Isoglukose aus Mais stellt die EU-Zuckerproduktion vor große Herausforderungen

Press Release

Wegfall der Zuckerquote könnte Umwälzungen in der EU-Zuckerwirtschaft bewirken

Links liegt ein Haufen geernteter Rüben, rechts sieht man die Verarbeitungsmaschine
Rüben bereit zur Verarbeitung (© Thünen-Institut/Michael Welling)

Im Zuge einer Reform der Europäischen Zuckermarktordnung plant die EU, 2016/17 die Zuckerquote abzuschaffen. Mit dieser künstlichen Verknappung des Angebots wurde das im internationalen Vergleich sehr hohe Zuckerpreis­niveau gestützt; die hohen Preise wiederum sind das Resultat von hohen Importzöllen. Der Wegfall der Zuckerquote wird nicht nur für Zucker gelten, sondern auch für Isoglukose, eine aus Stärke gewonnene Zuckerlösung, die vor allem in der Lebensmittel­industrie zum Süßen von Produkten verwendet wird. 

Isoglukose hat bisher nur einen Marktanteil von unter 5 %, obwohl es technisch möglich wäre, 25 bis 30 % der bisherigen Zuckerverwendung durch Isoglukose zu ersetzen. Daher stellt sich die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit von Isoglukose nach dem Wegfall der staatlichen Mengenregulierung. 

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Dr. Yelto Zimmer vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft hat jetzt auf Basis von US-Statistiken sowie von Daten des internationalen Agrarökonomen-Netzwerks „agri benchmark“ die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Isoglukose-Produktion im Vergleich zu Zucker abgeschätzt. Die wesentlichen Ergebnisse:

  1. Je nach Maispreis kostet Herstellung von Isoglukose zwischen 310 €/t (Mais: 120 €/t) und 370 €/t (Mais: 180 €/t).
  2. Isoglukose ist damit ein überaus wettbewerbsfähiges Produkt. Die EU-Zuckerindustrie müsste ihre bisherige Verarbeitungs- und Gewinnspanne um ca. 40 % oder 150 €/t reduzieren, um Zucker zum gleichen Preis zu anbieten zu können wie Isoglukose.
  3. Da sich industrielle Zuckerverwender bei einem Wechsel zu Isoglukose aufgrund von erforderlichen Zusatzinvestitionen auf Dauer auf die Verwendung von Isoglukose festlegen würden, hat die Zuckerindustrie einen starken Anreiz, einen solchen Wechsel zu verhindern, um jetzige Abnehmer nicht dauerhaft zu verlieren.

„In jedem Fall“, so Zimmer, „stellt Isoglukose die europäische Zuckerwirtschaft künftig vor erhebliche Herausforderungen“. Es sei sogar durchaus wahrscheinlich, dass es nach 2017 zu Umwälzungen in der europäischen Zuckerwirtschaft kommt. Entweder sie verliert erhebliche Marktanteile und fährt die Zuckerproduktion entsprechend zurück oder sie ist in der Lage, eine starke Spreizung der Zuckerpreise im Markt umzusetzen. Im Extremfall ist es sogar vorstellbar, dass die Produktion von Zucker für die potenziellen Isoglukose-Verwender intern subventioniert wird. Dies ist möglich, weil aus technischen Gründen nur die genannten 25 bis 30 % des bisherigen Zuckermarktes durch Isoglukose ersetzt werden können.


Weitere Informationen

Das ausführliche Papier ist veröffentlicht in der Dezember-Ausgabe von „Sugar Industry“ (siehe www.sugarindustry.info)

Weitere Hintergrundinformationen sind verfügbar unter www.agribenchmark.org/cash-crop/sector-country-farm-information/sugar-isoglucose.html

Kontakt

  • Dr. Yelto Zimmer

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Foto aus der Pressemitteilung (© Thünen-Institut/Michael Welling)

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