Johann Heinrich von Thünen (1783 - 1850)

Agrarwissenschaftler, Nationalökonom, Sozialreformer

Der Name „Thünen“ hat heute noch in den Wirtschaftswissenschaften einen guten Klang. Johann Heinrich von Thünen vereinte theoretische Kenntnisse der Mathematik mit praktischen Erfahrungen aus seinem landwirtschaftlichen Musterbetrieb. Mit seinem Bestreben, die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien in der Praxis zu überprüfen und für die Landwirtschaft zu nutzen, zählt er zu den Begründern der angewandten Forschung im Agrarbereich.


Büste Johann Heinrich von Thünens

Thünen wird am 24. Juni 1783 in Gut Canarienhausen (heute: Kreis Friesland) geboren. 1799 beginnt er eine landwirtschaftliche Lehre, unter anderem bei Lucas Staudinger in Groß Flottbek und Albrecht Thaer in Celle, und studiert ab 1803 Nationalökonomie in Göttingen.

Im Jahr 1809 erwirbt er das Gut Tellow in Mecklenburg-Schwerin, wo er sich bis zu seinem Lebensende mit der rationellen Organisation seiner Gutswirtschaft und mit nationalökonomischen Untersuchungen beschäftigt. 1826 erscheint der erste Teil seines Hauptwerkes „Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und National-Ökonomie: Untersuchungen über den Einfluß, den die Getreidepreise, der Reichtum des Bodens und die Abgaben auf den Ackerbau ausüben“ mit dem Kernstück, den Thünen’schen Kreisen.

Thünen Gutshaus in Tellow, heute Sitz des Thünen-Museums.
Thünen Gutshaus in Tellow, heute Sitz des Thünen-Museums (© Michael Welling)

Zu Johann Heinrich von Thünens Pionierleistungen gehören unter anderem die Entwicklung von land- und forstwirtschaftlichen Produktions- und Raumstrukturtheorien („Thünen’sche Kreise/Ringe“), die Impulse für die Wirtschaftsgeographie und Regionalwissenschaft geben. Daneben begründet er die landwirtschaftliche Betriebslehre in Deutschland. Er entwirft eine systematische Erklärung der Höhe von Löhnen, Zinsen und Bodenrenten sowie der Verteilung dieser Einkommen in einer Volkswirtschaft (Grenzproduktivitätstheorie) und entwickelt Grundprinzipien für eine optimale Forstwirtschaft. Damit nimmt er allgemeingültige kapitaltheoretische Ansätze vorweg.

1830 wird er aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste zum Ehrendoktor der Universität Rostock ernannt.

Im Zuge der politischen Ereignisse des Frühjahrs 1848 setzt Thünen im April sein lange geplantes Gewinnbeteiligungsmodell für die Tellower Arbeiter in Kraft, das einige Punkte der späteren Sozialversicherung vorweg nimmt.

Am 22. September 1850 stirbt Johann Heinrich von Thünen auf seinem Gut Tellow in Mecklenburg.