Neues Buch zur Entwaldungsdynamik in Ecuador

Am 23./24. Februar 2021 wird in Quito, Ecuador, das Buch “Deforestación en paisajes forestales tropicales del Ecuador: Bases científicas para perspectivas políticas” (auf Deutsch: „Entwaldung in tropischen Waldlandschaften Ecuadors: wissenschaftliche Grundlagen für politische Perspektiven“) präsentiert. Herausgeber sind die Staatliche Amazonas Universität in Ecuador und das Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie.


Nach drei Jahren Feldforschung stellt das Buch aktuelle Ergebnisse zu ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der Entwaldung vor und enthält Empfehlungen für eine verbesserte Forst- und Umweltpolitik.

Entstanden ist es im Rahmen der Ecuador-Komponente des Projekts LaForeT, das vom Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie koordiniert und zusammen mit der Staatlichen Amazonas Universität (UEA) in Puyo und der Technischen Universität Luis Vargas Torres (UTLVT) in Esmeraldas durchgeführt wird. Die Buchpräsentation erfolgt mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), des Instituts für Biodiversität (INABIO) und des Ecuadorianischen Ministeriums für Umwelt und Wasser (MAAE), was das politische Interesse an den Ergebnissen unterstreicht.

Die Herausgeber und Autoren des Buches unter Federführung von Bolier Torres (UEA) und Richard Fischer (Thünen-Institut) präsentieren eine Reihe von Fachbeiträgen, die die ökologischen und sozio-ökonomischen Grundlagen analysieren und die Verflechtung unterschiedlichster Interessen und Ansprüche an den Tropenwald darlegen.

Hintergrund

Untersuchungen weisen darauf hin, dass die landwirtschaftliche Landnutzung der größte Treiber der Entwaldung ist. Eine abgestimmte Landnutzungsplanung und effizientere Produktionsmethoden sind daher von hoher Bedeutung. Die Forscher ermittelten außerdem eine negative Korrelation zwischen waldbasierten Haushaltseinkommen und Entwaldung. Dies zeigt, dass Einkommen aus den Wäldern einen Anreiz zum Walderhalt bieten können. In Ecuador trifft das für die Amazonasregion zu, während in der Küstenregion eine Übernutzung der Wälder beobachtet wurde.

Durch nicht-forstliche Landnutzungsformen wie Weidenutzung oder Plantagenwirtschaft lassen sich in der Regel höhere Einkommen erzielen – eine der Ursachen von Entwaldung. Daher werden in Ecuador Kompensationszahlungen für den Walderhalt im Rahmen des Socio Bosque Schutzprogramms angeboten und – wie das Projekt zeigt – erfolgreich umgesetzt. Diese Ausgleichszahlungen sind aber im Vergleich zu Einkommen aus anderen Landnutzungsformen oft relativ niedrig und ihre langfristige Finanzierbarkeit muss gewährleistet werden. Kompensationszahlungen allein werden daher wohl nicht ausreichen, um Entwaldung zu vermeiden.

Schutzgebietsprogramme für die verbleibenden Primärwälder sind auch in Zukunft von großer Bedeutung. Beide Waldschutz-Instrumente müssen besser mit nachhaltiger Entwicklungspolitik verzahnt werden, um Biodiversitätsschutz und wirtschaftliche Entwicklung zu vereinbaren. Die Beteiligung der Bevölkerung an der Politikgestaltung und die Kapazitäten von staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen vor Ort waren schwach ausgeprägt und sollten verbessert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Governance-Maßnahmen vor allem in diesen Bereichen notwendig sind.

LaForeT: Forschung in Ecuador

Die Forschung in Ecuador erfolgte in 12 ausgewählten Landschaftsausschnitten auf einer Gesamtfläche von über 120.000 Hektar in Provinzen Napo, Pastaza und Orellana in Zentralamazonien und Esmeraldas im Nordwesten Ecuadors.

Waldbedeckung und Entwaldung wurden mithilfe von Satellitenbildern analysiert. Insgesamt wurden ca. 1.500 Haushaltsbefragungen in 73 Gemeinden durchgeführt. Zusätzlich wurden 80 Interviews mit Vertretern von Gemeinden und Verbänden durchgeführt. Auf 156 Waldinventurflächen wurden über 17.000 Bäume erfasst.

Das Projekt basiert auf der erfolgreichen Zusammenarbeit des Thünen-Instituts mit der lokalen Bevölkerung, ecuadorianischen Behörden sowie Entwicklungshilfeorganisationen, NGOs und den beteiligten Universitäten.

Die umfangreichen Datensätze werden im Rahmen eines Folgeprojekts derzeit weiter ausgewertet. Fundierte wissenschaftliche Kenntnisse dieser komplexen Zusammenhänge sind auch in Zukunft erforderlich, um politischen Entscheidungsträgern fundierte Empfehlungen anbieten zu können.

Das Projekt LaForeT wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sowie von Partnern in Ecuador und weiteren Partnerländern finanziert.

Das Buch ist auf Spanisch verfasst mit englischen Summarys. Als PDF (20 MB) steht es unter folgendem Link zum Downlod zur Verfügung

http://inabio.biodiversidad.gob.ec/wp-content/uploads/2021/01/LAFORET_WEB.pdf 

Buchpräsentation

Die Buchpräsentation findet am 23./24. Februar 2021 über die folgenden Links statt:

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fb.me/e/49SAQWZ0C

Youtube live chat
Di 23. Feb. 15:00 – 17:00 MEZ
https://youtu.be/XRSzpEBgwR8 
Mi 24. Feb. 15:00 – 17:00 MEZ
https://youtu.be/PnU7LxJYsPA