Nutztierhaltung aus Sicht der Gesellschaft

Dossier

Kalb mit Mutterkuh.

Dass die Bevölkerung bestimmte Haltungsbedingungen ablehnt, obwohl sie den Bedürfnissen von Tieren gerecht werden, kommt durchaus vor. Es ist aber wichtig zu wissen, welche konkreten Vorbehalte und Anforderungen die Bevölkerung an eine moderne Tierhaltung hat, um das gesellschaftliche Konfliktpotenzial zu verringern. Lösungsansätze können in einer verbesserten Kommunikation, aber auch in einer Anpassung bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugungsmethoden liegen.


Die moderne Landwirtschaft ist – nicht zuletzt wegen immer wieder auftretender Lebensmittelskandale – ein viel diskutiertes Thema. Insbesondere die Nutztierhaltung wird scharf kritisiert. Ihre Gegner sprechen auch von „Massentierhaltung“.

Worin ist die Kritik begründet? Wie nehmen Bürger die heutige Tierhaltung wahr, und was erwarten sie von ihr? Welche Haltungsbedingungen sind ihrer Ansicht nach besonders tiergerecht? Und welche Prioritäten setzen die Bürger in ihrer Beurteilung? 

Das Thünen-Institut untersucht die gesellschaftlichen Vorstellungen und Erwartungen in ihrer Vielfalt und Tiefe, um die bestehende Kritik und ihre Entwicklung differenziert zu durchdringen und ggf. landwirtschaftliche Produktionsweisen entsprechend weiterzuentwickeln. Nur so lässt sich eine gesellschaftlich akzeptierte Form der Nutztierhaltung erreichen.

Aktuelle Studienergebnisse zeigen beispielsweise, dass wenig Platz für das einzelne Tier ein Hauptkritikpunkt an den Haltungsbedingungen von Mastschweinen ist. Die wichtigsten Anliegen der Befragten bei der Schweinehaltung sind folglich mehr Platz und Bewegung, Beschäftigungsmaterial für die Schweine, Auslauf ins Freie und der Verzicht darauf, Antibiotika prophylaktisch zu verabreichen. Viele Befragte führten Verhaltensstörungen von Tieren und einen hohen Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung auf  Platzmangel zurück. 

Die Teilnehmer der Befragung wurden anhand ihrer geäußerten Meinung in drei Gruppen eingeteilt:

  • Die Gegner der modernen Schweinhaltung sind häufiger weiblich und verfügen über ein mittleres bis gutes Wissen die Landwirtschaft betreffend. Sie sehen die Hauptverantwortung für eine tiergerechte Haltung primär beim Verbraucher (zu starke Preisorientierung und zu hoher Konsum) und beim Staat (zu wenig Vorschriften und mangelhafte Kontrolle), während sie den Landwirt oder die verarbeitenden Betriebe seltener in der Pflicht sehen.
  • Anders die Gruppe der Moderaten, deren Mitglieder häufig männlich sind und nur über ein geringes Wissen zum Thema verfügen: Sie sehen die Hauptverantwortung primär beim Landwirt oder den verarbeitenden Betrieben (zu starke Gewinnorientierung).
  • Die Gruppe der Tolerierenden – häufig männlich und eher unwissend – macht primär die Landwirte für die Fehlentwicklungen in der Nutztierhaltung verantwortlich, weniger Verbraucher, Staat und verarbeitende Betriebe.

Ausführliche Ergebnisse finden sich in:
Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft. Gutachten im Auftrag der Stiftung für Westfälische Landschaft in Münster (2013)
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