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Expertise

Europäische Holzhandelsverordnung erfasst nicht alle Holzimporte

Von Margret Köthke | 23.06.2022


WF Institut für Waldwirtschaft

Die EU-Holzhandelsverordnung soll den Handel von illegal geschlagenem Holz eindämmen. Holzmarktanalysen und Unternehmensbefragungen zeigen die Diskrepanz zwischen Wirkungsbereich und Umsetzung der Regelung.

Illegaler Holzeinschlag ist eine der großen globalen Ursachen der Entwaldung und der Degradierung von Wäldern. Der Handel mit illegal geschlagenem Holz und daraus hergestellten Erzeugnissen hat negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen – sowohl in den Erzeuger- als auch in den Verbraucherländern.

Trotz der internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag ist das Problem nach wie vor sehr verbreitet. Aufgrund der illegalen Natur des Problems sind keine genauen Zahlen über die Höhe des illegalen Einschlags verfügbar. Nach Berechnungen des Thünen-Instituts lag der illegale Holzeinschlag weltweit im Jahr 2009 zwischen 100 und fast 300 Millionen Kubikmetern Rohholz – knapp 10-20 % des weltweiten Gesamteinschlags. Das Thünen-Institut hat berechnet, dass im Jahr 2009 2-5 % der Holzeinfuhren nach Deutschland und 6-13 % der Holzeinfuhren in die EU aus illegalen Quellen stammten.
 

Ursachen für illegalen Holzeinschlag

In einem Ländervergleich hat das Thünen-Institut die Ursachen für illegalen Holzeinschlag untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass neben physisch-geografischen Merkmalen eine Reihe von Faktoren, die sich auf den Grad und die Geschwindigkeit der wirtschaftlich-institutionellen Entwicklung eines Landes beziehen, signifikant mit illegalem Holzeinschlag in Verbindung stehen. Dazu gehören beispielswiese das Wirtschaftswachstum, der Grad der Rechenschaftspflicht der Regierung, Rechtsstaatlichkeit und das Vorhandensein von Korruption. Bewaffnete Konflikte und Bevölkerungsdruck haben hingegen einen geringeren Einfluss. Die Ergebnisse der Studie sind auch für mögliche Verbesserungen von bestehenden Politiken zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag von Interesse.
 

Europäische Holzhandelsverordnung soll illegalen Holzeinschlag bekämpfen

Die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR, European Timber Regulation) ist eine wichtige Maßnahme der Europäischen Union zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags weltweit. Seit 2013 verbietet sie das Inverkehrbringen von Holz oder Holzprodukten aus illegalem Einschlag auf dem EU-Binnenmarkt. 
 
Die EUTR gilt jedoch nicht für alle Holzprodukte. Im Anhang der EUTR ist genau aufgelistet, für welche Waren die Verordnung gilt. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf

  • Rohholz und klassischen Holzwaren wie z.B. Schnittholz, Sperrholz oder Bautischler- und Zimmermannsarbeiten,
  • Zellstoff aus Holz sowie
  • Papier, Pappe und Waren, die daraus hergestellt sind.
  • Zusätzlich sind einige Holzmöbel und vorgefertigte Holzhäuser aufgelistet.

Bestimmte Produktgruppen wie Sitzmöbel, Bürsten und Pinsel, Werkzeuge, Holzkohle oder Altpapier und Druckerzeugnisse sind noch nicht von der Verordnung betroffen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie viele aller eingeführten Holzprodukte über die Verordnung abgedeckt sind.

Welchen Wirkungsgrad erreicht die EUTR tatsächlich?

Betrachtet man die verschiedenen Produktgruppen, haben Rohmaterialien einen höheren Abdeckungsgrad als weiterverarbeitete Produkte oder gar Fertigwaren.

Im November 2021 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine neue Verordnung vorgelegt, welche die EUTR ersetzen soll. Der Verordnungsvorschlag betrachtet in seiner aktuellen Version die gleichen Produkte wie die EUTR. Neben der Bekämpfung von Illegalität im Holzhandel sollen mit der neuen Verordnung allerdings auch Entwaldung und Walddegradierung bekämpft werden.

In Deutschland sind ca. 27.000 Unternehmen, die Holz oder Holzprodukte importieren, von der EUTR betroffen. 2018 hat das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte eine Umfrage unter deutschen Importeuren zur Umsetzung der EUTR durchgeführt. Es zeigte sich, dass vor allem kleine Unternehmen außerhalb der Holzbranche die EUTR häufig nicht kennen.

Nur 42 % der 540 befragten Marktteilnehmer*innen kannten die EUTR und waren sich darüber bewusst, dass die Richtlinie auch für sie gilt. Diese Unternehmen importieren jedoch zusammen 91 % aller EUTR-Produkte (gemessen am Gesamtwert in Euro). 28 % der Marktteilnehmer gaben an, das vorgeschriebene Sorgfaltspflichtsystem installiert zu haben (siehe Abbildung).

Diese Ergebnisse spiegeln wider, dass vor allem große Unternehmen der Holzbranche die EUTR kennen und umsetzen. Kleine und branchenfremde Unternehmen kennen die EUTR häufig gar nicht. Diese kleinen Unternehmen machen jedoch den Großteil der importierenden Marktteilnehmer aus.

Literatur zum Weiterlesen

  1. 0

    Dieter M, Englert H, Weimar H (2012) Wood from illegal harvesting in EU markets: estimations and open issues. Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 62(4):247-254

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn051377.pdf

  2. 1

    Dieter M, Englert H, Weimar H (2012) Holz aus illegalem Einschlag in Deutschland und der EU : Status-Quo-Bericht zum Inkrafttreten des Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (Holz-SiG). Holz Zentralbl 137(10):257-259

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn050203.pdf

  3. 2

    Dieter M (2009) Analysis of trade in illegally harvested timber: accounting for trade via third party countries. Forest Pol Econ 11(8):600-607, DOI:10.1016/j.forpol.2009.08.003

  4. 3

    Bösch M (2021) Institutional quality, economic development and illegal logging: a quantitative cross-national analysis. Eur J Forest Res 140:1049-1064, DOI:10.1007/s10342-021-01382-z

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063623.pdf

  5. 4

    Weimar H, Janzen N, Dieter M (2015) Market coverage of wood imports by the EU Timber Regulation. Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 63 p, Thünen Working Paper 45, DOI:10.3220/WP1440577266000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn055557.pdf

  6. 5

    Janzen N, Weimar H (2016) Market coverage of the EUTR - what share of wood imports into the EU is covered by the EUTR? Drewno 59(197), DOI:10.12841/wood.1644-3985.C08.02

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    Köthke M (2020) Auswirkungen der Europäischen Holzhandelsverordnung auf Importeure von Holzerzeugnissen in Deutschland - Design und Ergebnisse einer Befragung. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 62 p, Thünen Working Paper 143, DOI:10.3220/WP1587970140000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062261.pdf

  8. 7

    Köthke M (2020) Geringer EUTR-Kenntnisstand unter Marktteilnehmern aus Deutschland : Marktteilnehmer aus dem Holzsektor kannten die EUTR signifikant häufiger. Holz Zentralbl 146(9):180

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062131.pdf

  9. 8

    Köthke M (2020) Implementation of the European Timber Regulation by German importing operators: An empirical investigation. Forest Pol Econ 111:102028, DOI:10.1016/j.forpol.2019.102028

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