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Meeresraumnutzung – Wie bewertet man Nutzungskonkurrenzen und Synergiepotenziale?

Dossier

Nutzungsüberlagerungen in der AWZ der Nordsee: Gelb bis Braun zeigt die Fischerei-Intensität, überlagert von Windpark-Arealen, Marine-Transportwegen, Pipelines, Seekabeln und anderen Nutzungsformen. (© Thünen-Institut/Vanessa Stelzenmüller)

Die zunehmende Nutzung von Meeresräumen in küstennahen Gewässern und Offshore-Gebieten der Nord- und Ostsee bringt ein erhöhtes Konfliktpotenzial zwischen verschiedenen Nutzern mit sich: Im Bereich von Offshore-Windkraftanlagen beispielsweise darf keine Fischerei mehr betrieben werden. Das führt künftig zu Flächenverlusten für Fischereiaktivitäten, denen aber mit innovativen und integrativen Raumnutzungskonzepten begegnet werden kann. Die Co-Nutzung von Offshore-Windkraftanlagen und Fischerei mit passivem Fanggerät oder Aquakultur könnten solche zukünftigen Konzepte sein.

Doch die Um- und Neuverteilung von Meeresraumnutzung hat nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen – sie wirkt sich auch auf das marine Ökosystem und seine Funktionen aus. Und diese Schlüsselprozesse sind noch weitgehend unerforscht.

Die Entwicklung von ganzheitlichen Bewertungen der Kosten, Nutzen und Risiken von künftigen räumlichen Nutzungskonzepten steht im Zentrum unserer Arbeit. Eine Analyse des internationalen Fischereiaufwandes mit geschlepptem Gerät in der deutschen AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) der Nordsee hat zum Beispiel ergeben, dass ca. 15 % der Aktivität der internationalen schweren Baumkurren-Fischerei in derzeit beantragten Offshore-Windparkflächen stattfinden. Berücksichtigt man zusätzlich noch künftige Fischereimanagement-Maßnahmen in marinen Schutzgebieten der gesamten südlichen Nordsee, zeigt sich, dass vor allem die niederländische Fischerei auf Plattfische durch den Flächenverlust betroffen wäre.

Eine erste Studie zum Thema Co-Nutzung von Windparks und passiver Fischerei ergab: Rund 50 % der internationalen Kiemennetz-Anlandungen werden in der AWZ innerhalb beantragter Windparks erzielt und stellen somit künftige Verluste dar (Stelzenmüller et al. 2016). Die Studie empfiehlt weiterhin, dass ganzheitliche und gebietsspezifische Machbarkeitsanalysen als Grundlage zur Entscheidung über eine nachhaltige Co-Nutzung als Nutzungskonzept dienen sollten. Eine weitere Studie zeigt, dass mindestens 30 % der aktuell geplanten und in Betrieb befindlichen Offshore-Windparks potenziell auch für eine Offshore-Aquakultur geeignet sein könnten. Somit besteht auch ein Synergiepotenzial zwischen einzelnen Sektoren.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Bewertung künftiger Raumnutzungskonzepte einer umfassenden, ganzheitlichen (ökologisch und ökonomisch) sowie auch einer kleinräumigen Betrachtung bedarf.

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 8

  1. Buhl-Mortensen L, Galparsoro I, Vega Fernandez T, Johnson K, D'Anna G, Badalamenti F, Garofalo G, Carlström J, Piwowarczik J, Rabaut M, Vanaverbeke J, Schipper C, Dalfsen J van, Vassilopoulou V, Issaris Y, Hoof L van, Pecceu E, Hostens K, Pace ML, Stelzenmüller V, et al (2017) Maritime ecosystem-based management in practice: lessons learned from the application of a generic spatial planning framework in Europe. Mar Policy 75:174-186, DOI:10.1016/j.marpol.2016.01.024
  2. Stelzenmüller V, Diekmann R, Bastardie F, Schulze T, Berkenhagen J, Kloppmann MHF, Krause G, Pogoda B, Buck BH, Kraus G (2016) Co-location of passive gear fisheries in offshore wind farms in the German EEZ of the North Sea: a first socio-economic scoping. J Environ Manag 183(3):794-805, DOI:10.1016/j.jenvman.2016.08.027
  3. Stelzenmüller V, Vega Fernandez T, Cronin K, Röckmann C, Pantazi M, Van Averbeke J, Stamford T, Hostens K, Pecceu E, Degraer S, Buhl-Mortensen L, Carlström J, Galparsoro I, Johnson K, Piwowarczik J, Vassilopoulou V, Jak R, Pace ML, Hoof L van (2015) Assessing uncertainty associated with the monitoring and evaluation of spatially managed areas. Mar Policy 51:151-162, DOI:10.1016/j.marpol.2014.08.001
  4. Gimpel A, Stelzenmüller V, Grote B, Buck BH, Floeter J, Nuñez-Riboni I, Pogoda B (2015) A GIS modelling framework to evaluate marine spatial planning scenarios: Co-location of offshore wind farms and aquaculture in the German EEZ. Mar Policy 55(1):102-115, DOI:10.1016/j.marpol.2015.01.012
  5. Stelzenmüller V, Fock HO, Gimpel A, Rambo H, Diekmann R, Probst WN, Callies U, Bockelmann F, Neumann H, Kröncke I (2015) Quantitative environmental risk assessments in the context of marine spatial management: current approaches and some perspectives. ICES J Mar Sci 72(3):1022-1042, DOI:10.1093/icesjms/fsu206
  6. Ramos J, Soma K, Bergh O, Schulze T, Gimpel A, Stelzenmüller V, Mäkinen T, Fabi G, Frati F, Gault J (2015) Multiple interests across European coastal waters: the importance of a common language. ICES J Mar Sci 72(2):720–731, DOI:10.1093/icesjms/fsu095
  7. Gimpel A, Stelzenmüller V, Cormier R, Floeter J, Temming A (2013) A spatially explicit risk approach to support marine spatial planning in the German EEZ. Mar Environ Res 86:56-69, DOI:10.1016/j.marenvres.2013.02.013
  8. Stelzenmüller V, Schulze T, Gimpel A, Bartelings H, Bello E, Bergh O, Bolman B, Caetano M, Davaasuren N, Fabi G, Ferreira JG, Gault J, Gramolini R, Frati F, Hamon KG, JakR, Kopke K, Laurans M, Mäkinen T, Sell AF, et al (2013) Guidance on a better integration of aquaculture, fisheries, and other activities in the coastal zone : from tools to practical examples. 76 p