Chancen und Grenzen der Aquakultur

Dossier

Tilapia aus der Zucht (© Thünen-Institut/Katja Seifert)

Die Aquakultur ist mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von ca. 8 % der am stärksten wachsende Agrarsektor weltweit. Schon heute werden 50 % des menschlichen Fischbedarfs über die Aquakultur gedeckt.


Unvermeidliches Wachstum

Im Gegensatz zur Fangfischerei werden in der Aquakultur Fische, Krebstiere, Muscheln oder Algen unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen. Da die Wildfischerei jetzt schon etliche Fischbestände an den Rand des Aussterbens bringt, lässt sie sich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht wesentlich steigern. Um den Eiweißbedarf der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern, wird die Aquakultur als Lebensmittellieferant immer bedeutender. Fische brauchen allerdings tierisches Eiweiß für die Ernährung. Je nach Produktionssystem muss es in Aquakulturen in unterschiedlicher Menge zugeführt werden.

Eiweiß braucht Eiweiß

Weizengluten und Fischmehl (© Thünen-Institut/Katja Seifert)

Das tierische Eiweiß für Fische bestand bis vor wenigen Jahren hauptsächlich aus Fischmehl. Es eignet sich wegen seiner ausgewogenen Zusammensetzung an essentiellen Aminosäuren und guten Verdaulichkeit besonders gut für die Herstellung von Fischfutter. Da die Preise dafür kräftig gestiegen sind, wird Fischmehl heute zunehmend durch pflanzliche Proteinträger ersetzt, die als preiswerte Nebenprodukte anfallen oder zum Teil nachhaltig produziert werden. Leider werden im Allgemeinen die pflanzlichen Proteine vom Fisch deutlich schlechter verwertet als die des Fischmehls, sodass die Tiere langsamer wachsen. Deshalb wird in kommerziellen Diäten immer nur ein Teil des Fischmehls ersetzt.

Alte und neue Risiken

Aquakultur: auch ökologisch und sozioökonomisch höchst bedeutsam (© Thünen-Institut/Tobias Lasner)

Vor allem in den industriellen Anlagen - etwa für die Zucht von Lachsen, Muscheln und Schalentieren vor allem in Südostasien - sind die ökologischen Begleiterscheinungen problematisch. Überschüssiges Futter verunreinigt den Meeresboden, führt zu Fäulnis und absterbenden Biotopen. Krankheiten breiten sich aus, massenhaft eingesetzte Antibiotika bleiben im Fisch, Resistenzen machen sich breit. Wenn sie im globalen Maßstab sowohl ökologische wie sozioökonomische Konflikte der Aquakultur beherrschen wollen, werden sich Forschung, Politik und Produzenten langwierigen, komplizierten Aufgaben stellen müssen.

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