Institut für

Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie

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Artikel zu den Ansichten und Einstellungen der Bevölkerung zu Wald- und Forstwirtschaft in Deutschland erschienen

Aktuell

Waldpolitik und Forstwirtschaft in Deutschland verzeichnen eine steigende Beanspruchung von Waldökosystemleistungen durch die Bevölkerung.

Anteile der Befragten, die die genannten Begriffe für wichtig oder sehr wichtig halten. (Lebensraum, Luft u. Wasser, Klimaschutz, Landschaftsbild, Naturerleben, Rohstoff Holz, Schutz vor Naturgefahren, Einkommen u. Arbeit, Erholung, Waldnebenprodukte (von links nach rechts)) - Percentage of those respondents having rated the mentioned FES as important or very important (Habitat, Air and water, Climate protection, Natural scenery, Experience of nature, Wood as raw material, Protective functions, Income and employment, Recreation, Non-wood forest products (from left)) (© Martin Lorenz)

Deshalb strebt die Bundesregierung mit ihrer „Waldstrategie 2020“ unter anderem die Sicherung und - wenn möglich - die Steigerung der Ökosystemleistungen des Waldes an. Eine der Grundlagen für forst- und umweltpolitische Entscheidungen sind die Ergebnisse einer repräsentativen vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebenen Bevölkerungsbefragung. Die Antworten der 1.052 Befragten wurden vom Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie analysiert.

Die 1.052 Teilnehmer an der Befragung halten an erster Stelle die ökologischen Leistungen des Waldes (Lebensraum, Luft- und Wasser, Klimaschutz) für wichtig oder sehr wichtig (s. Abbildung). An zweiter Stelle steht der Wald als prägendes Landschaftselement und als Raum für Naturerleben. Es folgt die Lieferung von Holz als Roh- und Werkstoff sowie als Energieträger. Erst danach rangieren die Erholungsfunktion und die Einkommens- und Arbeitsfunktion. Dabei hält nur ein knappes Drittel der Befragten die auf den Erhalt oder die Steigerung der Waldleistungen gerichtete multifunktionale Waldbewirtschaftung in Deutschland für nachhaltig, und nur gut die Hälfte der Befragten hält sie für zum Teil nachhaltig. Die Diskrepanz zwischen der hohen Wertschätzung vieler Waldfunktionen einerseits und Zweifeln an der Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung andererseits mag Ausdruck befürchteter Gefahren für den Wald in Deutschland sein. Die größte Sorge gilt der Gefährdung des Waldes durch Abholzung. Einen Beitrag zum Klimaschutz durch Verwendung von Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft sieht über die Hälfte der Befragten, aber nur ein gutes Drittel stimmt der Substitution fossiler Rohstoffe durch Holz zu.

Ein knappes Drittel der Befragten geht mindestens dreimal pro Monat in den Wald. Die Häufigkeit von Waldbesuchen und das Wissen über den Wald und die Forstwirtschaft sind offenbar maßgeblich für die Wertschätzung der Waldfunktionen und für eine richtigere Einschätzung forstlicher Sachverhalte. Keine der anderen abgefragten Eigenschaften der Befragten (z. B. Geschlecht, Lebensalter, Familienstand, Schulbildung, Beruf, Einkommen) hat einen so hohen Einfluss. Befragte, die häufig in den Wald gehen und von sich sagen, gut über den Wald und die Forstwirtschaft informiert zu sein, halten die abgefragten Waldleistungen eher für wichtig als dies für die anderen zutrifft. Einige Ergebnisse der Befragung legen bei den Teilnehmern eher geringe Kenntnisse forstlicher Sachverhalte offen. Tatsächlich halten sich drei Viertel der Teilnehmer in dieser Hinsicht für schlecht oder gar nicht informiert.

Über die Hälfte der Befragten geben an, dass sie ihre Informationen aus eigenen Beobachtungen beziehen. Solche punktuellen Informationen reichen offenbar nicht zur Aneignung eines Grundverständnisses aus. Ein ähnlich hoher Anteil gibt die Medien als Informationsquelle an. Diese aber berichten selten differenziert und häufig über Missstände. Positiv zu bewerten ist, dass viele der Befragten mehr über das Thema Wald und Forstwirtschaft erfahren möchten.

Lorenz M, Elsasser P (2018) Ansichten und Einstellungen zu Wald und Forstwirtschaft in Deutschland. Allg. Forst- u. J.-Ztg., 189. Jg., ½, S. 1-15. DOI: 10.23765/afjz0002017