Konventionelle Rindermast

Hintergrund

In Deutschland steht die Rindfleischproduktion in engem Zusammenhang mit der Milchproduktion. Dies ist in anderen europäischen Ländern weniger der Fall (z.B. Frankreich, Irland). Die meisten deutschen Betriebe mästen Jungbullen auf der Basis von Silage und Kraftfutter.


Die meisten Jungbullen in Deutschland werden in milchviehhaltenden Betrieben geboren und gehören zu spezialisierten Milchrassen (Schwarzbunte, Rotbunte, Holstein-Friesian) oder zu den milchbetonten Zweinutzungsrassen Fleckvieh und Braunvieh. Die wichtigsten Mastverfahren in der Bullenmast unterscheiden sich vor allem durch die Rasse der Tiere, das Alter der Tiere bei Mastbeginn und die Mastdauer.

Die Rasse der Tiere und das Management beeinflussen die in der Bullenmast erreichten täglichen Zunahmen. Fütterung und Haltungsverfahren sind in den intensiven Verfahren der Rindermast weitestgehend standardisiert. In der Regel erfolgt die Haltung in Gruppenbuchten mit sechs bis acht Tieren auf Vollspaltenboden aus Beton.  Es gibt aber auch zunehmend Haltungen mit sogenannten Tretmistställen, in denen eine mit Stroh eingestreute Liegefläche mit einer planbefestigten Fressfläche kombiniert wird. Jungtiere werden unabhängig vom Stallsystem in der Mast bis zum Absetzen von der Milch auf Stroh oder auf weichen Liegeflächen gehalten.

Mast ab
Kalb
Mast ab
Starter
Mast ab FresserMast ab
Absetzer
RassenSchwarz-/
Rotbunte,
Holstein-Friesian

Fleckvieh,
Braunvieh

Fleckvieh,
Braunvieh
Charolais,
Limousin, andere
Fleischrassen
und ihre Kreuzungen
Alter (Tage)
Mastbeginn
14 30–60 120–180 180–300
Gewicht (kg)
Mastbeginn
45 60–100 160–200 250–380
FutterMilchaustauscher, Silage,
Rindermastfutter, evt.
Stroh und Nebenprodukte
Silage, Rindermastfutter, evt.
Stroh und Nebenprodukte
Alter (Tage)
Mastende
550–640520–580 520–580 490–580
Gewicht (kg)
Mastende
680–720 680–750 680–750 630–750
Zunahmen (g/Tag)1000–1100 1200–1300 1200–1300 1200–1400

Die in der Tabelle dargestellten Zahlen sind als Durchschnittswerte über die Betriebe und Mastbullengruppen zu interpretieren. Einzelne Betriebe können mehr oder weniger große Abweichungen von diesen Zahlen aufweisen.

Mast ab Kalb

Für männliche Kälber der Rassen Schwarz- bzw. Rotbunt und Holstein-Friesian beginnt im Alter von 14 Tagen und bei einem Lebendgewicht von ca. 45 kg die Bullenmast. Sie erhalten zunächst Milchaustauscher und Rauhfutter (Silage, Heu). Nach dem Absetzen von der Milch erhalten sie die normale Futterration für Mastbullen, die überwiegend aus Silage und Kraftfutter besteht. Während die Kälber, die noch Milch trinken, in Gruppen auf Stroh oder in Gruppenbuchten mit einem weichen Liegebereich gehalten werden, leben die Mastbullen meist in Gruppenbuchten auf Vollspaltenboden aus Beton. 

Mast ab Starter bzw. Fresser

Fleckvieh- und Braunviehkälber kommen entweder als sogenannte Starter im Alter von 4 bis 8 Wochen in die Bullenmast oder als sogenannte Fresser im Alter von 4 bis 6 Monaten. Bei der Mast ab Starter erhalten die Jungtiere zunächst noch Milch und werden schrittweise an die Futterration für Jungbullen herangeführt. Die Fresser erhalten direkt die Futterration der Jungbullen, daher ist der Arbeitszeitbedarf geringer.

Fleckvieh- und Braunviehbullen erreichen ein Mastendgewicht von 680 bis 750 Kilogramm Lebendgewicht bei täglichen Zunahmen von 1200 bis über 1300 Gramm pro Tag. Die Braunviehbullen haben niedrigere Mastendgewichte und geringere tägliche Zunahmen als die Fleckviehbullen.

Mast ab Absetzer

Bei der Mast der sogenannten Absetzer werden die männlichen Tiere im Alter von 6 bis 9 Monaten aus Mutterkuhbetrieben gekauft. Bis zum Verlassen des Mutterkuhbetriebes werden die Tiere gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Weide gehalten, ihre Nahrung besteht aus Muttermilch und Gras. Im Bullenmastbetrieb müssen sie sich zunächst auf die Futterration aus Silage und Kraftfutter und an die Haltung auf Spaltenboden umstellen.

Jungbullen aus der Mutterkuhhaltung werden im Alter von ungefähr 16 bis 19 Monaten und einem Lebendgewicht von 630 bis 750 kg geschlachtet. Das Mastendgewicht wird von der Mastintensität und von der Rinderrasse bestimmt. Mittel- bis großrahmige Fleischrassen, z.B. Charolais oder Limousin, können höhere tägliche Zunahmen als Fleckviehbullen erreichen.

Regionale Verteilung der Mastbullen 2010. (© Thünen-Institut/Statistisches Bundesamt)

Ähnlich wie in der Schweinemast liegen die regionalen Schwerpunkte der Mastrinderhaltung – gemessen an den Großvieheinheiten (GV) je Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) – im westlichen Niedersachsen und nördlichen Nordrhein-Westfalen. Außerdem spielt die Rindermast in Schleswig-Holstein und in einigen Regionen Bayerns eine bedeutende Rolle. In den neuen Bundesländern spielt die Bullenmast nur punktuell eine Rolle.