Nutztierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland

Dossier

Wie viel Tonnen Fleisch werden in Deutschland produziert? Wie viel davon wird exportiert? Diese und andere Fragen zur Tierhaltung und Fleischproduktion in Deutschland beantworten wir mit einer Zusammenschau aktueller Daten.


Der Fleischverbrauch hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als 7 Millionen Tonnen gelegen. 2018 ist der Verbrauch nach einem Rückgang in 2017 wieder leicht gestiegen. Die Fleischproduktion dagegen hat sich seit der BSE-Krise in Jahr 2001 – gemessen an der Schlachtmenge – fast jedes Jahr erhöht und lag im Jahr 2016 bei knapp 9 Millionen Tonnen. Seitdem ist ein Rückgang auf rund 8,7 Millionen Tonnen im Jahr 2018 zu verzeichnen.

Schweinefleisch ist in Deutschland nach wie vor die wichtigste Fleischart. Von 1998 bis 2018 ist der Pro-Kopf-Verbrauch allerdings von 56,5 auf 49,5 Kilogramm gesunken. Demgegenüber ist die Schlachtmenge in den letzten 20 Jahren von rund 3,8 Millionen auf rund 5,6 Millionen Tonnen im Jahr 2016 stetig angestiegen. Seitdem ist ein Produktionsrückgang auf nunmehr knapp 5,3 Millionen Tonnen festzustellen. Deutschland bleibt aber Nettoexporteur und behält seine Position als weltweit größter Exporteur von Schweinefleisch.

Eine besonders rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch ist beim Geflügelfleisch zu beobachten. Im Gegensatz zum Schweinefleisch haben sich sowohl Produktion als auch Verbrauch nach oben entwickelt. Die Schlachtmenge bei Geflügel ist von 719.000 Tonnen im Jahr 1998 auf gut 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2018 gestiegen und hat damit in ihrer Bedeutung die Rindfleischproduktion überholt. 2018 haben die Deutschen 1,8 Millionen Tonnen Geflügelfleisch verbraucht, dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 22 kg je Einwohner.

Schlachtmenge versus Fleischverbrauch 1998, 2008, 2018 in tausend Tonnen. (© Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut, BLE)
Ausfuhr von Fleisch aus Deutschland nach Fleischarten in tausend Tonnen. (© Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut, BLE)

Die Schlachtmenge von Rindfleisch ist von knapp 1,4 Millionen Tonnen im Jahr 1998 auf rund 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2018 zurückgegangen. Der Rindfleischverbrauch reduzierte sich – im Wesentlichen bedingt durch die Verbraucherverunsicherung im Zusammenhang mit BSE und der Maul- und Klauenseuche – zunächst auf unter eine Million Tonnen im Jahr 2006 und verzeichnete seitdem einen Wiederanstieg auf 1,2 Millionen Tonnen in 2017. Der Pro-Kopf Verbrauch liegt bei rund 14,1 kg Rind- und Kalbfleisch in 2018.

Die Produktion und der Verbrauch von Schaf- und Ziegenfleisch haben in Deutschland im Vergleich zu den anderen Fleischarten eine deutlich geringere Bedeutung. Einer Schlachtmenge von 35.000 Tonnen steht (nach offizieller Statistik) ein (weiter sinkender) Verbrauch von 80.000 Tonnen an Schaf- und Ziegenfleisch gegenüber. Der Pro-Kopf Verbrauch liegt bei lediglich knapp einem kg je Jahr.

Tierbestände und ihre Entwicklung

Tierbestände und ihre Entwicklung, 2001 - 2019

Zuletzt lagen die Tierbestände für alle Tierarten für das Jahr 2016 vor. In diesem Jahr lag die Anzahl der Nutztiere in Deutschland bei ca. 190 Millionen Tieren. Die Zahlen für Geflügel liegen nur alle drei Jahre vor, das letzte Jahr war 2016. Bei anderen Tierarten liegen die Zahlen bereits für die Maizählung 2019 vor.

Das Geflügel hat zahlenmäßig den höchsten Anteil. 2016 wurden in Deutschland insgesamt 149 Millionen Tiere gehalten; davon waren 109 Millionen Mastgeflügel inklusive Truthühner, Enten und Gänse.

Zahlenmäßig von hoher Bedeutung in Deutschland ist auch die Schweinehaltung. In Der Maizählung 2018 fiel die Zahl der Schweine erstmals seit 2004 wieder unter die Zahl von 26 Millionen Tieren. Davon sind knapp zwei Drittel Mast- und Jungschweine.

Auch der Rinderbestand hat sich weiter reduziert auf 11,8 Millionen Rinder im Mai 2019. Mit knapp 4,1 Millionen Milchkühen liegt der Bestand erstmals wieder auf einem vergleichbar niedrigen Niveau wie zur Zeit der BSE-Krise in 2006. Die Schafhaltung spielt mit 1,6 Millionen gehaltenen Tieren nur eine untergeordnete Rolle.

Betriebsstrukturen

Gut die Hälfte aller Rinderhaltungen in Deutschland zählt weniger als 50 Tiere. Demgegenüber steht die Hälfte aller Rinder in Deutschland in Beständen von mehr als 200 Tieren. Dies entspricht rund 11 Prozent der Betriebe. Bei der Betriebsstruktur in der Rinderhaltung ist zu berücksichtigen, dass hier alle Nutzungsrichtungen (Milchkühe, Mutterkühe, Mastrinder) einfließen.

Ähnlich wie bei den Rindern sind auch die Betriebsstrukturen für Schweine ausgeprägt: Fast die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Schweine steht in Beständen mit mehr als 2.000 Tieren. Wie bei den Rindern ist die Betriebsstruktur der Schweinehaltung nicht in allen Produktionsrichtungen gleich. So sind die Betriebe in der Schweinemast vergleichsweise größer als in der Sauenhaltung.

Noch deutlicher wird der Trend zu großen Beständen beim Geflügel: Einerseits halten die meisten Betriebe in Deutschland nicht mehr als 100 Jungmasthühner. Andererseits werden 79 Prozent der Jungmasthühner in Beständen mit mehr als 50.000 Tieren gehalten.

Regionale Verteilung

Regionale Viehdichte 2016. (© Thünen-Institut/Statistisches Bundesamt)

Bei den vorliegenden Daten handelt es sich um vorläufige Werte, die nicht veröffentlicht und vorbehaltlich sind. Abweichungen zu den endgültigen Daten sind möglich. Aufgrund von Gebietsstandsänderungen im Zuge der Kreisreform in Mecklenburg-Vorpommern wurden die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald zur Fortführung der Zeitreihe temporär zusammengefasst.

Gemessen an den Großvieheinheiten (GV) je Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) liegt das Zentrum der Veredlungswirtschaft (Schweine- und Geflügelhaltung) im Nordwesten Deutschlands. Ein weiterer – kleinerer – Schwerpunkt liegt im südlichen Bayern, der im Wesentlichen auf die Milchviehhaltung zurückgeht.

Die regionalen Schwerpunkte für die Rinderhaltung befinden sich vor allem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und in Bayern. Milchkühe stehen vor allem in Landkreisen mit hohem Grünlandanteil.