Workshop: Fischlarven online bestimmen

Ein am Thünen-Institut in Bremerhaven geplanter internationaler Workshop zur Bestimmung von heringsartigen Larven wurde Corona-bedingt als Videokonferenz durchgeführt. Mit gutem Erfolg!

Statt eines Gruppenmeetings fand der Workshop online statt (© ICES)

Am Thünen-Institut für Seefischerei war vom 31. August bis 4. September 2020 ein internationaler Workshop zur Bestimmung heringsartiger Fischlarven vorgesehen. Zahlen zur Häufigkeit von Fischlarven, sog. Abundanz-Indizes, liefern wichtige Informationen zur Größe und Rekrutierung der Bestände.

Heringslarven-Surveys

Die Larven des Nordseeherings werden regelmäßig in zwei Surveys näher untersucht: Der „International Herring Larvae Survey“ (IHLS) im Herbst und Winter zielt auf die frisch geschlüpften Larven der Herbst- und Winterlaicher ab und liefert wichtige Informationen über Größe des Laicherbestandes. Der „MIK-Survey“ im Januar/Februar konzentriert sich dagegen auf große Larven (> 20 mm) und dient der Abschätzung der Stärke der Nachwuchsjahrgänge.

Solange man sicher sein kann, dass sich zur Zeit des Surveys nur Larven des Herings im Forschungsgebiet aufhalten, ist die Ermittlung der gewünschten Indizes unproblematisch. Gesellen sich aber Larven anderer, nahe verwandter Arten und im ungünstigen Fall auch in hoher Anzahl hinzu, können sich schnell erhebliche Fehler einschleichen. Die Larven heringsartiger Fische – Hering, Sprotte, Sardine und Sardelle – sehen sich sehr ähnlich und sind für ungeübte Augen kaum zu unterscheiden. So treten z.B. in den letzten Jahren vermehrt Sardinenlarven im MIK-Survey auf, die bei falscher Bestimmung einen falschen Abundanz-Index für Heringslarven erzeugen können. Bedingt durch den Klimawandel ist in den nächsten Jahren mit Änderungen im räumlichen und zeitlichen Auftreten der Larven von heringsartigen Fischen zu rechnen – und damit auch mit Problemen bei der Erhebung der Abundanz-Indizes.

Workshop ins Internet verlegt

Vor diesem Hintergrund sollte der Workshop in Bremerhaven den beteiligten Wissenschaftlern und Technikern die Gelegenheit geben, die Bestimmung heringsartiger Fischlarven zu üben und zu harmonisieren. Wegen der Covid19-Pandemie konnte das Treffen allerdings nicht wie geplant stattfinden. Um den Beteiligten dennoch die Möglichkeit zu geben, ihre Expertise aufzufrischen, wurde beschlossen, den Workshop per Videokonferenz durchzuführen. Per Live-Feed sollten einige Larven gemeinsam unter dem Stereomikroskop betrachtet und die wichtigsten Bestimmungsmerkmale herausgearbeitet werden. Anschließend konnten alle Teilnehmenden 60 Larven anhand von mikroskopischen Fotografien bestimmen.

Hierzu wurde die Internetplattform SmartDots des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) weiterentwickelt. Auf der Plattform wurden den Teilnehmern Larvenbilder mitsamt wichtigen Informationen zu Fanggebiet und -zeit zur Verfügung gestellt. Per WebApp konnten die Teilnehmer an den Fischlarven Messungen vornehmen und Zählungen einiger Merkmale durchführen, die für die Bestimmung notwendig sind. Die Daten wurden auf der Plattform gesammelt und am Ende dem Organisator des Workshops zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Es zeigte sich nicht nur eine relativ hohe Übereinstimmung in der Bestimmung der Arten. Mithilfe der gesammelten Daten konnte auch ermittelt werden, warum einzelne Larven falsch bestimmt worden waren. In einer weiteren Plenumssitzung wurde dies erörtert und anhand der Bilder aufgeklärt.

Die 27 teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen aus 11 europäischen Ländern waren am Ende hochzufrieden mit der Ausführung des Workshops als Videokonferenz. Das Format wie auch die zugehörige WebApp sollen nun für zukünftige Workshops zur Bestimmung von Fischeiern und -larven weiterentwickelt werden.

Auch wenn nach Überwindung der Corona-Pandemie persönliche Treffen wieder möglich sein werden, eröffnet das Format insbesondere solchen Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme an entsprechenden Workshops, denen bisher z.B. wegen mangelnder Reisemittel eine Mitwirkung nicht möglich war.