Züchtungsstrategie entwickelt – ein politisches Entscheidungsinstrument

Expertise

Sechs Baumarten rücken künftig in den Fokus der Züchtung (© Thünen-Institut/Michael Welling)

Die Nachfrage nach Holz steigt. Nicht nur der Energiesektor treibt diese Entwicklung, auch für die stofflich-mechanische und die chemische Nutzung wird mehr Holz benötigt. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden ist es notwendig, eine Vorsorgestrategie zu entwickeln. Einen wichtigen Ansatzpunkt bildet dabei die Forstpflanzenzüchtung.

Wichtiges Ziel der Züchtung ist es, Vermehrungsgut bereitzustellen, das anpassungsfähig und leistungsstark genug ist, um den erwarteten Umweltänderungen (z.B. Klimawandel) gerecht zu werden. Forstpflanzenzüchtung in Deutschland kann hier nur sichtbare Erfolge liefern, wenn alle verbliebenen Bundes- und Landeseinrichtungen, die Züchtung betreiben, enger zusammenarbeiten, die Aufgaben untereinander aufteilen und die Finanzierung nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig für einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren gesichert ist. Das wurde unter anderem auf der 3. Tagung zur Waldstrategie 2020 und dem BMEL-Workshop "Forstpflanzenzüchtung" deutlich.  

Strategische Fokussierung auf sechs Baumarten

In Anlehnung an vergleichbare Strategien im Ausland und angesichts der verfügbaren Kapazitäten wird sich die Forstpflanzenzüchtung in Deutschland künftig auf sechs Baumarten bzw. Baumartengruppen (Douglasie, Berg-Ahorn, Fichte, Kiefer; Lärche, Eiche) konzentrieren.

Bei der Auswahl der Baumarten waren verschiedene Aspekte wichtig. Zum einen sollten es Arten sein, die in dem geplanten Zeitraum von 15 Jahren deutliche Fortschritte bei der Züchtung erwarten lassen. Zum anderen sind die zukünftige Ausrichtung des Waldbaus angesichts des Klimawandels zu beachten und die zu erwartende Nachfrage nach Produkten und Leistungen des Waldes einzubeziehen.

Die Intensität der Züchtung wird je nach Art unterschiedlich ausfallen. Die Spanne reicht hier von der Prüfung von Bestandes-Absaaten (z. B. Eiche) über die Anlage von neuen Hochleistungs-Samenplantagen (z. B. Berg-Ahorn) bis hin zu gelenkten Kreuzungen (z. B. Lärche). Der erzielbare Volumenmehrertrag nach 15-jahriger Züchtungsarbeit liegt im Mittel zwischen 10 % und 30 %. Längerfristig ist auch davon auszugehen, dass sich der Wert der Bäume um mindestens 20 % erhöht.


Publikationen:

Strategie zur mittel- und langfristigen Versorgung mit hochwertigem forstlichem Vermehrungsgut durch Züchtung in Deutschland (2013)
Thünen Report 7

Neue Perspektiven der Züchtung für Douglasie und Waldkiefer
AFZ Wald 70(11)

Vermehrungsgut für klima- und standortgerechten Wald
AFZ Wald 70(11)