JEFTA: Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und Japan in Kraft getreten

Durch das neue Abkommen wird der Handel auf beiden Seiten zunehmen. Im Agrarsektor wird die EU vor allem bei Schweinefleisch profitieren, für Deutschland zeichnen sich Vorteile bei Milchprodukten ab.


Während im Zuge der US-Präsidentschaft Donald Trumps der internationale Handel zunehmend durch Protektionismus und Zollschranken geprägt wird, gibt es auch gegenläufige Tendenzen. So hat die EU mit Japan ein Freihandelsabkommen ausgehandelt, umgangssprachlich JEFTA (Japan-EU Free Trade Agreement) genannt. Dabei handelt es sich eigentlich um zwei Abkommen: Das strategische Partnerschaftsabkommen, das noch auf die Ratifizierung durch die einzelnen EU-Mitgliedstaaten wartet, und das handelspolitisch bedeutsamere Wirtschaftspartnerschaftabkommen, das am 17. Juli 2018 von der EU unterzeichnet wurde und am 1. Februar 2019 in Kraft getreten ist. Dieses Abkommen soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, um das Wirtschaftswachstum anzuregen.

Mit einbezogen sind unter anderem auch Agrarprodukte und Lebensmittel. Wie sich dieser Teil von JEFTA auf die europäische bzw. deutsche Land- und Ernährungswirtschaft auswirkt, hat das Thünen-Institut für Marktanalyse bereits im letzten Jahr berechnet.

Die Analyse wurde mit einem globalen Handelsmodell durchgeführt, das die Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Ländern und Sektoren abbilden kann. Agrarökonomin Dr. Janine Pelikan: „Die Ergebnisse geben, wie bei Modellierungen allgemein, nur ein vereinfachtes Bild der Realität wieder. Es wird aber deutlich, dass die EU ihren Handel mit Japan intensiviert und im Agrar- und Ernährungsbereich Produktionssteigerungen zu erwarten sind.“ In der EU wird die Produktion am stärksten im Sektor Schweinefleisch steigen.

Zölle sinken, Handelsvolumen steigt

Japan ist nach China der zweitgrößte Handelspartner der EU in Asien. Im Jahr 2016 exportierten die EU-Staaten Agrarprodukte im Wert von 6 Mrd. Euro nach Japan; dem standen relativ geringe Einfuhren von rund 0,3 Mrd. Euro gegenüber. Die Umsetzung des Abkommens wird sich direkt auf die Handelsströme und Preise auswirken und auf beiden Seiten zu Produktionsänderungen führen. Durch JEFTA können sich die europäischen Agrarexporte nach Japan auf 11 −14 Mrd. Euro erhöhen. Die Importe von Agrarprodukten aus Japan steigen auf ca. 2 Mrd. Euro.

Es ist vorgesehen, dass die JEFTA-Vereinbarungen innerhalb von 21 Jahren, also bis zum Jahr 2040, schrittweise umgesetzt werden. Danach wird die EU 99,2 % aller japanischen Produkte zollfrei importieren. Japan wird die Zölle für 97,2 % der Produkte vollständig aufheben. Für einige Agrarprodukte wie beispielsweise Reis bleibt weiterhin ein Außenschutz in Form von Zöllen und Zollquoten bestehen.

Für Getreideprodukte, Kaffee, Tee, Zucker, Milchprodukte und andere verarbeitete Lebensmittel werden neue Zollquoten gegenüber der EU eingeführt. Innerhalb der Quoten kann eine festgelegte Menge zu niedrigeren Zollsätzen oder zollfrei nach Japan exportiert werden. Außerhalb der Quoten bleiben die Zölle häufig so hoch, dass es keine zusätzlichen Exportanreize für europäische Produkte nach Japan geben wird. Für Weizen liegt der Zoll außerhalb der Quoten bei 32 %, für Zucker bei 37 % und für Milchprodukte bei 69 %. Dennoch wurde der Marktzugang bei Milch verbessert: Für Hartkäse werden die Zölle schrittweise mit einer Übergangsfrist von 15 Jahren beseitigt, für Weich- und Frischkäse wird eine zollfreie Quote eingerichtet, die über die Jahre vergrößert wird. Auch für Butter und Magermilchpulver wird eine Zollquote eröffnet.

EU: Hohe Wettbewerbsfähigkeit bei Schwein und Geflügel

Der Exportanstieg der EU ist hauptsächlich auf die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Schweine- und Geflügelfleischsektors auf den japanischen Agrarmärkten zurückzuführen. In diesem Sektor erhöht sich der EU-Handelsüberschuss um 5 Mrd. Euro, und die Produktion dehnt sich um rund 3 % aus, während sie in Japan um knapp 14 % sinkt. Im verwendeten Modell werden Schweine- und Geflügelfleisch nur aggregiert abgebildet. Da aber Geflügelfleisch im Handel mit Japan in den vergangenen Jahren nur eine geringe Bedeutung hatte, ist davon auszugehen, dass ein Großteil des Wachstums auf die Produktionsausdehnung von Schweinefleisch zurückzuführen ist.

Deutschland kann davon allerdings im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten eher unterdurchschnittlich profitieren. Dies liegt zum einen daran, dass die Schweineproduktion in Deutschland im europäischen Vergleich bereits relativ hoch ist. Darüber hinaus haben in der Vergangenheit vor allem Dänemark und Spanien die Exportmärkte für Schweinefleisch in Japan für sich erschlossen und werden die bestehenden Lieferbeziehungen voraussichtlich weiter ausbauen.

In Deutschland wird der Export von Milchprodukten größere Bedeutung haben. Hier könnte die Produktion um bis zu 0,5 % steigen. In welchem Maße JEFTA auf die deutsche Milchproduktion wirkt, hängt aber im Wesentlichen davon ab, inwieweit die deutschen Exporteure die EU-Quote von 73.840 Tonnen pro Jahr nutzen können. Im Vergleich zu anderen Abkommen gibt es bei JEFTA zahlreiche Details bei der Definition der Quoten. Dies führt bei den europäischen Exporteuren zu einem relativ hohen Informationsaufwand. Dies kann als Handelsbarriere wirken und dazu führen, dass die Quoten nicht ausgeschöpft werden.


Die Berechnungen wurden auf der Grundlage der Thünen-Baseline 2017-2027 durchgeführt.

Die hier dargestellten Ergebnisse waren Grundlage für eine Thünen-Pressemitteilung vom 10.07.2018