Tropenwälder nachhaltig bewirtschaften

Kommentar

Von Richard Fischer, Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie

Ist es vertretbar, Naturwälder in den Tropen, gar die letzten „Urwälder“, wirtschaftlich zu nutzen? Ist es nicht vielmehr ein Gebot der Stunde, zu retten was zu retten ist? Wird durch Holznutzung im Tropenwald nicht ein unwiederbringlicher ökologischer Wert kurzfristigen finanziellen Interessen geopfert?

Hier greift der Begriff der „Nachhaltigkeit“. Dieser wurde von Carl von Carlowitz, einem deutschen Forstmann, vor 300 Jahren geprägt. In Deutschland waren damals viele Wälder übernutzt und degradiert. Carlowitz erkannte, dass durch geregelte und planmäßige Bewirtschaftung der Aufbau bzw. der Erhalt verbleibender Wälder langfristig möglich und mit kontinuierlicher Nutzung vereinbar ist.

Globale Prinzipien für Nachhaltige Waldbewirtschaftung wurden 1992 in Rio festgelegt (© UNO)

Das Konzept hat sich als „Sustainable forest management“ heute weltweit als Leitgedanke etabliert und wurde auf Ministerkonferenzen definiert. Im Kern kann und muss nachhaltige Waldbewirtschaftung demnach immer ökonomische, soziale und ökologische Werte integrieren. Dieser Grundsatz wird heute in einer Vielzahl von staatlichen, gemeinnützigen und privatwirtschaftlich orientierten Bewirtschaftungskonzepten weltweit auf ganz unterschiedliche Tropenwälder angewendet – und trägt zu Wertschöpfung und Walderhalt bei.

Kompletter Nutzungsverzicht wäre in Anbetracht des weltweiten Rohstoffbedarfs und der wirtschaftlichen Lage in den Tropen nicht realistisch. Er ist auch mit den Bedürfnissen der ärmeren Bevölkerung meist nicht vereinbar. Das schließt aber die Unterschutzstellung von genügend großen und zusammenhängenden Waldreservaten nicht aus.

Gleichzeitig sind aber in vielen Tropenländern nichtplanmäßige (Über-) Nutzung und illegaler Holzeinschlag Realität. Das tägliche Ringen der Bevölkerung um das Notwendigste erlaubt meist keine Rücksicht auf Waldökologie. Walderhalt, Tropenwaldschutz und nachhaltige Nutzung hängen somit immer mehr von politischer Stabilität, verantwortungsbewusster Regierungsführung, funktionierender Gesetzgebung und demokratischer Beteiligung der Bevölkerung ab.

Diese Faktoren werden unter dem Begriff „Good Governance“ zusammengefasst und sind – neben der Entwicklung nachhaltiger Bewirtschaftungskonzepte – Forschungsschwerpunkt am Thünen-Institut. Letztendlich kann die Erhaltung von Primärwäldern nur durch einen integrierten Landschaftsansatz gelingen, der die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung, den Rohstoffbedarf weltweit und Naturschutzziele miteinander vereinbart.