Warum Bürger den Wandel der Bioökonomie mitgestalten sollten

Expertise

Textilien auf Basis von Hanf, Tassen aus Kaffeesatz oder Reifen aus Löwenzahn – die Bioökonomie betrifft zunehmend die gesamte Gesellschaft. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe klingt vielversprechend, aber wie denkt die Bevölkerung darüber?


Weltweit wird nach neuen Technologien, effizienteren Verfahren und vielversprechenden Rohstoffen geforscht, damit eine biobasierte Wirtschaft überhaupt möglich wird. Die gesellschaftliche Akzeptanz von neuen Produkten und Technologien, die diese Umstellung mit sich bringt, wurde dabei bisher vielmals vernachlässigt. Das Beispiel der Gentechnik zeigt, was passiert, wenn neue Technologien weder transparent noch nachvollziehbar entwickelt werden und Zielkonflikte unbeachtet bleiben. Es entsteht eine Diskrepanz zwischen dem Wissen und Bewusstsein von Experten und Bürgern. Diese kann verringert werden, wenn Experten und Bürger frühzeitig in einen Dialog treten.

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt BEPASO tut genau das: Experten und Bürger diskutieren Chancen und Risiken der Bioökonomie, um eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise zu entwickeln, die ganzheitlich und langfristig gedacht ist.

Meinungsbilder zur Bioökonomie

Um die Meinungen der Bürger zum Thema Bioökonomie zu untersuchen, wurde im Sommer 2017 eine qualitative Studie – die sogenannte Q-Studie – mit 45 Teilnehmern durchgeführt. Die Teilnehmer erhielten 56 Karten mit verschiedenen Aussagen zur Bioökonomie, um diese entsprechend ihrer Zustimmung von „stimme voll und ganz zu“ bis „stimme gar nicht zu“ auf einem vorgegebenen Raster abzulegen. Die so erhaltenen Daten wurden mithilfe eines statistischen Analyseverfahrens ausgewertet. Basierend auf dieser quantitativen Auswertung wurden drei Meinungsbilder zur Bioökonomie in Deutschland identifiziert.

Suffizienz und Nachhaltigkeit Technologischer Fortschritt Nicht um jeden Preis
Der Mensch muss sich ändern, nicht die Natur. Künftige Probleme können durch technologischen Fortschritt und Gentechnik gelöst werden. Bioökonomie kann zur Lösung beitragen, ist aber nicht der alleinige Weg.
Technologischer Fortschritt ist kritisch zu sehen. Präzisionslandwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und Recycling sind Teil der Lösung. Lebensstandard beizubehalten, ist wichtig.
Beziehung zwischen Mensch und Natur geht verloren. Ausbau des Ökolandbaus ist nicht zielführend. Bioökonomie kann Klimawandel mindern.
Mit meinen Konsum als Verbraucher kann ich Einfluss nehmen. Natur als Eigenwert spielt für mich keine Rolle. Für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen zahle ich nicht mehr.
Ökolandbau als Alternative ist per se nicht abzulehnen. Beratung der Regierung durch NGOs ist nicht erforderlich.