Konventionelle Milchviehhaltung

Hintergrund

Die Milchproduktion ist der wichtigste tierische Produktionszweig in der deutschen Landwirtschaft. Im Jahr 2016 haben 4,3 Millionen Milchkühe über 32 Millionen Tonnen Milch gegeben.


Fast jeder vierte Betrieb hält Milchkühe. Die Spannweite reicht von weniger als zehn bis mehr als 1.000 Kühe pro Betrieb. Fast zwei Drittel der Milchviehbetriebe haben in der Landwirtschaftszählung 2010 angegeben, dass sie einen Anbindestall besitzen. Die meisten Milchkühe (72 Prozent) werden allerdings in Laufställen gehalten. Der Anteil der Milchkühe mit Weidegang liegt bei über 40 Prozent in Deutschland.

Typischer Produktionsablauf in der konventionellen Milchviehhaltung

  • 1. Tag: Um überhaupt Milch geben zu können, müssen die Kühe zunächst ein Kalb bekommen. Zum Abkalben werden die Kühe in der Regel in einer gesonderten Abkalbebucht gehalten.
  • Bis zur 8. Woche dürfen Kälber allein gehalten werden. Kälber werden überwiegend in Kälberboxen oder Kälberiglus mit Auslauf gehalten. Kuhkälber verbleiben häufig als eigene Nachzucht im Betrieb. Die männlichen Kälber werden meistens nach zwei Wochen verkauft und gehen in die Mast.
  • Spätestens ab der 8. Woche muss das Kalb in einer Gruppe mit anderen Jungtieren gehalten werden (TierSchNutzV 9). Übliche Haltungsformen sind Tiefstreuställe (Ein- oder Zweiflächenbucht) sowie Liegeboxenlaufställe. Für die älteren Jungtiere ist auch Weidehaltung in den Sommermonaten gängig.
  • Ab einem Alter von 15 Monaten wird das Jungvieh besamt, häufig künstlich. Das Abkalben erfolgt im Schnitt 285 Tage später. Ziel vieler Landwirte ist es, ein Erstkalbealter von 24 Monaten zu erreichen.
  • Nach dem Abkalben wird die Kuh, die nun zum ersten Mal Milch gibt, in die Milchviehherde eingegliedert und täglich zwei- bis dreimal gemolken. Circa 60 Tage nach dem Abkalben wird die Kuh erneut besamt.
  • 6 bis 8 Wochen vor dem erneuten Abkalben wird die tragende Kuh „trockengestellt“, d. h. sie wird nicht mehr gemolken, und in einer Gruppe, separat von den laktierenden Kühen, gehalten. Im Sommer stellen viele Betriebe die sogenannten Trockensteher auf die Weide.

Regionale Verteilung

Regionale Verteilung der Milchkühe 2016 und Grünlandanteil 2010. (© Thünen-Institut/Statistisches Bundesamt)

Fast die Hälfte aller Milchkühe Deutschlands wird in Bayern und Niedersachsen gehalten. Weil Milchkühe als Wiederkäuer Gras verwerten können, ist es besonders vorteilhaft, Milch auf Grünland zu produzieren. Die Milchviehhaltung konzentriert sich daher überwiegend auf Standorte mit einem hohen Grünlandanteil.

Bestandsgrößen

Durchschnittliche Bestandsgrößen in den Bundesländern 2016. (© Statistisches Bundesamt)

Der Strukturwandel hält in Deutschland an: In fast allen Bundesländern ist die durchschnittliche Bestandsgröße in den letzten zehn Jahren gestiegen. Besonders große Herden stehen in den „neuen“ Bundesländern. Während dort – historisch bedingt – die durchschnittliche Bestandsgröße bei 188 Kühen liegt, werden in den „alten“ Bundesländern durchschnittlich 54 Milchkühe pro Betrieb gehalten. Im bundesweiten Vergleich gibt es in Bayern mit durchschnittlich 37 Kühen pro Betrieb die kleinsten Milchviehbetriebe.