Institut für

Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie

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Holzeinschlag und Rohholzverwendung

Der jährliche Holzeinschlag in der Bundesrepublik Deutschland ist die zentrale Größe zur Nutzung der Ressource Holz und damit eine wesentliche Kennzahl für die Beurteilung von Nachhaltigkeit und für die Abschätzung ungenutzter Rohholzpotenziale. Zusätzlich dient die Größe der Ermittlung der Kohlenstoffspeicherung in Wald und Holz. Die amtliche Einschlagstatistik unterschätzt den tatsächlichen Einschlag erheblich. Ein durch das Thünen-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg modifiziertes und weiterentwickeltes Verfahren zur verwendungsseitigen Abschätzung der Holzeinschläge ermöglicht nun die Ermittlung realistischerer Jahresdaten für den Zeitraum von 1995 bis heute.

Im Mittel werden durch die amtliche Einschlagsstatistik über den gesamten Betrachtungszeitraum nur etwa 78% des tatsächlichen Einschlages erfasst. Das bedeutet, dass durchschnittlich jährlich ca. 15,0 Mio. m³ Holzeinschlag nicht erfasst wurden. Die Ergebnisse der verwendungsseitigen Rückrechnung weichen im Durchschnitt (2003 – 2012) um etwa 1,6 Mio. Kubikmeter (Erntefestmeter ohne Rinde) bzw. um ca. 2,1 % von den Ergebnissen der dritten Bundeswaldinventur (BWI3 2014) ab.

Eine relevante Größe für die verwendungsseitige Berechnung des Holzeinschlags sind die Bestandsveränderungen der Rohholzlager im Wald. Leider liegen hierfür keine direkten Angaben aus Statistik oder Literatur vor. Waldlagerdaten für die Jahre 2003-2015 können aus dem Testbetriebsnetz Forstwirtschaft (TBN-Forst) des Bundes abgeleitet werden. Als Grundlage für die Schätzung für die Jahre ab 2016 dient die enge Korrelation der Waldlager mit den Industrielagern. Es ist möglich, dass dieser Zusammenhang gerade in den vergangenen Schadjahren 2018, 2019 und 2020 nicht zutrifft und im Wald deutlich andere Mengen eingelagert wurden. In der Literatur bzw. aktuellen Pressemeldungen finden sich jedoch keine Hinweise auf besonders hohe Einlagerungsaktivitäten; möglicherweise, weil ein größerer Teil des Schadholzes nur bedingt für Einlagerung geeignet oder die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist. Zwar wird von hohen Schadholzmengen berichtet, jedoch bedeutet dies nicht auch einen hohen Schadholzeinschlag. Es gibt Hinweise darauf, dass große Schadholzmengen nicht aufgearbeitet bzw. gefällt wurden. Für die aktuelle Schätzung der Lagerveränderungen im Wald haben wir daher die Korrelation zum Industrielager, für das Daten in der amtlichen Statistik vorliegen, beibehalten. Eine höhere Einlagerung würde sich in der verwendungsseitigen Einschlagsrückrechnung direkt in einer Erhöhung des Holzeinschlags auswirken, eine nierdrigere Einlagerung würde rechnerisch eine Verringerung des Holzeinschlags bewirken.
# auch in der Rubrik Waldwirtschaft zu finden


Link zur Projektseite:

Veröffentlichungen:

  • Jochem D, Weimar H, Dieter M (2020) Holzeinschlag 2019 steigt – Nutzung konstant : 77,6 Mio. m3 eingeschlagen - zusätzliche Holzmengen am Markt führen zu starkem Anstieg der Rundholzexporte. Holz Zentralbl 146(33):593-594
    PDF Dokument (nicht barrierefrei)
  • Jochem D, Weimar H, Dieter M (2019) Holzeinschlag 2018 kalamitätsbedingt bei 73,7 Mio. m3 : Schätzungen der Lagerbestände im Wald und in der Industrie bestimmen maßgeblich den Anstieg bei Einschlagsrückrechnung. Holz Zentralbl 145(35):754-755
    PDF Dokument (nicht barrierefrei)
  • Jochem D, Weimar H, Bösch M, Mantau U, Dieter M (2015) Der Holzeinschlag - eine Neuberechnung: Ergebnisse der verwendungsseitigen Abschätzung des Holzeinschlags in Deutschland für 1995 bis 2013. Holz Zentralbl 141(30):752-753
  • Jochem D, Weimar H, Bösch M, Mantau U, Dieter M (2015)  Estimation of
    wood removals and fellings in Germany: a calculation approach based on the amount of used roundwood. Eur J Forest Res 134(5):869-888,
    DOI:10.1007/s10342-015-0896-9

weitere Angaben

Inlandsverwendung Rohholz

Methodik

Das modifizierte und weiterentwickelte Verfahren zur Berechnung des jährlichen Einschlages basiert auf dem von Mantau (2004) und Dieter et al. (2004) zeitgleich entwickelten methodischen Vorgehen zur verwendungsseitigen Abschätzung der Rohholzentnahme aus dem Wald. Eine ähnliche Verfahrensweise wurde auch von Howard (2006) entwickelt. Dabei wird untersucht, welche Rohholzmengen aus dem Wald in die Industrie und in die Haushalte fließen. Des Weiteren werden Bestandsänderungen von Rohholzlagern (gefälltes Holz) im Wald und in der Industrie, sowie der Außenhandel mit Rohholz berücksichtigt. Die Waldrohholzentnahme ist nicht mit dem Einschlag gleichzusetzen, da bspw. gefällte Rohholzanteile – auch Derbholz – im Wald verbleiben können. Mittels geeigneter Faktoren für diese Anteile ist die Rohholzentnahme aus dem Wald in den Holzeinschlag umzurechnen.

Die Methode sieht vor, zunächst alle rohholzverwendenden Sektoren zu identifizieren und eine Analyse der Datenverfügbarkeit und Datenqualität durchzuführen. Sofern keine amtlichen Daten zur Verfügung stehen, oder die Datenqualität unzureichend ist, wird auf andere Daten, wie z.B. Verbandsstatistiken oder empirische Studien zurückgegriffen. Identifizierte Datenlücken in den verwendungsseitigen Statistiken werden durch individuelle sektorspezifische Modelle geschlossen. So werden bspw. im Bereich der Sägeindustrie zunächst die durchschnittliche Ausbeute und der Erfassungsgrad der amtlichen Statistik geschätzt. Das detaillierte methodische Vorgehen, die verschiedenen Schätzmodelle, die nach Verwendungsbereich gegliederten Ergebnisse zur Waldrohholzentnahme sowie weitere Hinweise zur Qualität der verwendeten Datenquellen können bei Jochem et al. (2015) nachgelesen werden.

Die Hintergrunddaten zur Berechnung des Holzeinschlages werden regelmäßig aktualisiert und gemäß den neusten Erkenntnissen aus dem Bereich der Holzmarktforschung angepasst. Dies führt zu laufenden –auch rückwirkenden- Anpassungen der Ergebnisse.