Welche Produktionssysteme rechnen sich?

Hintergrund

Fischteich mit Haus.
Ökologische Aquakultur bedient einen Nischenmarkt und ist mit hohem Aufwand verbunden. Gerade kleine Betriebe sind deshalb auf die Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse angewiesen.
(© Tobias Lasner)

Bei Fisch ist Deutschland Importmeister. Nur jeder zehnte Fisch im Supermarkt wird von deutschen Fangschiffen angelandet oder in einer heimischen Teichwirtschaft erzeugt. Lohnt sich die Erzeugung von Fisch in Deutschland etwa nicht?


Die Thünen-Institute für Fischereiökologie und Seefischerei untersuchen gemeinsam die Wirtschaftlichkeit von Aquakulturen und Fischereien weltweit. Dabei interessieren sich unsere Forscher vor allem für Standortfaktoren, die Zusammensetzung der Kosten und Erlöse vor Ort und in unterschiedlichen Produktionssystemen.

Beispiel Forelle. Sie ist einer der beliebtesten Süßwasserfische der Deutschen. Neben einer kleinen heimischen Produktion stammen Forellen in deutschen Supermärkten vor allem aus dem Ausland. Dänemark und die Türkei sind wichtige Zulieferer. Je nach Region kombinieren Fischwirte ihre Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden höchst unterschiedlich; immer an die örtlichen Bedingungen angepasst. Eine Vielzahl von Aquakulturanlagen steht den Fischwirten dabei zur Verfügung. Forellen werden in Teichen, Netzgehegen, Fließkanälen, Teil- oder Vollkreislaufanlagen gemästet.

In allen Anlagentypen ist das Futtermanagement entscheidend. Je nach Anlage können die Futterkosten bis zu 70 Prozent des Aufwandes ausmachen. So zum Beispiel in einem typischen Fließkanalsystem in Muğla, der Forellenregion schlechthin in der Türkei. Von Natur aus optimale Wassertemperaturen und -ressourcen begünstigen hier eine effiziente Mast. Hinzu verschaffen niedrige Löhne und Investitionskosten türkischen Farmern klare Kostenvorteile. Die Profitabilität ist trotz niedriger Erlöse pro kg Forelle gut.

Wer da in Länder mit sehr hohen Löhnen wie Dänemark mithalten will, kann eigentlich nur zwei Wege gehen: Automatisierung oder Spezialisierung. Tatsächlich sind die größeren Kreislaufanlagen und ökologische Teichwirtschaften in Dänemark profitabler als traditionelle  Forellenzuchten. Bei ersteren werden Lohnkosten eingespart und das Futtermanagement optimiert. Bei den Öko-Fischzuchten gelingt es, höhere Erlöse für die Bio-Forelle zu erzielen.

In Deutschland gibt es kaum größere Betriebe. Weniger als 60 Forellenfarmen produzieren mehr als 100 t pro Jahr. Die meisten davon liegen in Baden-Württemberg. Die wenigen, die es gibt, sind aber höchst profitabel und stehen im Vergleich auch langfristig wirtschaftlich gut da. International konkurrenzfähig zu sein, ist also auch für die deutsche Forellenzucht möglich. Die Gründe für die schleppende Entwicklung der heimischen Aquakultur müssen woanders liegen. Fischwirte und Forellenexperten sehen vor allem in der Bürokratie und überhöhten Umweltauflagen Barrieren des Wachstums.

Egal, wo die Forelle letztlich herkommt, ihr Erntefaktor (Energieeffizienz) ist in jedem Fall besser als die der meisten Viehhaltungen an Land. Auch das zeigt unsere Forschung.

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