in die Antarktis

Expedition

Dauer der Reise: 20. Januar bis 19. März 2013

Fahrtgebiet: Antarktis, Weddel-Meer

Zweck der Reise: Krill-Untersuchungen im Rahmen einer Antarktis-Reise des Forschungseisbrechers "Polarstern". Parallel dazu Walbeobachtungen in Zusammenarbeit mit dem Büsumer Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung.

Berichterstatter: Volker Siegel, Thünen-Institut für Seefischerei

Seit Mitte der 1970er Jahre untersucht das Thünen-Institut für Seefischerei in Hamburg die Krillbestände im südwestlichen Teil der Antarktis. Das Gebiet der sogenannten Scotia See weist die größten bekannten Krill-Konzentrationen auf und ist gleichzeitig das Hauptfanggebiet der kommerziellen Krillfischerei. Seit Beginn der Forschungen stellte sich die Frage, ob die Krillbestände der Scotia See ausschließlich aus dem Gebiet westlich der Antarktischen Halbinsel stammen oder ob es eine zweite wesentliche Quelle im Weddell-Meer östlich der Antarktischen Halbinsel gibt.

Obwohl diese Frage für das Management der Krillressourcen von grundlegender Bedeutung ist, war ihre Beantwortung immer auf erhebliche Schwierigkeiten gestoßen, da das Weddell-Meer ganzjährig durch dickes Meereis bedeckt ist und den Zugang nach Süden weitgehend verhindert. Doch im letzten Jahrzehnt ist der Zugang in das westliche Weddell-Meer durch klimatische Einflüsse häufiger möglich geworden.

Darauf baut die aktuelle Forschungsfahrt der „Polarstern“ auf, bei der auch Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Seefischerei an Bord sind: Wir wollten versuchen, weit nach Süden in das Weddell-Meer vorzustoßen und dort erstmals standardisierte Untersuchungen zu potenziellen Krillbeständen durchführen. Doch schon bei der Anreise zeigten Satellitenaufnahmen, dass in diesem Jahr das Eis wieder außergewöhnlich weit nach Norden reicht, was die Durchführung des ursprünglichen „Plan A“ ganz unmöglich machte. Zusammen mit den physikalischen Ozeanographen entwickelen wir einen „Plan B“, der das Untersuchungsgebiet nach Norden verlagert, dabei aber immer noch ein Vordringen ins Packeis vorsieht. Gleichzeitig erlaubt dies aber eine realistische Chance auf eine Probennahme mit den Planktonnetzen.

Walbeobachtung per Hubschrauber

Probleme mit dem Eis haben die Walbeobachter weniger. Bei günstiger Wetterlage fliegen sie mit dem Hubschrauber entlang der Krill-Stationsschnitte und zählen Wale, deren Vorkommen sie mit den Daten der Krillbiologen verknüpfen wollen. In der Gruppe der Walforscher aus dem Büsumer Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung arbeitet auch ein Mitarbeiter des Thünen-Instituts mit.

Nach den ersten zwei Untersuchungswochen wird deutlich, dass selbst durch die Verlagerung in ein nördlicheres Gebiet die Arbeiten nur unter erheblichen Schwierigkeiten durchgeführt werden können. Meterdickes, mehrjähriges Packeis verhindert mehrmals fast ein weiteres Vordringen. Doch durch die hervorragenden eisbrechenden Eigenschaften der „Polarstern“ konnte das Programm bislang erfolgreich vorangetrieben werden. Zwei Drittel der Krillstationen sind nun bereits abgearbeitet und brachten eine Fülle von Probenmaterial in die Labore. Auch für die verbleibenden Stationen sind wir nun sehr viel optimistischer.

Neben der Probennahme haben wir bereits mit dem Sortieren und Auszählen der Planktonproben begonnen. Diese Arbeiten werden wir auch nach dem Ende des noch fehlenden Drittels der Stationen fortsetzen, so dass unser Team am Ende der Seereise mit einem kompletten Datensatz und ersten Datenauswertungen von Bord gehen wird.

Nach fast 8 Wochen auf See sind die Arbeiten am antarktischen Krill auf dem Forschungsschiff Polarstern erfolgreich abgeschlossen worden.

Ursprünglich war im Krill- und Planktonprogramm geplant, zwischen 63°S und 66°S nach Süden in die Weddell-See vorzustoßen und dort erstmals standardisierte Untersuchungen zu potenziellen Krillbeständen durchzuführen. Doch die extrem schwierige Eissituation in diesem Jahr zwang uns dazu, das ursprüngliche Fahrtprogramm abzuwandeln. Das Untersuchungsgebiet wurde um rund 60 Meilen nach Norden verschoben, wobei die Stationen teilweise in eisfreies Wasser der östlichen Bransfield Straße und um Elephant Island verlegt wurden. Auch wenn dadurch im südlichen Bereich ein Teil der Probenahme-Stationen ausfallen musste, konnte die ursprüngliche Zielsetzung doch weitgehend erhalten bleiben.

Widrige Bedingungen

Die Arbeiten sollten Auskunft geben über die Zusammensetzung und die Biomasse der Krillpopulation – sowohl aus dem Gebiet der westlichen Antarktischen Halbinsel als auch dem Ausstromgebiet der Weddell-See.

Trotz der herrschenden Eisbedingungen konnten die meisten Stationen erfolgreich beprobt werden.  Doch kaum hatten wir das Eis hinter uns gelassen, gerieten wir im offenen Wasser in schweres Wetter und die Stationsarbeit musste zeitweilig ruhen, da das Arbeitsdeck nicht mehr zu begehen war.

Die letzten zwei Wochen nutzte unser Krillteam zur Aufarbeitung der konservierten Proben. Nach dem Auszählen der Krillproben folgten die Längenmessungen, Geschlechtsbestimmungen und Reifegrad-Identifizierungen von fast 6000 Krill-Exemplaren. Das ist sehr zeitaufwändig, da jedes einzelne Tier unter dem Stereomikroskop bearbeitet werden muss. Zu guter Letzt schloss sich die Eingabe der Messdaten in die Datenbank an. Somit können wir erste Auswertungen der Daten sofort nach Rückkehr ins Labor in Hamburg vornehmen.

Ergebnisse werden im Juli vorgestellt

Erste Eindrücke deuten darauf hin, dass das Plankton insgesamt in den eisbedeckten Gebieten relativ artenarm ist. Zudem ist Krill offensichtlich seltener unter dem Eis, verglichen mit dem offenen Wasser wie in der Bransfield Straße und um Elephant Island. Die Ergebnisse sollen bereits im Juli 2013 auf der Sitzung der CCAMLR-Arbeitsgruppe in Bremerhaven vorgestellt werden. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe werden dann im Oktober in die Bestandsbeurteilung und die mögliche Festlegung von Schonmaßnahmen auf der Jahrestagung der CCAMLR-Konvention einfließen.

Bei relativ ruhiger See haben wir die Überquerung der Drake-Passage Richtung Südamerika begonnen, die sonst wegen ihrer häufigen Stürme berüchtigt ist. Die restlichen Tage bis zum Hafen Punta Arenas in Chile sind für den Abbau der Planktonnetze, das Verpacken der Laborausrüstung und dem Reinigen der Labore vorgesehen, damit die Kollegen des nachfolgenden Abschnitts ungehindert ihre Arbeit aufnehmen können.


Volker Siegel von Bord der „Polarstern“, 13.03.2013


Endbericht mit ersten Ergebnissen (PDF Download)

Bericht der Walbeobachtungs-Gruppe (PDF Download)