Holzkohle: Womit grillen wir da eigentlich?

Grillen mit Holzkohle liegt im Trend. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag der Verbrauch in Deutschland im Jahr 2016 bei 250.000 Tonnen – Tendenz steigend. Dabei stammen die verwendeten Hölzer nicht immer aus „heimischen Wäldern“. Häufig wird auch Holz aus tropischen und subtropischen Regionen zu Holzkohle verarbeitet und importiert.

Neues Mikroskopie-Verfahren

Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen sowie Händler und Importeure haben das Kompetenzzentrum seit 2016 mehrfach um Prüfung von handelsüblichen, in Supermärkten, Tankstellen oder Baumärkten erhältlichen Holzkohle-Chargen gebeten.

Für die Bestimmung der ausgewählten Holzkokle/-brikettproben wurde eine spezielle 3D-Auflichtmikroskopie-Technik verwendet, mit der sich die charakteristischen anatomischen Strukturmerkmale darstellen lassen. Im Vergleich zur mikroskopischen Bestimmung von Massivhölzern können von Holzkohle keine ebenen (planen) Schnittpräparate hergestellt werden, da das Gewebe durch den Verkohlungsprozess stark zersetzt wird und sehr spröde ist. Mit Hilfe der neuen digitalen Mikroskopie-Technik werden die unebenen Bereiche innerhalb eines programmierbaren Feldes digital abgescannt und zusammengesetzt. Hierbei entsteht zunächst ein dreidimensionales Bild, welches in eine zweidimensionale Darstellung konvertiert wird (Abb. 1).

Abb. 1: Oberfläche und mikroskopische Aufnahme einer präparierten Holzkohleprobe, die für die Bestimmung der Holzart mit einem 3D-Auflicht Mikroskop gescannt wurde (© Thünen-Institut)

Die Qualität und Schärfe der Aufnahmen entspricht den Ergebnissen, wie sie auch „klassisch“ – also bei der Präparation mikroskopischer Dünnschnitte – erzielt werden. Die hochauflösende Darstellung ermöglicht es, kleinste Zellstrukturen zu detektieren und mit den Strukturmerkmalen von über 400 Wirtschaftsbaumarten in der Datenbank des Thünen-Instituts zu vergleichen (Abb. 2 und 3). Mit Hilfe einer integrierten Polarisationstechnik, durch die die Aufnahmen optisch grün erscheinen, können die Kontraste der Strukturmerkmale noch verstärkt und heimische Hölzer von tropischen und subtropischen Arten unterschieden werden.

Abb. 2: Vergleich der mikroskopischen Strukturmerkmale einer gescannten Oberfläche einer Holzkohleprobe (links) mit einer Querschnittaufnahme der Holzart Weißeiche (Quercus spp.) aus der Datenbank des Thünen-Instituts (rechts) (© Thünen-Institut)
Abb. 3: Vergleich der mikroskopischen Strukturmerkmale einer analysierten Kohleprobe der Holzart Manilkara zapota aus Mexiko (links) mit einer Referenzaufnahme aus der Datenbank des Thünen-Instituts (rechts) (© Thünen-Institut)

Hoher Anteil „kritischer“ Sortimente

2016 untersuchte das Kompetenzzentrum 18 Holzkohle-Sortimente aus Österreich. Drei Holzkohle-Säcke enthielten Beimischungen von Tropenhölzern. Bei weiteren drei Gebinden stimmten die Deklarationen nicht mit den identifizierten Hölzern überein. Weitere umfangeiche Prüfaufträge schlossen sich bis heute an. Die Untersuchungen von über 130 Sortimenten und ca. 2.000 mikroskopisch analysierten Einzelproben liefern grundlegende Erkenntnisse über die verwendeten Hölzer sowie Abweichungen von angegebenen Deklarationen.

Im Detail kann festgestellt werden, dass etwa 30 % der untersuchten Sortimente als „kritisch“ in Bezug auf die angegebenen Deklarationen der Hölzer/Baumarten bewertet werden müssen. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um zwei Falltypen:

  • Sortimente, die keine Angaben zu den verwendeten Hölzern enthalten: diese Chargen bestehen zumeist vollständig aus tropischen/subtropischen Hölzern.
  • Sortimente mit der Deklaration „aus heimischen Laubhölzern": hier konnten neben heimischen Laubhölzern, z.B. Buche, Ahorn, Eiche, auch Beimischungen von tropischen/subtropischen Hölzern nachgewiesen werden. In zwei Fällen waren die Chargen sogar FSC bzw. PEFC zertifiziert.

Eine weitere umfangreiche Studie (20 Sortimente), die im Auftrag und mit begleitenden Recherchen durch den WWF erfolgte, zeigte:

  • ca. 50 % der in Deutschland gehandelten und untersuchten Sortimente enthielten keine Angaben zu den verwendeten Hölzern oder Baumarten,
  • lediglich 30 % der gehandelten Holzkohle und -briketts stammten aus zertifizierten Quellen (FSC oder PEFC),
  • ca. 40 % der in Deutschland gehandelten Sortimente enthielten vorwiegend Hölzer aus subtropischen oder tropischen Regionen. Drei Viertel davon bestanden ausschließlich aus subtropisch oder tropischen Hölzern, bei einem Viertel handelte es sich um Beimischung zu Hölzern aus gemäßigten Breiten.

Holzkohle aus Tropenholz nicht pauschal illegal

Bei der Bewertung dieser Ergebnisse muss grundsätzlich berücksichtigt werden, dass die Verwendung von Hölzern aus subtropischen oder tropischen Regionen für die Herstellung von Holzkohle nicht pauschal als „illegal“ oder „Raubbau“ eingestuft werden kann bzw. sollte. Beispielsweise werden in Namibia Hölzer der Gattung Acacia aus Landpflegemaßnahmen gegen eine Verbuschung zu Holzkohle verarbeitet. In vielen tropischen Regionen werden Durchforstungs- oder Resthölzer der Sägeindustrie verwendet. Allerdings sind in verschiedenen Ländern wie z.B. Paraguay oder Nigeria die Kontrollmöglichkeiten vor Ort sehr begrenzt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Holzprodukten unterliegt Holzkohle bislang nicht der EU-Holzhandelsverordnung (EUTR).

Deutlich muss darauf hingewiesen werden, dass ein genauer Herkunftsnachweis mit genetischen Methoden oder auf Basis der Isotopen-Technik, wie er z.B. für Schnittholz angewendet wird, bei Holzkohle nicht möglich ist. Daher kann der Nachweis einer legalen Verwendung/Verarbeitung von Hölzern zu Holzkohle ausschließlich über die mikroskopische Überprüfung der Sortimente sowie eine sorgfältige Kennzeichnung und lückenlose Zertifizierung erfolgen. Dies wird von Seiten der NGOs gefordert und von einigen Herstellern auch schon praktiziert.


Dieser Beitrag fußt auf einen ähnlichen Artikel vom 22. September 2017 im Holz-Zentralblatt.