Bauen mit Holz

Hintergrund

Die Verwendung von Holz liegt im Trend. Auch beim Hausbau? Eine Untersuchung des Thünen-Instituts beleuchtet die gegenwärtige Situation, zeigt Probleme in der Baupraxis auf und gibt Anstöße für eine verstärkte Nutzung des umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffes.


Holz als einer der ältesten Baustoffe erlebt in der öffentlichen Wahrnehmung eine Renaissance. Die mit rund 85 Metern Höhe derzeit größten Holz-Hochhäuser der Welt stehen in Österreich (HoHo Wien, 24 Stockwerke) und Norwegen (Mjøsa Tower Brumunddal, 18 Stockwerke). 2019 wurden sie unter lebhaftem Medien-Interesse bezogen.

Auch in Deutschland sind spektakuläre neue Holzbauten zu finden, etwa in Leipzig, Heilbronn oder Hamburg. Doch obwohl Holz als nachhaltiges Baumaterial viele Vorteile hat (klimafreundlicher Werkstoff, ausgleichend auf die Raumfeuchtigkeit, leicht, gute Wärmedämmung), gibt es in der Praxis zahlreiche Hindernisse, die das Bauen mit Holz zur Herausforderung machen – rechtliche Probleme, Informationsdefizite, mangelnde Verfügbarkeit von Fachkräften.

Der WOOD CUBE, ein 5-geschossiges Holz-Wohnhaus, zu sehen auf der Internationalen Bauausstellung IBA in Hamburg (© IBA Hamburg/ Martin Kunze)

2018 lag der Anteil der Neubauten, die überwiegend Holz als Baustoff nutzen, im Bereich der Wohngebäude bei 17,6 % (hauptsächlich Ein- und Zweifamilienhäuser), bei Nichtwohngebäuden bei 20,8 %. Traditionell ist der ländliche Raum stärker durch Holzbau geprägt als der städtische.

Um derzeit bestehende Hemmnisse zu benennen und in einen umfassenden lösungsorientierten Kontext zu bringen, hat das Thünen-Institut analysiert, wie sich die marktlichen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in den letzten fünf Jahren entwickelt haben. Ergänzt wurde die Studie durch Interviews mit Expertinnen und Experten aus Verbänden, Wissenschaft, Verwaltung und Holzbau-Praxis.

Viele kleine und mittlere Unternehmen

Im Jahr 2017 erwirtschafteten die Beschäftigten der Branchengruppe „Holz im Baugewerbe“ bei einem Umsatz von knapp 22 Milliarden Euro eine Bruttowertschöpfung von über 8 Milliarden Euro. Nach Berechnungen des Thünen-Instituts hat die Branchengruppe einen Anteil von 22 % an der Gesamtbeschäftigung im Cluster Forst & Holz – ein beträchtlicher Prozentsatz. Vor allem in ländlichen Räumen kann Bauen mit Holz zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen.

Fachkräfte: Ein Schlüsselfaktor für den Holzbau (© Michael Welling)

Die traditionell gewachsene, oftmals auf lokale/regionale Märkte ausgerichtete Struktur der Holzbaubranche mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen stößt allerdings bei größeren Bauprojekten häufig an ihre Grenzen. In den Befragungen wurden finanzielle Risiken durch höhere Finanzvolumina als kritischer Faktor genannt, ebenso wie erhöhte planerische Anforderungen und die Koordination einer größeren Zahl von Akteuren, auch aus dem Nicht-Holzbaubereich. Abhilfe schaffen könnten standardisierte Bauteile, eine stärkere Integration von Planung und Ausführung, verstärkte Arbeitsteilung oder die Bildung von Kooperationen.

Wissensentstehung und -verbreitung

Auch wenn die wissenschaftliche Holzbau-Community als gut vernetzt gilt, gibt es in der Abstimmung zwischen Wissenschaft und Industrie noch Verbesserungsbedarf, ebenso wie bei der Einbindung von Praxispartnern in Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Um den Transfer von Wissen in die Praxis zu erleichtern, wurde von mehreren Befragten der Wunsch nach einem Web-Portal zur Holzbauforschung geäußert, das einen Überblick geben und Ergebnisse zusammenführen kann.

Die Wissenslage zum Bauen mit Holz hat sich nach Ansicht der interviewten Experten in den letzten Jahren zwar verbessert, es werden aber weiterhin Informationsdefizite gesehen – sowohl bei den privaten und öffentlichen Auftraggebern als auch bei Fachplanern und Bauverwaltungen. Unsicherheiten über Kosten, Brandrisiken und Holzeigenschaften sind weit verbreitet.

Bauordnungsrecht

Das Bauordnungsrecht regelt die Anforderungen an die Sicherheit von Bauwerken. Zwar gibt es eine bundesweite Musterbauordnung, die Gesetzgebungskompetenz liegt aber bei den einzelnen Bundesländern. Dadurch ergeben sich länderspezifische Regeln und ein unterschiedlicher Stand der Umsetzung. Einige Vorschriften, etwa zum Brandschutz, entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik und führen gerade im mehrgeschossigen Bereich zu Wettbewerbsnachteilen für den Holzbau.

Die in den letzten Jahren vorgenommenen Änderungen der Landesbauordnungen und die 2019 beschlossene Anpassung der Musterbauordnung drücken nach Auffassung der Experten zwar deutlich den politischen Willen aus, ungerechtfertigte Benachteiligungen für den Holzbau auszuräumen. Ob dies aber in der Praxis zu Vereinfachungen führt, wurde von den Befragten differenziert beurteilt.

Ergebnisse publiziert

Ob und wie weit der Holzbau weiter prosperiert, hängt natürlich stark von der Nachfrage ab. Bei Wohngebäuden spielt nach Erhebungen des Thünen-Instituts der Preis nur eine nachrangige Rolle bei der Wahl des verwendeten Baumaterials. Andere, oft subjektive Faktoren sind von größerer Bedeutung. Anders bei Nichtwohngebäuden: Hier sind die Preise der Baumaterialien ausschlaggebender. Bei mehrgeschossigen Gebäuden werden die Kosten für Holzbauten tendenziell etwas höher eingeschätzt als für mineralische Bauweisen. Neben der Wirtschaftlichkeit entscheiden bei den Bauherren aber auch andere Aspekte wie die Klima- und Umweltverträglichkeit und die Geschwindigkeit des Bauens über die Art der Konstruktion. Hier wird noch Bedarf für Bildungs- und Informationsarbeit gesehen.

Die Ergebnisse der Analysen und Expertenbefragungen, die im Rahmen der Evaluation der Charta für Holz 2.0 durchgeführt wurden, sind im Thünen Report 78 veröffentlicht worden.