Nachhaltige Ernährung: Welchen Einfluss haben Ernährungsumgebungen?

Dossier

Welche Faktoren beeinflussen die individuellen Essgewohnheiten? Und wie können sie so gestaltet werden, dass sich Menschen gesünder, fairer und nachhaltiger ernähren? Das Thünen-Institut geht diesen Fragen auf nationaler und internationaler Ebene nach.

Mehr Nachhaltigkeit in der Ernährung ist sowohl national als auch international ein wichtiges Ziel für eine nachhaltige Entwicklung und für den Umgang mit aktuellen Herausforderungen: ernährungsbedingte Erkrankungen, die die Gesundheitssysteme belasten, unfaire Produktions- und Marktpraktiken, mangelndes Tierwohl oder Umwelt- und Klimabelastungen. Ernährung allgemein, also die Frage, was und wie viel wir essen, aber auch die jeweiligen Ernährungsweisen stellen bedeutende Ansatzpunkte dar, um diesen Herausforderungen entgegenzusteuern, denn sie beeinflussen die Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ziel unserer Forschungsarbeiten ist es, Lösungsansätze zu entwickeln, um Ernährungsumgebungen so zu gestalten, dass Ernährungsweisen national und international nachhaltiger werden. Das heißt vor allem gesünder, fairer und umweltverträglicher.

Was man unter Ernährungsumgebungen versteht

Ernährungsumgebungen sind in ein Ernährungssystem eingebettet. Das Ernährungssystem umfasst unter anderem die unterschiedlichen Arten der Lebensmittelherstellung (z.B. industrielle oder handwerkliche Herstellung) einschließlich der landwirtschaftlichen Produktion, den soziokulturellen Rahmen, der sich in verschiedenen Ländern in unterschiedlichen Ernährungstraditionen ausdrückt (z.B. Reis in Asien), sowie die politischen Gegebenheiten wie nationale Ernährungspläne in Frankreich und in China oder eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke in Großbritannien.

Die Ernährungsumgebung beinhaltet aus Sicht eines Individuums folgende Elemente:

1. Äußere Ernährungsumgebung: die Einkaufsorte, z.B. Discounter, Supermärkte und Wochenmärkte, die Art und Weise, wie Lebensmittel angeboten werden (z.B. Werbung) sowie ihre Verfügbarkeit, Qualität und Nachhaltigkeit.

2. Innere Ernährungsumgebung: Präferenzen für bestimmte Lebensmittel bestimmen, ob Menschen unverarbeitete Lebensmittel oder Convenience-Produkte kaufen; ihre Erschwinglichkeit spielt eine Rolle sowie die räumliche Nähe zum Einkaufsort.

Aus äußerer und innerer Ernährungsumgebung ergeben sich die Beschaffung und der Verzehr von Lebensmitteln, die zu einer bestimmten Ernährungsweise und zum individuellen Gesundheitsstatus beitragen. Um das individuelle Ernährungsverhalten zu verändern, muss bei den verschiedenen Elementen der äußeren und inneren Ernährungsumgebungen angesetzt werden.

Was eine nachhaltige Ernährung ausmacht

Um zu untersuchen, wie nachhaltig eine bestimmte Ernährungsweise ist, müssen nicht nur die Ernährungsumgebungen in den Blick genommen werden, z.B. die Einkaufswege, die Art der Zubereitung und die Frage, ob Produkte tiefgefroren oder frisch eingekauft werden, sondern das gesamte Ernährungssystem. Das heißt, auch der Ressourceneinsatz von der Produktion bis hin zur Verwertung eines Lebensmittels muss standortspezifisch bewertet werden. Dies schließt neben Herstellung, Verarbeitung und Lagerung sämtliche Transportkosten ebenso mit ein wie Lebensmittelverluste und -verschwendung. Und auch die Arbeitsbedingungen müssen bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Ernährungsweisen mitbedacht werden.