Wohin mit Gülle und Gärresten?

Dossier

Gülleausbringung auf dem Feld
Gülleausbringung auf dem Feld (© aid infodienst/Peter Meyer)

Regionen mit intensiver Tierhaltung produzieren sehr viel Gülle. Sie landet, ebenso wie Gärreste aus der Biogasgewinnung, als Dünger auf den Äckern. Im Übermaß ausgebracht, können die Nährstoffe ausgewaschen werden und die Gewässer belasten. Was ist zu tun?

Durch die landwirtschaftliche Produktion können hohe Nährstoffeinträge in die Gewässer gelangen – häufig mehr, als in der Wasserrahmenrichtlinie der EU als Zielkonzentrationen für das Grundwasser und die Oberflächengewässer festgeschrieben ist.

Dabei schwanken das Ausmaß und die Ursachen der Gewässerbelastung erheblich. In einigen viehstarken Regionen Norddeutschlands kommt es durch die Ausbringung von Gülle zu extrem hohen Belastungen. Zusätzlich erfuhr durch die Förderung von Erneuerbaren Energien der Anbau von Pflanzen wie Mais zur Biogasgewinnung einen enormen Aufschwung. Die Gärreste werden ebenfalls auf die Felder ausgebracht, wodurch weitere Nährstoffe aus der Landwirtschaft in den Boden und in die Gewässer eingetragen werden.

Deutschlandkarte mit Angaben zur Stickstofflieferung aus Wirtschaftsdünger inklusive Gärreste
Stickstofflieferung aus Wirtschaftsdünger inklusive Gärreste 2014 (© Thünen-Institut/LR-eigene Berechnungen)

Analysen unter anderem des Thünen-Instituts und seiner Forschungspartner zeigen, dass die bisherigen Entwicklungen bei den Nährstoffeinträgen, trotz der beobachtbaren Erfolge, nicht ausreichen, um eine gute Gewässerqualität nach den Vorgaben der Europäischen Kommission zu erreichen. Es sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Auflagen zu erfüllen. Unter anderem müssen Gülle bzw. Wirtschaftsdünger und Gärreste den Hot-Spot-Regionen entzogen werden. Aber wie und wohin? Dieses Problem verlangt nach interdisziplinären Ansätzen, denn einerseits soll die Gülle effizient umverteilt werden, andererseits ist dem „Verschlechterungs-Verbot“ der EU-Wasserrahmenrichtlinie Folge zu leisten. Ein solcher interdisziplinärer Ansatz ist das AGRUM-Weser-Projekt des Thünen-Instituts, in dem agrarökonomische und hydrologische Modelle zu einem Verbund kombiniert werden.

Aktuelle Untersuchungen des Thünen-Instituts für Ländliche Räume zeigen, dass in einigen Regionen Deutschlands mehr getan werden muss, als nur die Düngeverordnung einzuhalten, um den Anforderungen auf europäischer Ebene gerecht zu werden. Weitere Diskussionen und Anstrengungen werden notwendig sein. Das Sortiment an denkbaren Maßnahmen – wie zusätzliche flächenbezogene Agrarumweltmaßnahmen, ein verbessertes Dränmanagement oder die Anlage von Uferrandstreifen – wird derzeit in verschiedenen Projekten mit Blick auf die Wirkungsgrade und Kosten untersucht.