Ökologische Hühnerhaltung

Hintergrund

In der ökologischen Hühnerhaltung werden Eier und Hühnerfleisch produziert. Diese beiden Produktionszweige sind voneinander unabhängig und daher meist getrennt anzutreffen. Daneben existieren aber auch Betriebe, die z.B. eigene Junghennen aufziehen oder zusätzlich zur Eierproduktion auch mästen.


Kleinere Eier-Produzenten (3 bis 10.000 Hennenplätze) vermarkten meist in den lokalen Naturkosthandel, über Abo-Kisten oder direkt, während große Betriebe (10.000 bis 30.000 Hennenplätze) wie ihre konventionellen Kollegen überwiegend an den Großhandel oder Lebensmitteleinzelhändler verkaufen.

Rassen

Die EU-Öko-Verordnung 889/2008 verlangt den Einsatz von Tieren, die an ihre Haltungsumwelt angepasst sind, und empfiehlt, einheimischen Rassen oder Linien den Vorzug zu geben (Europäische Kommission 2008, Art. 8). Allerdings hat die Hühnerzucht des 20. und 21. Jahrhunderts einen intensiven Konzentrationsprozess durchlaufen, als dessen Resultat heute wenige global agierende Zuchtunternehmen den Markt beherrschen.

Die Züchtung ist überwiegend auf konventionelle Haltungssysteme ausgerichtet, da der Marktanteil der Öko-Hühnerhaltung auch in Deutschland vergleichsweise klein ist. Daher werden auch auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben fast ausschließlich kommerzielle Hybridherkünfte gehalten.

Tierbesatz

Die ökologische Tierhaltung erfolgt flächengebunden. Das bedeutet, dass die Anzahl an Tieren je Hektar (ha) derart begrenzt ist, dass durch die Tierhaltung nicht mehr als 170 kg Stickstoff je ha und Jahr anfallen. Für Hühner bedeutet dies eine Obergrenze von 230 Legehennen oder 580 Masthühner je ha.

Auf Ebene der deutschen Bio-Produktionsverbände sind diese Obergrenzen sogar noch niedriger angesetzt. So erlaubt etwa Bioland nur 140 Legehennen oder 280 Masthühner je ha, um zusätzlich zur Begrenzung des Stickstoffeintrags auch noch die Versorgung der Tiere mit betriebseigenem Futter zu fördern.

Haltung

Grundsätzlich kann sowohl für Legehennen als auch für Masthühner zwischen zwei Haltungssystemen unterschieden werden: dem Feststall mit angeschlossenem Wintergarten und Grünauslauf, und dem Mobilstall mit Grünauslauf und optionalem Wintergarten. Weil ein Mobilstall immer wieder versetzt wird, eignet sich dieses Haltungssystem für kleine und mittlere Bestände (200 bis 2000 Legehennen), während im Feststall auch größere Herden bis zur erlaubten Obergrenze von 3000 Hennen bzw. 4800 Masthühner je Stall untergebracht werden können.

Bei der Inneneinrichtung der Ställe, egal ob fest oder mobil, unterscheidet man in der Legehennenhaltung zwischen Boden- und Volierenhaltung, während Masthühner praktisch ausschließlich in Bodenhaltung gemästet werden. In der Bodenhaltung bewegen sich die Tiere auf einer Ebene, die entsprechend eingestreut ist. Eine Voliere hingegen ist eine Konstruktion aus mehreren Ebenen, wobei auf allen Ebenen Wasser, Futter und Sitzstangen angeboten werden. In der Voliere selbst gibt es keine Einstreu, den Hennen steht zusätzlich aber ein eingestreuter Scharbereich zur Verfügung.

Der Zugang zu Grünauslauf ist für alle Hühner vorgeschrieben, und darf nur in Ausnahmefällen, z.B. bei extremen Wetterbedingungen oder auf Anordnung des Tierarztes, entfallen. Die nachfolgende Tabelle zeigt das vorgeschriebene Platzangebot:

Stallfläche
(Tiere je m²)
Sitzstange
(cm je Tier)
Auslauf
(Tiere je m²)
FeststallMobilstallFeststallMobilstall
Legehenne661844
Masthuhn1016-42,5

Fütterung

Die Fütterung von Öko-Hühnern soll mit ökologischem Futter erfolgen, welches soweit wie möglich vom eigenen Betrieb stammt. Neben der Deckung des Nährstoffbedarfs sind in der Fütterung immer auch die Bedürfnisse der Tiere hinsichtlich ihres Verhaltens zu beobachten, dies betrifft für Hühner insbesondere deren hohe Motivation zur Suche nach Futter mittels Scharren und Picken. Für Legehennen ist daher vorgeschrieben, dass 10 % der täglichen Futtergabe als ganze Körner in die Einstreu gestreut werden. Dadurch werden die Hennen zur Futtersuche motiviert und können ihr angeborenes Verhalten ausleben. Die Futtermischung von Masthühnern wiederum muss zu zwei Drittel aus Getreide, Eiweißpflanzen und Ölsaaten bestehen.

Auch das Angebot von Raufutter an Hühner ist vorgeschrieben, obwohl diese für Hühner nur eine geringe Verdaulichkeit aufweisen und daher nur begrenzt zur Nährstoffversorgung beitragen. Allerdings bieten Komponenten wie Weidegras, Silage oder Heu interessante Beschäftigung für die Tiere und beugen dadurch Verhaltensstörungen vor, unterstützen die Verdauung (Säure aus Silage) oder tragen zur Versorgung mit Vitaminen bei. Daher sind auch diese auf den ersten Blick wenig nährstoffarmen Futtermittel wertvoller Bestandteil einer tiergerechten Ernährung.

Die Versorgung von Hühnern mit Energie aus Getreide ist zumeist einfach aus dem betriebseigenen Anbau zu gewährleisten. Allerdings besteht eine besondere Herausforderung in der Versorgung von Hühnern mit essentiellen Aminosäuren, welche als Eiweißbestandteile unverzichtbarer Baustein der Körnersubstanz und der Produkte Hühnerfleisch und Ei sind. Die erstlimitierende, also die Leistung begrenzende Aminosäure für Hühner ist das Methionin, welches unglücklicherweise nicht in ausreichendem Maße in heimischen, eiweißreichen Körnerleguminosen wie Erbsen oder Ackerbohnen vorliegt.

Deshalb müssen Futterkomponenten zumeist zugekauft werden. Beispiele sind Presskuchen aus der Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl-Erzeugung, Klebereiweiß aus der Getreideverarbeitung und Bierhefe. Da die flächendeckende Versorgung mit diesen hochwertigen Futtermitteln aus Ökoproduktion leider noch nicht zu 100 % möglich ist, besteht eine bis zu, 31.12.2018 befristete Ausnahmeregelung, die den Einsatz von 5 % eiweißreichen Futtermitteln nicht-ökologischer Herkunft in der Hühnerfütterung erlaubt. Zumeist handelt es sich dabei um Maiskleber oder Bierhefe.

Krankheiten behandeln

Wie für alle ökologisch gehaltenen Tier unterliegt der Einsatz von Arzneimitteln, insbesondere Antibiotika, bei Hühnern strengen Regelungen. Nach dem Vorsorgeprinzip durchlaufen insbesondere Legehennen während ihrer Aufzucht dasselbe umfangreiche Impfprogrammwie ihre konventionell gehaltenen Artgenossinnen, um Krankheiten während der Legeperiode so gut wie möglich vorzubeugen.

Auch Masthühner werden gegen einzelne Krankheiten geimpft. Im Falle einer Erkrankung erfolgt die Behandlung von Hühnern üblicherweise auf Herdenbasis. Dabei wird so weit wie möglich auf Mittel zurückgegriffen, die über das Trinkwasser oder über die Luft als Spray verabreicht werden können.

Tierwohl

Gesundheit, also die Freiheit von Krankheit, und der Zugang zu Wasser, Futter und Schutz bilden die Basis für hohes Tierwohl. Darüber hinaus beinhaltet eine Tierwohl-orientierte Haltung auch das Bemühen, Tieren das Ausleben ihres Normalverhaltens zu ermöglichen, also Bewegung, Sozial- und Erkundungsverhalten.

Die weiter oben beschriebenen Vorschriften für die ökologische Hühnerhaltung dienen diesem Ziel. Sie umfassen eine sowohl im Stall als auch im Grünauslauf anregende Haltungsumwelt, die Raum für Bewegung und Interaktion mit Artgenossen, wechselnde Umweltreize und Substrate zur Erkundung bietet.

Zu guter letzt beinhaltet ein guter Tierwohlstatus auch das Erleben positiver Emotionen und die Vermeidung von Schmerzen und Leiden. Daher ist das Schnabelkupieren in der ökologischen Hühnerhaltung verboten.

Aktuelle Problemfelder

Die Folgen der hochspezialisierten Hühnerzucht für die männlichen Küken von Legelinien werden zunehmend kritisiert: Männliche Küken können naturgemäß keine Eier legen, eignen sich durch die Spezialisierung ihrer Herkunft auf hohe Legeleistung aber auch nicht für die Mast. Daher wurden bis vor kurzem fast alle männlichen Eintagsküken von Legelinien getötet.

Das Problem lösen könnte einerseits die Geschlechtsbestimmung im Ei, die es ermöglichen soll, nur weibliche Küken auszubrüten. Allerdings hat diese Methode noch keine Praxisreife erlangt.

Eine weitere Lösung liegt in der Bruderhahnmast, in der die Brüder von spezialisierten Legehennen gemästet werden. Diese ethisch gute Lösung, die bereits eine eigene, kleine Marktnische bildet, nimmt allerdings in Kauf, dass die Effizienz der Bruderhähne geringer ist als die spezialisierter Masthühner. Das bedeutet, dass mehr Futter für dieselbe Menge Hühnerfleisch benötigt wird.

Eine dritte Lösung schließlich ist der Einsatz von sogenannten Zweinutzungshühnern, bei denen sich beide Geschlechter für die Mast eignen, die Hennen darüber hinaus aber auch eine akzeptable Menge Eier legen.

Aufgrund der genetischen Unvereinbarkeit von Mast- und Legeleistung ist es nicht möglich, dass eine einzelne Herkunft in beiden Bereichen eine hohe Effizienz erreicht. Darin liegt auch der Grund, warum die sehr erfolgreiche Hühnerzucht der letzten 50 Jahre sich stark auf Lege- oder Mastleistung konzentriert hat, und warum moderne Hühnerherkünfte mit deutlich geringerem Futteraufwand Eier und Fleisch produzieren als ihre Vorfahren. Züchtungsinitiativen im Bereich der Zweinutzungshühner laufen bereits, und auch am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau wird aktuell ein Projekt zum Thema durchgeführt.