Was die Bioökonomie leisten kann

Expertise

Die Einschätzungen über die Potenziale der biobasierten Wirtschaft gehen weit auseinander. Manche sehen diesen Sektor als kleine Nische an und verweisen auf den geringen Anteil, den Land- und Forstwirtschaft am Bruttosozialprodukt haben. Andere vertreten den Standpunkt, der Sektor gehöre schon jetzt zu den größten Wirtschaftssektoren des Landes, wenn man alle vor- und nachgelagerten Bereiche in die Rechnung einbezieht. Mehr noch: Er könne noch deutlich wachsen, wenn man die derzeit brachliegenden Rohstoffpotenziale (z.B. Reststoffe) nutzen würde.

Das Thünen-Institut hat in den letzten Jahren drei Arbeitsberichte vorgelegt, die hier ein wenig Orien­tierung schaffen. Sie stehen in diesem Dossier zum Download bereit.


Der Arbeitsbericht von Efken et al. (2012) schlüsselt die derzeitige wirtschaftliche Bedeutung der biobasierten Wirtschaft, gegliedert nach einzelnen Subsektoren, detailliert auf. Insgesamt zeigt sich, dass die Anteile der biobasierten Wirtschaft an der deutschen Volkswirtschaft derzeit bei 7,6 % (Bruttowertschöpfung) bzw. 12,5 % (Beschäftigung) liegen. Verarbeitung und Handel haben eine größere volkswirtschaftliche Bedeutung als die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Urproduktion.

Der Arbeitsbericht von Peter et al. (2013), der gemeinsam mit dem Julius Kühn-Institut und dem Max Rubner-Institut erstellt wurde, untersucht für ausgewählte Agrarprodukte (Weizen, Kartoffeln, Möhren, Äpfel), wie hoch die Lebensmittelverluste auf dem Weg vom Acker zum Verbraucher sind. Die ermittelten Verluste liegen zwischen 3 und 11 %, hauptsächlich verursacht durch Schädlinge, Krankheiten und Atmungsverluste. Sie werden als überwiegend nicht vermeidbar angesehen. In diesem Punkte unterscheidet sich die Situation in Deutschland grundlegend von der Situation in vielen Entwicklungsländern. Nach Schätzungen der FAO fallen weltweit ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel dem Verderb anheim.

Der Arbeitsbericht von Junker et al. (2014) wendet sich der Frage zu, wie hoch die der­zeit noch ungenutzten Biomassenpotenziale in Deutschland sind. Zwar ist es den Autoren noch nicht gelungen, ein kohärentes Gesamtbild des deutschen Bioökonomiesektors zu zeichnen, doch lässt die Addition der einzelnen Puzzlesteine bereits interessante Schlussfolgerungen zu. So wird beispielsweise deutlich, dass in der Landwirtschaft nur in begrenztem Maße ungenutzte Reststoffe zur Verfügung stehen, die man einfach für eine energetische Nutzung aktivieren könnte. Größere Potenziale ließen sich erschließen, wenn die Politik innerhalb des Bioenergie-Segments konse­quent auf jene Bioenergie-Linien setzen würde, die relativ hohe Nettoenergie-Erträge erbringen (Agrarholz anstelle von Biodiesel oder Ethanol). Im Forstbereich werden ungenutzte Potenziale beim Laubholz gesehen, nicht bei Nadelholz. In der Fischereiwirtschaft sind die Expansionspoten­ziale der Fangfischerei eng begrenzt. Zumindest theoretisch böte hier die Aquakultur einen Ansatz­punkt für eine deutliche Erhöhung der inländischen Fischproduktion.

Der Bioökonomierat hat sich im Jahr 2014 mit der Frage befasst, was die Politik tun kann, um den Agrarsektor bestmöglich für eine wettbewerbsfähige Bioökonomie aufzustellen. Die Ergebnisse wurden im BÖRMEMO 01 zusammengefasst und veröffentlicht.