Tropenwald – schützen durch nützen

Dossier

Jedes Jahr verschwinden 13 Millionen Hektar Wald, zumeist in den Tropen. Die Ansprüche an die verbleibenden Wälder steigen. Denn sie sind Lebensgrundlage für die Landbevölkerung, Wirtschaftsfaktor der Industrie und oft genug zugleich ‚hot spots‘ für den Artenschutz. Aber der Verzicht auf Rohstoffe und Produkte trägt nicht automatisch zum Tropenwalderhalt bei, solange Brandrodung und nachfolgende Nutzungen ökonomisch attraktiver sind. Nachhaltige Waldbewirtschaftung und kontrollierte Nutzung können die Grundlage für einen langfristigen Schutz von Tropenwäldern sein. Denn nur was einen Wert hat, wird dauerhaft erhalten.

In wichtigen Tropenwaldregionen analysieren wir mit Partnern vor Ort Landnutzungsformen und ökologische Gegebenheiten. Dadurch demonstrieren wir beispielhaft den Nutzungsdruck für konkrete Flächen. In Staaten mit hohen Urwaldanteilen, wie in Surinam, sind Holzwirtschaft und -industrie der maßgebliche Wirtschaftsfaktor. Verbesserte Bewirtschaftungsmethoden zu entwickeln kann hier helfen, eine höhere Wertschöpfung mit weniger Urwaldnutzung zu erreichen und genutzte Flächen in nachhaltige Bewirtschaftungsformen zu überführen. Dadurch reduziert sich der Druck auf die verbleibenden Urwälder.

Wie stark die Landbevölkerung auf den Wald angewiesen ist, zeigen Studien in Madagaskar und Nepal. In Madagaskar geben 82 % der befragten Bauern an, direkt vom umliegenden Wald abhängig zu sein. Speziell die ärmsten Haushalte beziehen hohe Anteile des Lebensunterhalts aus Brandrodung. Befragungen in Nepal haben gezeigt, dass Kompensationszahlungen in Größenordnungen, die derzeit global diskutiert und umgesetzt werden, nicht ausreichen, um die direkte Abhängigkeit der Bevölkerung von den Wäldern zu lösen. Monetäre Kompensationen allein sind außerdem wenig hilfreich, sofern sich keine Lebensgrundlagen ohne Waldnutzungen bieten. In Ecuador entwickeln wir waldbauliche Verfahren zur Wiederbewaldung degradierter Weideflächen.

Ökonomische Aspekte

Bei unserer Arbeit haben wir die enge Verzahnung von Naturwäldern, Kulturlandschaften und industriellen Flächennutzungen im Blick. In vielen Fällen werden Waldflächen umgewandelt, um beispielsweise Flächen für industrielle Fleischproduktion oder Palmölplantagen zu gewinnen. Ökonomische Berechnungen dieser sogenannten Opportunitätskosten können einerseits zeigen, wo nachhaltige Waldbewirtschaftung eine ökonomisch tragfähige Alternative zu solchen Flächennutzungen ist. Andererseits lässt sich berechnen, wie hoch Kompensationszahlungen sein müssten, um die Walderhaltung auch finanziell attraktiv zu machen. Auf dieser Basis kann eine geplante Flächennutzung Grundlage für den Erhalt der Wälder sein.

Neben der Optimierung verschiedener Bewirtschaftungsformen simulieren wir die Wirkung von finanziellen Anreizen, gesetzlichen Vorschriften und Politikinstrumenten auf Walderhalt  in tropischen Landschaften. Unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen, Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort und unsere Forschungsergebnisse sind die Grundlage für nationale und internationale Politikberatung zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung eines der weltweit komplexesten Ökosysteme.