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Eberswalder Campus Kolloquium 41 KW

Veranstaltung

Autor: Frank Michler (HNEE)

Ort: HNE, Haus 11, Hörsaal 2, Raum 11/015 (Erdgeschoss rechts)

 

Thema: Telemetrische Untersuchungen zum Interaktionsverhalten von Wölfen und Rotwild in Sachsen-Anhalt

 

 

(© Dr. Frank-Uwe F. Michler)

Interspezifisches Interaktionsverhalten von Wölfen und Rotwild in Sachsen-Anhalt

Dr. Frank-Uwe Michler, Benjamin Gillich, Dr. Berit Michler, Prof. Siegfried Rieger

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Fachbereich Wald & Umwelt FG Wildbiologie, Wildtiermanagement & Jagdbetriebskunde

frank.michler@hnee.de

 

Das Wissen über die Lebensweise von Wildtieren und die Veränderung von Populationen ist im praktischen Wildtiermanagement von zentraler Bedeutung, um Prozesse effektiv bzw. nachhaltig zu steuern oder den nachhaltigen Erfolg von Maßnahmen zu beurteilen. Die Rückkehr von Großraubtieren nach einer langen Phase der Verfolgung ist typisch für Europa und wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die wildlebenden Huftiere profitierten lange von der Abwesenheit der Großraubtiere und von der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft. Der Wolf kehrt zurzeit in sein angestammtes Verbreitungsgebiet in Mitteleuropa zurück und wird dort als Großprädator die Wechselwirkungen zwischen den Organismen verändern. Das Interesse neuerer zoologischer Studien richtet sich in zunehmendem Maße auf die funktionale Rolle der Tiere in den Ökosystemen und ihre Wirkung auf diese.

Im Rahmen des Vortrages wird ein wildbiologisches Forschungsprojekt des Fachgebietes Wildbiologie, Wildtiermanagement & Jagdbetriebskunde (FWWJ) der HNE Eberswalde vorgestellt, bei dem das unmittelbare Interaktionsverhalten von Rotwild und Wölfen im Gebiet der DBU-Naturerbefläche Glücksburger Heide (Sachsen-Anhalt) mittels telemetrischer Methoden untersucht wird.

In der Untersuchungsfläche gab es im Jahr 2011 den ersten C1-Nachweis für die Anwesenheit von Wölfen. Seit 2014 ist eine jährliche Reproduktion über Fotofallenbilder von Welpen sicher belegt. Während durch die Etablierung eines bundesweiten Monitoringprogramms die Situation und Verbreitung der Wolfspopulation in den meisten Bundesländern recht gut dokumentiert ist, fehlen bislang wissenschaftlich fundierte Daten zur Quantifizierung der Wechselbeziehungen zwischen dem Prädator Wolf und seinen Beutetieren. In letzter Zeit wird eine intensive Diskussion über die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des Wolfes geführt. Aussagen über eine starke Beeinflussung des Wolfes von heimischen Huftierarten (z.B. Bildung von Großrudeln beim Rotwild, verändertes Raum-Zeit-Verhalten von Rot- und Rehwild, drastisch sinkende Wildbestände etc.) stehen Beobachtungen einer unauffälligen Koexistenz des Wolfes und seiner potentiellen Beutetierarten im Raum entgegen.

Die Schaffung qualitativer und quantitativer Grundlagen zur ökologischen Charakterisierung von potentiellen Beutegreifern scheint vor dem Hintergrund der natürlichen Populationsdynamik und des evolutiven Potentials beider Arten mehr und mehr unverzichtbar. Insbesondere bei der spezifischen Bewertung dieser Arten und der Erstellung von Managementplänen besteht eine dringende Forderung nach der Berücksichtigung von diesbezüglich wissenschaftlichen Erhebungen. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie haben unmittelbare Bedeutung für das Verständnis bzw. für die Interpretation des Verhaltens von Wolf und Rotwild in anthropogen gestalteten Offenlandökosystemen und sollen dazu beitragen die emotionale Diskussion durch wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu versachlichen. Seit 2015 wird durch das FWWJ ein Rotwildforschungsprojekt zum Thema „Beeinflussung des Raum-Zeit-Verhaltens von Rotwild (Cervus elaphus) durch großräumige Beweidungsprojekte auf ausgewählten DBU-Naturerbeflächen“ durchgeführt. Im Rahmen dieses Projektes wurden in der Glücksburger Heide bis dato 25 Rothirsche beiderlei Geschlechts mit GSM-GPS-Sendern ausgestattet. Gleichzeitig wurden seit Februar 2017 zwei Wölfe mit GSM-GPS bzw. Iridium-GPS-Halsbandsendern markiert.

Den innovativen Ansatz der Studie bilden die in den Sendern beider Wildarten integrierten Proximity-Sensoren. Nähern sich die Wölfe dem sendermarkierten Rotwild auf unter 150 m an, registrieren sich Wolfs- und Rotwildsender über eine UHF-Kommunikation und messen permanent Entfernung und Bewegung beider Wildarten. Somit ist es möglich, hochauflösende Raumnutzungsprofile der Sendertiere zu erstellen und direkte Interaktionen zwischen Wolf und Rotwild zu identifizieren. Innerhalb der Gesamtstudie werden folgende Themenschwerpunkte bearbeitet:

  •  Interaktionsanalysen von Wölfen und Rotwild
  •  Beeinflussung des Raum-Zeit-Verhaltens von Rotwild durch die Anwesenheit von Wölfen
  •  Analyse des Raum-Zeit-Verhaltens besenderter Wölfe (inkl. Reproduktions- und Dismigrationsverhalten)
  •  Untersuchung des Beuteschemas beim Wolf anhand von nahrungsökologischen Untersuchungen (Exkrementanalysen) und Prädationsstudien (Clustercheck-Analysen)