Die Situation in der Geflügelhaltung

Hintergrund

Die Haltung von Geflügel hat in den letzten Jahren  stark zugenommen. Geflügelfleisch ist preiswert, fettarm, gesund und sein Verzehr ist durch keinerlei religiöse Tabus eingeschränkt. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch stieg von 12,4 kg (1989/1990) auf 18,5 kg (2011/2012). Allerdings führt der Anstieg der Geflügelhaltung in Deutschland auch zu Umweltbelastungen durch die Emission von Geruch, Ammoniak, Staub und Bioaerosolen (Bild 1).

Bild 1: Durch die Größe der Ställe und den hohen Tierbesatz entsteht viel Abluft mit unerwünschten Emissionen. (© aid infodienst/Peter Meyer)

Vor diesem Hintergrund entwickeln wir Verfahren zur Reinigung von Abluft aus Geflügelställen. Das Hauptproblem hierbei sind die großen Volumenströme, die zur Aufrechterhaltung eines tiergerechten Stallklimas erforderlich sind und gereinigt werden müssen. Bei einem typischen Masthähnchenstall mit 40.000 Tieren können im Sommer bei ausgewachsenen Tieren Volumenströme von 240.000 m³ pro Stunde anfallen. Diese großen Volumenströme führen zu sehr kurzen Verweilzeiten in der Abluftreinigungsanlage. Erschwerend kommt hinzu, dass viele typische Geruchsstoffe in der Abluft von Geflügelhaltungen schlecht wasserlöslich sind und somit kaum ausgewaschen werden können. Stäube tragen zur Verstopfung von Abluftwäschern bei.

Bild 2: Versuchsanlage zur Reinigung von Abluft aus der Geflügelhaltung (© Thünen-Institut/AT)

Ziel der Arbeiten mit verschiedenen Versuchsanlagen (Bild 2) unter Praxisbedingungen ist es daher, eine effektive Staubvorabscheidung und einen verbesserten Geruchsstoffabbau zu wirtschaftlichen vertretbaren Kosten zu entwickeln. Die Vorentstaubung besteht aus einem Filtervlies, auf dem grobe Staubpartikel abgeschieden werden. Hierdurch steigt der Druckverlust an. Dieser wird überwacht und bei Überschreitung eines zuvor festgelegten Sollwertes erfolgt die automatisch arbeitende Vlies-Regeneration, bei der das Vlies abgesaugt und der Staub in handhabbarer Form abgeschieden wird. Der besondere Vorteil der Vorentstaubung: Die nachgeordneten Verfahrensstufen werden geschützt, sodass sie nicht verstopfen und dadurch ihre Funktion verlieren.   

Bild 3 zeigt, dass Partikel mit einem Durchmesser von mehr als 1,3 µm mit einem Wirkungsgrad von mehr als 70 % abgeschieden werden. Analog zur Partikelgröße steigt auch der Abscheidegrad. 

Bild 3: Abscheidung von Partikeln in Abhängigkeit der Partikelgrößenklasse bei der Reinigung von Abluft aus der Geflügelhaltung (© Thünen-Institut/Jochen Hahne)

Während in der Schweinehaltung bereits mehr als 1.000 Abluftreinigungsanlagen errichtet wurden, gibt es für die Geflügelhaltung erst 179 Anlagen (Stand: Dez. 2013).