Transfer von Saat- und Pflanzgut innerhalb Europas – Was wissen wir?

Expertise

Bucheckern (© Thünen-Institut/FG)

Für die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion der Wälder ist es unerlässlich, dass die Bäume eine genetische Vielfalt aufweisen und regional-ökologisch an ihren Standort angepasst sind. Verfrachtet man forstliches Vermehrungsgut in eine andere Umgebung, etwa um dort einen Waldbestand neu zu begründen oder zu ergänzen, besteht das Risiko, dass das Pflanzenmaterial nicht ausreichend an die neuen Bedingungen angepasst ist. Das kann zu hohen Mortalitätsraten und schlechtem Wuchseigenschaften führen, wie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen.  

Ein weiterer Aspekt: Der Genfluss aus diesen schlecht angepassten Beständen in die natürlichen heimischen Populationen kann einen negativen Einfluss auf die Nachkommenschaft dieser Bäume haben. Umgekehrt birgt die Pflanzung von gut angepasstem Pflanzenmaterial auch die Chance, die Populationen mit neuen Genotypen zu bereichern – unter sich ändernden Umweltbedingungen zeigen sie möglicherweise bessere Wuchsleistungen und sind besser überlebensfähig. Im Rahmen eines Arbeitspaketes des EU-Projekts Treebreedex haben der Staatsbetrieb Sachsenforst und das Thünen-Institut für Forstgenetik Erfolge und Misserfolge des Anbaues von nicht lokalem Pflanzenmaterial für Europa ausgewertet. Darüber hinaus wurde die aktuelle Situation zum Transfer von Forstlichem Vermehrungsgut für die Treebreedex-Partnerländer dargestellt.

Noch erheblicher Verbesserungsbedarf  

In europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien, wo Privatwaldbesitz in weiten Teilen in Eigenregie bewirtschaftet wird, sind die Mengen von nicht angepasstem forstlichem Saat- und Pflanzgut, welches zur Bestandesbegründung eingesetzt wird, zum Teil erheblich. Liesebach (1994 und 2002) zeigte für mehrere Baumarten, welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen die Wahl der richtigen Herkunft hat. Dennoch wird häufig ungeeignetes Pflanzenmaterial ausgewählt, teils aus Unkenntnis, teils aus kurzfristigen ökonomischen Gesichtspunkten oder auch aus Desinteresse. Geschieht dies in größerem Umfang, so kann es die Stabilität betreffender Bestände beeinträchtigen und langfristig Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis haben.

Angesicht der Klimaziele der Bundesregierung und die dadurch vermehrte Holznutzung als Energiequelle führt kein Weg an einer effektiven Forstpflanzenzüchtung vorbei. Diese kann nur im Verbund erfolgen und ist auf eine lückenlose Dokumentation des verwendeten Vermehrungsguts angewiesen. Die Baumschulbranche, der Forstsamenhandel und jeder einzelne Waldbesitzer kann hierzu seinen Beitrag leisten, damit wir auch in Zukunft widerstands- und leistungsfähige Wälder haben.