Weiter zum Inhalt
Expertise

Umsetzung und Auswirkungen der EU-Holzhandelsverordnung

Margret Köthke | 27.11.2023


WF Institut für Waldwirtschaft

Die EU-Holzhandelsverordnung soll den Handel von illegal geschlagenem Holz eindämmen. Holzmarktanalysen und Unternehmensbefragungen zeigen die Diskrepanz zwischen Wirkungsbereich und Umsetzung der Regelung.

Illegaler Holzeinschlag ist eine der großen globalen Ursachen der Entwaldung und der Degradierung von Wäldern. Der Handel mit illegal geschlagenem Holz und daraus hergestellten Erzeugnissen hat negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen – sowohl in den Erzeuger- als auch in den Verbraucherländern.

Trotz der internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag ist das Problem nach wie vor sehr verbreitet. Aufgrund der illegalen Natur des Problems sind keine genauen Zahlen über die Höhe des illegalen Einschlags verfügbar. Nach Berechnungen des Thünen-Instituts lag der illegale Holzeinschlag weltweit im Jahr 2009 zwischen 100 und fast 300 Millionen Kubikmetern Rohholz – knapp 10-20 % des weltweiten Gesamteinschlags. Das Thünen-Institut hat berechnet, dass im Jahr 2009 2-5 % der Holzeinfuhren nach Deutschland und 6-13 % der Holzeinfuhren in die EU aus illegalen Quellen stammten.
 

Ursachen für illegalen Holzeinschlag

In einem Ländervergleich hat das Thünen-Institut die Ursachen für illegalen Holzeinschlag untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass neben physisch-geografischen Merkmalen eine Reihe von Faktoren, die sich auf den Grad und die Geschwindigkeit der wirtschaftlich-institutionellen Entwicklung eines Landes beziehen, signifikant mit illegalem Holzeinschlag in Verbindung stehen. Dazu gehören beispielswiese das Wirtschaftswachstum, der Grad der Rechenschaftspflicht der Regierung, Rechtsstaatlichkeit und das Vorhandensein von Korruption. Bewaffnete Konflikte und Bevölkerungsdruck haben hingegen einen geringeren Einfluss. Die Ergebnisse der Studie sind auch für mögliche Verbesserungen von bestehenden Politiken zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag von Interesse.
 

Europäische Holzhandelsverordnung soll illegalen Holzeinschlag bekämpfen

Die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR, European Timber Regulation) ist eine wichtige Maßnahme der Europäischen Union zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags weltweit. Seit 2013 verbietet sie das Inverkehrbringen von Holz oder Holzprodukten aus illegalem Einschlag auf dem EU-Binnenmarkt. 
 
Die EUTR gilt jedoch nicht für alle Holzprodukte. Im Anhang der EUTR ist genau aufgelistet, für welche Waren die Verordnung gilt. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß auf

  • Rohholz und klassischen Holzwaren wie z.B. Schnittholz, Sperrholz oder Bautischler- und Zimmermannsarbeiten,
  • Zellstoff aus Holz sowie
  • Papier, Pappe und Waren, die daraus hergestellt sind.
  • Zusätzlich sind einige Holzmöbel und vorgefertigte Holzhäuser aufgelistet.

Bestimmte Produktgruppen wie Sitzmöbel, Bürsten und Pinsel, Werkzeuge, Holzkohle oder Altpapier und Druckerzeugnisse sind noch nicht von der Verordnung betroffen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie viele aller eingeführten Holzprodukte über die Verordnung abgedeckt sind.

Welchen Wirkungsgrad erreicht die EUTR tatsächlich?

Berechnungen des Thünen-Instituts zeigen, dass im Jahr 2020 etwa 87 % der eingeführten Holzmengen in die EU durch die EUTR abgedeckt werden. Auf Holzmengen von ca. 20 Mio. m³ (gemessen in Rohholzäquivalenten) fand die EUTR im Jahr 2020 allerdings keine Anwendung. Dieser Wert verteilt sich nahezu gleichmäßig auf Holz- und Papierprodukte.

Betrachtet man die verschiedenen Produktgruppen, haben Rohmaterialien einen höheren Abdeckungsgrad als weiterverarbeitete Produkte oder gar Fertigwaren. Der größte Teil der Importe nicht berücksichtigter Produkte in die EU entfällt auf Altpapier, die Warengruppe „andere Artikel aus Holz“ (inklusive Holzkohle), Möbel (insbesondere Stühle) und bedruckte Medien.

In Deutschland sind ca. 27.000 Unternehmen, die Holz oder Holzprodukte importieren, von der EUTR betroffen. 2018 hat das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte eine Umfrage unter deutschen Importeuren zur Umsetzung der EUTR durchgeführt. Es zeigte sich, dass vor allem kleine Unternehmen außerhalb der Holzbranche die EUTR häufig nicht kennen.

Nur 42 % der 540 befragten Marktteilnehmer*innen kannten die EUTR und waren sich darüber bewusst, dass die Richtlinie auch für sie gilt. Diese Unternehmen importieren jedoch zusammen 91 % aller EUTR-Produkte (gemessen am Gesamtwert in Euro). 28 % der Marktteilnehmer gaben an, das vorgeschriebene Sorgfaltspflichtsystem installiert zu haben (siehe Abbildung).

Diese Ergebnisse spiegeln wider, dass vor allem große Unternehmen der Holzbranche die EUTR kennen und umsetzen. Kleine und branchenfremde Unternehmen kennen die EUTR häufig gar nicht. Diese kleinen Unternehmen machen jedoch den Großteil der importierenden Marktteilnehmer aus.
 

Europäische Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR)

Im Mai 2023 wurde die Europäische Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) vorgelegt, welche die EUTR ersetzen wird. Die neue Verordnung betrifft neben den bereits von der EUTR betroffenen Holzprodukten, weitere Holzprodukte, wie bedruckte Papiererzeugnisse, Stühle und Holzkohle. Neben der Bekämpfung von Illegalität im Holzhandel sollen mit der neuen Verordnung auch Entwaldung und Walddegradierung bekämpft werden.

 

Literatur zum Weiterlesen

  1. 0

    Köthke M, Weimar H (2022) Trade in wood-based products in the EU27 - wood content and coverage by the current EUTR and the proposed regulation on deforestation-free value chains. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 52 p, Thünen Working Paper 193, DOI:10.3220/WP1655114210000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064958.pdf

  2. 1

    Bösch M (2021) Institutional quality, economic development and illegal logging: a quantitative cross-national analysis. Eur J Forest Res 140:1049-1064, DOI:10.1007/s10342-021-01382-z

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063623.pdf

  3. 2

    Köthke M (2020) Auswirkungen der Europäischen Holzhandelsverordnung auf Importeure von Holzerzeugnissen in Deutschland - Design und Ergebnisse einer Befragung. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 62 p, Thünen Working Paper 143, DOI:10.3220/WP1587970140000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062261.pdf

  4. 3

    Köthke M (2020) Geringer EUTR-Kenntnisstand unter Marktteilnehmern aus Deutschland : Marktteilnehmer aus dem Holzsektor kannten die EUTR signifikant häufiger. Holz Zentralbl 146(9):180

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062131.pdf

  5. 4

    Köthke M (2020) Implementation of the European Timber Regulation by German importing operators: An empirical investigation. Forest Pol Econ 111:102028, DOI:10.1016/j.forpol.2019.102028

  6. 5

    Janzen N, Weimar H (2016) Market coverage of the EUTR - what share of wood imports into the EU is covered by the EUTR? Drewno 59(197), DOI:10.12841/wood.1644-3985.C08.02

  7. 6

    Weimar H, Janzen N, Dieter M (2015) Market coverage of wood imports by the EU Timber Regulation. Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 63 p, Thünen Working Paper 45, DOI:10.3220/WP1440577266000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn055557.pdf

  8. 7

    Dieter M, Englert H, Weimar H (2012) Holz aus illegalem Einschlag in Deutschland und der EU : Status-Quo-Bericht zum Inkrafttreten des Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (Holz-SiG). Holz Zentralbl 137(10):257-259

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn050203.pdf

  9. 8

    Dieter M, Englert H, Weimar H (2012) Wood from illegal harvesting in EU markets: estimations and open issues. Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 62(4):247-254

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn051377.pdf

  10. 9

    Dieter M (2009) Analysis of trade in illegally harvested timber: accounting for trade via third party countries. Forest Pol Econ 11(8):600-607, DOI:10.1016/j.forpol.2009.08.003

    Projekte

    Die EU-Holzhandelsverordnung und ihre Folgen

    Seit 2013 verbietet die Europäische Holzhandelsverordnung das Inverkehrbringen von Holz und Holzerzeugnissen aus illegalem Einschlag in den EU-Binnenmarkt. Wie wirkungsvoll die Verordnung in Deutschland umgesetzt wird, untersucht das Thünen-Institut.

    Mehr erfahren
    Die EU-Holzhandelsverordnung und ihre Folgen

    Analyse von illegalem Holzeinschlag

    Trotz der internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von illegalem Holzeinschlag ist das Problem nach wie vor sehr verbreitet. Es gibt bisher wenig systematische Forschung zu den Ursachen von illegalem Holzeinschlag.

    Mehr erfahren
    Analyse von illegalem Holzeinschlag

    Matrix-Modell für Holzherkünfte

    Weltweit hat der Handel mit Holz in den letzten Jahren zugenommen. Umweltauswirkungen wie etwa Waldflächenverluste sind untrennbar mit der Herkunft des Rohholzes verbunden. Doch wo kommt das Holz her?

    Mehr erfahren
    Matrix-Modell für Holzherkünfte

    Nach oben