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Fischlarven in Maryland

Aktuell

Thünen-Wissenschaftler präsentieren ihre aktuellen Forschungsergebnisse auf der 40. Fischlarvenkonferenz in Maryland, USA.

(© R. Sühring + Thünen-Insitut)

Die 40. Internationale Fischlarvenkonferenz fand im Juni 2016 im Chesapeake Laboratory, Universität Maryland, USA statt. Seit 40 Jahren lädt die Konferenz Wissenschaftler und Studenten ein, ihre neuesten Erkenntnisse zu den frühen Entwicklungsstadien von Meeres- und Süßwasserfischen zu präsentieren und zu diskutieren.

Die frühen Entwicklungsstadien der Fische umfassen die Ei- und Larvenstadien sowie Jungfische bis zum Eintritt der Geschlechtsreife. Diesen Frühstadien wird eine besondere Rolle in der Populationsentwicklung zugesprochen, denn die Überlebensraten der Frühstadien sind hoch variabel und nur schwer vorhersagbar, aber sie bestimmen die Stärke der zukünftigen Jahrgänge der befischbaren Bestände. Dieses Jahr trafen sich mehr als 100 Wissenschaftler in Maryland  und präsentierten ihre Forschung. Darunter waren auch drei Wissenschaftler aus dem Thünen-Institut.

Maik Tiedemann, Doktorand am Thünen-Institut für Seefischerei, präsentierte seine Arbeit über die zwei wichtigsten pelagischen Schwarmfischarten im Auftriebsgebiet des Kanarenstroms vor der westafrikanischen Küste, die Atlantische Sardine (Sardina pilchardus) und Runde Sardinelle (Sardinella aurita). Maiks Ergebnisse zeigen den deutlichen Einfluss der Auftriebsintensität auf die Habitate beider Fischarten. Laut Klimaprojektionen wird sich die Auftriebsintensität zukünftig durch den Klimawandel verändern und Veränderungen der Auftriebsintensitäten können wiederum den Reproduktionserfolg beider Arten entscheidend beeinflussen. Somit ermöglichen diese neuen Erkenntnisse Rückschlüsse auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und die Entwicklung der beiden Fischpopulationen im Bereich des Kanarenstroms.

Dr. Lasse Marohn vom Thünen-Institut für Fischereiökologie  präsentierte Ergebnisse zum Transfer von Schadstoffen aus dem Muskelgewebe des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) in dessen Fortpflanzungsorgane und seine Eier nach Erreichen der Geschlechtsreife. Die Rekrutierung des Europäischen Aals ist aktuell auf einem historischen Tiefpunkt. Die Belastung mit persistenten Schadstoffen wird neben anderen Faktoren auch als eine mögliche Ursache für die Rekrutierungsausfälle beim Aal diskutiert. Die Ergebnisse der Studie zeigen,  dass eine große Bandbreite von Schadstoffen transferiert wird. Neben den „üblichen Verdächtigen“, vor allem Schadstoffen wie PCBs und PAKs konnten die Thünen-Wissenschaftler auch erstmalig Substanzen in den Aaleiern nachweisen, über deren Toxizität noch wenig bekannt ist. Die Relevanz dieser Verbindungen als mögliche Hemmer für die Embryonalentwicklung von Aalen ist aktuelles Forschungsthema.

Anna Akimova vom Thünen-Institut für Seefischerei präsentierte eine Modellstudie, die auf ein besseres Verständnis der Rekrutierung des Kabeljaus (Gadus morhua) in der Nordsee abzielt. Der Kabeljaubestand insbesondere in der südlichen Nordsee ist seit mehreren Jahrzehnten rückläufig und die Sterblichkeit der Ei-, Larval- und Jugendstadien scheint eine wichtige Rolle dabei zu spielen. Anna und ihre Kollegen von der Universität Hamburg verwenden ein biophysikalisches Modell der frühen Lebensstadien, um einen besseren Einblick in die Räuber-Beute-Beziehungen zwischen den Kabeljau-Nachkommen und ihren Hauptfressfeinden zu gewinnen.

Alle Vorträge verliefen hervorragend und stimulierten produktive Diskussionen unter den internationalen Experten. Die Autoren danken Tom Miller, Dave Secor und dem Organisationsteam für eine hervorragend organisierte Konferenz und einer angenehme und familiäre Atmosphäre am Chesapeake Biological Laboratory.