehen die Fänge zu über 90% aus 2, 3- und 4-jährigen Dorschen. Der Ausfall eines Jahres hat damit gravierende Folgen für die Fangmöglichkeiten des nächsten Jahres.

Fischerei, Politik und Wissenschaft werden in den nächsten Wochen intensiv beraten, wie der Fischerei in dieser Situation geholfen werden kann, ohne den neuen Ostsee-Managementplan zu verletzen (der 2017 erstmals angewendet werden soll) und ohne den Fischereidruck unangemessen zu erhöhen.

Weitere Informationen zum Zustand der Bestände finden sie auf unserem Internetangebot „Fischbestände online“:

Dorsch westliche Ostsee

Dorsch östliche Ostsee

Ostsee-Scholle (24-32)

Scholle in Kattegat, Belten und Sund (21-32)

Hering zentrale Ostsee (Frühjahrslaicher)

Hering: Frühjahrslaicher westliche Ostsee

Ostsee-Sprotte

Die Dokumente zu den Empfehlungen des ICES für die Ostsee finden Sie hier.