Was versteht man unter „Agrarstruktur“?

Hintergrund

Agrarstruktur ist wesentlich mehr als Betriebsgröße und Anbaustruktur. Eine allgemeingültige Definition von Agrarstruktur existiert jedoch nicht. Es gibt enge und weite Abgrenzungen.

In einer sehr weiten Auslegung können alle in relativ beständiger Relation zueinander stehenden Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit und Kapital) mit Bezug auf den Agrarsektor als „Agrarstruktur“ ausgedrückt werden. Lipinsky (1981) definiert die Agrarstruktur umfassend als „das statistisch erfaßbare Verhältnis der technischen, ökonomischen und sozialen Strukturelemente im agraren Bereich“. Demnach umfasst der Begriff „Agrarstruktur“ zahlreiche Perspektiven, die den Aufbau und die innere Gliederung der Landwirtschaft in einer Region oder einem Land ausmachen. Dazu gehören zum Beispiel Anbaustrukturen und Produktionsweisen ebenso wie Produktivitätskennzahlen oder die regionale Verteilung der Produktion. Seit einigen Jahren haben sich insbesondere aus verschiedenen Produktionsweisen (ökologisch oder konventionell) und unterschiedlichen Zielen der Flächennutzung (Nahrung oder Energie) zusätzliche Aspekte für die Agrarstruktur, deren Bewertung und teils kontroverse Diskussion sowie für deren Gestaltung ergeben.

Die Agrarstruktur und deren Wandel resultieren aus dem Anpassungsdruck, der von der volkwirtschaftlichen und technischen Entwicklung ausgeht, sowie aus der Agrarverfassung und der Agrarstrukturpolitik (Henrichsmeyer, Witzke; 1994). Die „Agrarverfassung“ entspricht dabei der Gesamtheit der rechtlichen und sozialen Ordnungen, die durch Gesetze, Gewohnheiten, Sitten oder Bräuche bestimmt werden (Gabler Wirtschaftslexikon). Sie regelt das Verhältnis der landwirtschaftlichen Bevölkerung (z.B. Landwirtschaftliches Erbrecht) untereinander, zum Boden (Eigentums-, Besitz- und Nutzungsrechte) sowie zu ihrem Umfeld (z.B. Agrarfinanzierung). Die Agrarverfassung ist zum großen Teil das Resultat historischer Prozesse.

Literatur

  • Lipinsky, E.E. (1981): Agrarstrukturverbesserung. In: Handwörterbuch des Agrarrechts, Bd. 1, S. 134-161.
  • Gabler Wirtschaftslexikon: Agrarverfassung.
    Internet: wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/agrarverfassung.html. Abgerufen am 1.10.2014.
  • Henrichsmeyer, W.; Witzke, H.P. (1994) Agrarpolitik, Bd.2: Bewertung und Willensbildung, S. 351.