Laubholz: einfach nur verbrennen?

Kommentar

Von Dr. Johannes Welling, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Thünen-Institut für Holzforschung

Während derzeit praktisch das gesamte Nadelholzangebot für eine stoffliche Verwertung abgesetzt werden kann, wird es beim Laubholz voraussichtlich mittel- bis langfristig einen Überhang geben. Bei hochwertigem Buchen- und Eichenholz kann das Angebot stellenweise knapp werden, doch für gemischte Sorten im unteren und mittleren Durchmesser- und Qualitätssegment gibt es nur eine sehr begrenzte Nachfrage. Bislang landet das Laubholz überwiegend als Brennholz in Blockheizkraftwerken oder Kleinfeuerungsanlagen, d.h. in Öfen und Kaminen – die hohen Energiepreise machen’s möglich.

Nichts gegen die energetische Verwendung von Holz! Aber aus Gründen der Effizienz (und aus klimapolitischen Erwägungen) ist es sinnvoller, Laubholz zunächst stofflich zu verwerten und erst danach – im Sinne einer Kaskadennutzung – am Ende des ‚life cycles‘ zu verbrennen. Doch dazu müssen technische Hemmnisse abgebaut und innovative Verwertungswege entwickelt werden: Laubhölzer weisen naturgegeben eine wesentlich größere Streuung der Eigenschaftswerte auf als Nadelhölzer. So schwankt die Dichte von Laubholz zwischen 0,3 und 0,8 g/cm³, bei Nadelholz dagegen nur zwischen 0,35 und 0,6 g/cm³. Auch innerhalb einer Holzart variieren die Festigkeitseigenschaften von Laubholz wuchsbedingt wesentlich stärker als bei Nadelholz. Für eine hochwertige stoffliche Verwertung können diese Unterschiede in der Eigenschaft entweder durch aufwändige Sortierverfahren reduziert oder nach einer Zerkleinerung in Fasern oder Partikel ausgeglichen werden. Heimische Laubhölzer lassen sich thermisch oder chemisch so modifiziern, dass sie Eigenschaften erhalten wie dauerhafte Tropenhölzer. Mit Hilfe der Bioraffinerie können aus Laubhölzern auch Grundstoffe für die chemische Industrie hergestellt werden.

Diese Erkenntnisse ließen sich aus der Tagung „Stoffliche Nutzung von Laubholz – Herausforderung für eine zukunftsfähige Holzverwendung“ gewinnen, die auf Einladung des Bundeslandwirtschaftsministeriums im September 2012 in Würzburg maßgeblich vom Thünen-Institut für Holzforschung und der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) organisiert wurde. Die Probleme sind benannt – nun kommt es darauf an, Lösungen zu entwickeln.

Laubholz – zum bloßen Verbrennen zu schade (© Michael Welling)