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Thünen-Modellverbund

Wie wirken sich Änderungen in der Politik auf die Landwirtschaft, die Agrarmärkte und die Umwelt aus? Der Modellverbund des Thünen-Instituts nutzt ökonomische Modelle, um Folgen politischen Handelns abzuschätzen und unterstützt damit die Politik bei ihren Entscheidungen.

Welche Auswirkungen haben die nächste Reform der EU-Agrarpolitik und das neue Handelsabkommen auf den Anbau und Import von nachwachsenden Rohstoffen? Wie beeinflusst dies die regionale Konzentration des Energiepflanzenanbaus in Deutschland? Sind die Umweltwirkungen in der Summe positiv? Und was bedeutet das für das Einkommen eines typischen Betriebes in der Hildesheimer Börde?

Die für die Landwirtschaft relevanten Politikbereiche unterliegen einem ständigen Wandel. Daher besteht in Politik und Wissenschaft ein großer Bedarf, die Folgen von Politikänderungen vorab zu quantifizieren. Dabei gilt es, eine Vielzahl von Wechselbeziehungen zu berücksichtigen. Modelle sollen helfen, die Komplexität der Realität auf die wesentlichen Zusammenhänge zu reduzieren und so besser zu verstehen.

Der Modellverbund des Thünen-Institutes nutzt ökonomische Modelle, die auf unterschiedliche Entscheidungsebenen (z. B. Betriebs-, Regional-, Sektorebene) ausgerichtet sind. Der Einsatz der Modelle im Verbund erlaubt es, die verschiedenen Abbildungsbereiche konsistent zusammenzuführen. Die Ergebnisse unserer modellgestützten Politikfolgenabschätzungen unterstützen die Politik dabei, Handlungsbedarf zu identifizieren, Verhandlungspositionen auszuarbeiten und Politikinstrumente auszugestalten.

Struktur des Modellverbundes

Der Thünen-Modellverbund besteht aus mathematisch-ökonomischen Simulationsmodellen, die jeweils unterschiedliche Entscheidungsebenen abbilden. Mit dem Modell MAGNET werden Entwicklungen und Politiken im Bereich der Weltwirtschaft insgesamt und einzelner Länder und Regionen simuliert. Das Modell AGMEMOD bildet die wichtigsten Agrarmärkte der EU-Mitgliedsstaaten sowie Interaktionen zwischen den Agrar- und Ernährungssektoren ab. Das Modell CAPRI (Common Agricultural Policy Regional Impact Modelling System) wird für die Bewertung der EU-Agrarpolitik auf Europäischer Ebene benutzt. Auf Grundlage des deutschen Agrarsektors stellt RAUMIS regionale Anpassungsreaktionen der Landwirtschaft dar. Die Betriebsmodellierung mit FARMIS erfolgt gemäß einem "bottom-up"-Ansatz auf landwirtschaftlicher Betriebs- bzw. Betriebsgruppenebene und einer Hochrechnung der Ergebnisse auf Sektorebene. Die einzelbetrieblichen Modelle TIPI-CAL und TYPICROP ergänzen diesen Ansatz für Spezialanalysen und Anpassungsstrategien und bieten die Möglichkeit einer direkten Rückkopplung mit der Praxis.

Die Modelle werden entsprechend ihrer jeweiligen Schwerpunkte also für unterschiedliche Fragestellungen eingesetzt. Eine besondere Stärke der Anwendung im Verbund liegt in der konsistenten Zusammenführung der verschiedenen Abbildungsbereiche, wodurch wir die komplexen Wechselwirkungen zwischen den Entscheidungsebenen erfassen können. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den an der Arbeitsgruppe "Modellverbund" beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Forschungsbereichs Agrarökonomie des Thünen-Institutes zu. Sie bringen ihre Expertise in einem aktiven wissenschaftlichen Austausch in die Pflege, Aktualisierung und Weiterentwicklung der Modelle ein.

Wie arbeitet der Thünen-Modellverbund?

Die Untersuchung einer bestimmten Fragestellung beginnt mit einer Vorbesprechung unseres Modellverbund-Teams mit Vertretern des BMEL. Dabei werden relevante Szenarien (z. B. Novellierung der Düngeverordnung) und zentrale Annahmen (z. B. zukünftige Energiepreisentwicklung) diskutiert und festgelegt. In Abhängigkeit von der Problemstellung und den abzubildenden Wechselwirkungen entscheiden wir, welche Modelle für die Analyse erforderlich und unter Umständen weiterzuentwickeln sind. In der anschließenden Analyse erfolgt ein koordinierter, paralleler und/oder iterativer Einsatz der Modelle. Das ermöglicht die Abstimmung wichtiger Annahmen, den Austausch von Ergebnissen zwischen den Modellen und die wechselseitige Kontrolle der Modellergebnisse. Diese Vorgehensweise gewährleistet ein in sich stimmiges Gesamtbild und hilft zudem, Unsicherheiten in den Projektionsergebnissen einzugrenzen.

Ein zentrales Element der Arbeit des Modellverbunds ist die regelmäßige Erstellung einer sogenannten Baseline, das heißt einer Projektion der erwarteten Entwicklungen im Agrarsektor bei Beibehaltung der aktuellen Agrarpolitik. Die Thünen-Baseline fertigen wir in enger Abstimmung mit den Fachreferaten des BMEL an; sie dient als Referenz für Politikfolgenabschätzungen.

Wie wird der Thünen-Modellverbund weiterentwickelt?

Die inhaltliche Weiterentwicklung des Modellverbundes ist von zentraler Bedeutung, um quantitative Politikfolgenabschätzungen zu aktuellen Themen auf hohem wissenschaftlichem Niveau kontinuierlich und auch kurzfristig durchführen zu können. Dazu sind die Modelle des Verbundes jeweils eng in die übrige Forschungsarbeit unserer Fachinstitute sowie in nationale (z. B.  AGRUM-Deutschland) und internationale Netzwerke (z. B.  CAPRI, AGMEMOD, GTAP, agri benchmark) eingebunden.

Kolleg*innen, die über sogenannte Drittmittelprojekte finanziert werden, ergänzen den Modellverbund. Zum einen können wir dadurch zusätzliche interessante Fragestellungen bearbeiten und mögliche Entwicklungen besser antizipieren. Zum anderen erhöht das unseren Spielraum, die in der Regel zeitintensive Weiterentwicklung der Modelle, beispielsweise in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung, anzugehen.

Das Team

Die Personen und ihre Rolle im Thünen-Modellverbund

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Die Personen und ihre Rolle im Thünen-Modellverbund

Die Thünen Baseline

Aktuelle Ergebnisse – die Thünen-Baseline 2022–2032

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