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  • Stefanie Haase
Beteiligte Institute

in die Ostsee: Akustiksurvey Sprotte

Expedition

Kristin: Seetagebuch der 1. Reise für das Thünen-Institut

Dauer der Reise:  7. bis 28. Mai 2021

Fahrtgebiet:  Ostsee

Zweck der Reise:   Internationaler Sprotten-Akustiksurvey (BASS)

Vorspann: Die hektische Suche nach einem Ersatzschiff

Jedes Jahr im Mai sammeln Forschende des Thünen-Instituts für Ostseefischerei umfangreiche Daten über die Ostseesprotte. Der Fischbestand ist der größte kommerziell genutzte der Ostsee und unsere Daten sind die wesentliche Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung.

Mehrfach fiel unser dafür genutztes Forschungsschiff, die Walther Herwig III, aus – so auch kurzfristig in diesem Jahr. Daher nutzen wir erstmals ein professionelles Fischereifangschiff als Ersatz, das für wissenschaftliche Surveys ausgestattet wurde.

Forschungsreise und Zielart

Ostseesprotte ist der derzeit größte kommerziell genutzte Fischbestand der Ostsee. Sie ist hier, anders als in der Nordsee, eine langlebige Art, die in vergleichsweise gutem Zustand ist und jedes Jahr fast eine Viertel Million Tonnen Ertrag aus nachhaltiger Bewirtschaftung liefert. Basis dieser Bewirtschaftung sind die Empfehlungen der Wissenschaft. Für die Erarbeitung der jährlichen Empfehlung werden Fangdaten und solche aus der Beprobung der Fänge, aber auch fischereiunabhängige Daten benötigt. Letztere werden vor allem auf Forschungsreisen, sogenannten Surveys, mit spezialisierten Forschungsschiffen gewonnen.

Die wichtigste Forschungsreise für diesen Bestand ist der Baltic Acoustic Spring Survey (BASS). Der Survey wird seit mehr als 20 Jahren im Mai durchgeführt. Er nutzt akustische Methoden und qualitative Fänge, wie das bei kleinen Schwarmfischen üblich ist.

Mehrere Forschungsschiffe aus Deutschland, Polen, Schweden und den baltischen Staaten nehmen an der durch den ICES (Internationaler Rat für Meeresforschung) koordinierten Reise teil. Der deutsche Beitrag liefert allerdings ungefähr 80 Prozent der Daten, weil die abgedeckte Fläche am größten ist: Sie reicht ungefähr von der Darßer Schwelle bis zu den Åland-Inseln (Archipelago Sea).

Mit mehr als drei Wochen Reisedauer ist der Survey der längste und auch teuerste, den das Thünen-Institut für Ostseefischerei jedes Jahr durchführt. Wegen der herausragenden internationalen Bedeutung wird die Reise durch die EU-Kommission kofinanziert. Auch wenn Sprotte die primäre Zielart ist, werden auch alle anderen Fänge nach dem international abgestimmten Protokoll der Baltic International Trawl Survey Working Group aufgearbeitet.

Das Schiff

In der Regel wird der BASS durch das größte Fischereiforschungsschiff Deutschlands durchgeführt, die Walther Herwig III. Leider ist das 1993 in Dienst gestellte Schiff inzwischen in einem Alter, in dem sich Ausfälle häufen, und der Bau des Nachfolgeschiffes verzögert sich weiter. Außerdem findet alle zwei Jahre im April unmittelbar vor dem Sprottensurvey die Überprüfung durch die Klassifizierungsgesellschaft statt, also eine Art Schiffs-Hauptuntersuchung.

Bei den „Klassen“ der letzten Jahre wurden dabei immer wieder Probleme festgestellt, die langwierige Reparaturen erforderten: 2017 musste der gesamte Sprotten-Survey ersatzlos abgesagt werden. Obwohl unsere polnischen Partner ein paar Tage Aufnahme übernahmen, klafft in der Datenserie für dieses Jahr eine nicht zu schließende, schmerzhafte Lücke. 2019 konnten wir als Ersatz für die Herwig das mittelgroße Fischereiforschungsschiff des Bundes, Solea, für die Durchführung des Surveys nutzen – das Thünen-Institut für Seefischerei hat dafür dankenswerter Weise auf eine geplante Nordseereise verzichtet.

Im März 2021 nun wurde ein Defekt an der Hauptmaschine festgestellt, dessen Reparatur sich wegen nicht mehr vorhandener Ersatzteile monatelang hinziehen wird. Am 31. März 2021 wurde die BASS-Reise der Walther Herwig III (445. Reise) schließlich formell durch den Reeder, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, abgesagt.

Die Kristin

Um nicht noch eine weitere Datenlücke zu generieren und damit auch den Ruf Deutschlands als verlässlicher Partner im ICES zu riskieren, begann unverzüglich die Suche nach einem Ersatzschiff. Forschungsschiffe anderer Nationen sind so kurzfristig in aller Regel nicht verfügbar. Aber es gab eine Lösung: Bereits vor sechs Jahren hat der schwedische Fischer Örjan Karlsson Kontakt mit dem Thünen-Instiut für Ostseefischerei aufgenommen, weil er sein neues Schiff Kristin, einen Schwarmfischfänger mit Heimathafen Cuxhaven und deutscher Flagge, auch für wissenschaftliche Charterreisen ausstatten wollte.

Wir haben während der Planungs- und Bauzeit der Kristin Optionen erarbeitet, um das Schiff für möglichst viele wissenschaftliche Einsatzzwecke nutzbar zu machen. Der Eigner hat auf eigene Kosten die wesentlichen, nur in der Bauphase mit vertretbarem Aufwand umsetzbaren Einrichtungen vorgenommen. Dazu gehören der Einbau spezieller Schwinger für die wissenschaftlichen Lote, zwei zusätzliche Doppelkammern für die wissenschaftliche Besatzung, Labor- und Schreibtischarbeitsplätze sowie eine Vorrichtung zum Aussetzen einer Hydrografiesonde und eines Wasserschöpfers.

Der 53 Meter lange Neubau der Kristin, gebaut bei Karstensens Skibsværft A/S im dänischen Skagen, wurde im 2. Halbjahr 2020 in Dienst gestellt. Die Kristin ist das derzeit größte deutsche Fangschiff in der Ostsee und verfügt für die Lagerung der Fänge über vorgekühlte Seewassertanks: Der Fang wird aus dem Netz in die Tanks und aus diesen bei der Anlandung direkt in die Fabrik gepumpt.

Viele Probleme und wenig Zeit

Glücklicherweise stand das Schiff für den BASS-Zeitraum im Mai zur Verfügung. Dennoch waren vier Wochen Vorlauf ungeheuer knapp, um aus einem – wenn auch gut vorbereiteten – kommerziellen Fangschiff ein Forschungsschiff zu machen. Das größte Problem war die rechtlich einwandfreie Vergabe der Charter und die Ausgestaltung eines Vertrages. Unter normalen Umständen dauert so ein Vorgang ungefähr sechs Monate. Durch die engagierte Arbeit der Braunschweiger Verwaltung des Thünen-Instituts gelang dies dennoch pünktlich.

Das zweite Problem war die Übertragung der Forschungsgenehmigungen in ausländischen Gewässern, die für die Walther Herwig III bereits erteilt waren, auf die Kristin. Auch dies gelang – die schwedische Genehmigung ging bei uns am Tag vor Reisebeginn ein. Zudem musste der Fänger vorübergehend zu einem Forschungsschiff umgewidmet werden, um die für Forschungsfahrten üblichen Regeln nutzen zu können.

Der dritte Punkt betraf die Ausrüstung: Standardnetze und Sonden mussten von den anderen Forschungsschiffen geliehen, eine neue Zentraleinheit für die wissenschaftlichen Lotanlagen beschafft und ein Behelfslabor gefunden werden. Die Deckswerkstatt des Schiffes kann zwar für diese Reise in ein kleines Hydrografie-, Chemie- und Otolithenlabor verwandelt werden. Für die Aufarbeitung von drei bis vier Fischzügen (Hols) am Tag ist dieses Labor aber nicht geeignet. Wir haben stattdessen einen 10-Fuß-Seecontainer beschafft und provisorisch mit Schlachttischen und Strom für Waage und elektronische Messbretter ausgestattet.

Jeder der drei Punkte hätte die Reise stoppen können. Dem großen Einsatz aller Beteiligten ist es zu verdanken, dass uns buchstäblich in letzter Minute ein adäquates Ersatzschiff zur Verfügung stand.

Fahrtleiterin: Stefanie Haase, Thünen-Institut für Ostseefischerei

Um die Kristin für den BASS Survey vorzubereiten, fuhr ein kleines Einsatzteam mit vier Personen einschließlich mir als Fahrtleiterin am 2. Mai nach Skagen in Dänemark in die Werft, wo Kristin zur Garantieabnahme lag. Weil wir schon an Bord unterkommen konnten, mussten wir nicht in die eigentlich erforderliche Corona-Quarantäne: Seefahrendes Personal auf dem Weg zu seinem Schiff ist ausgenommen.

Am kommenden Tag, einem Montag, starteten wir dann mit den Vorbereitungen für unseren Survey. Um die wissenschaftliche Akustikanlage in Betrieb zu nehmen, musste unser Elektroniker Ulf Böttcher zahlreiche Verbindungen löten. Außerdem installierten wir unseren Wide Band Transceiver im Schiffssystem. Damit können wir akustische Signale in die Wassersäule senden und erhalten Echos, wenn das Signal auf einen Fischschwarm oder aber auf den Boden trifft.

Am Montag wurden auch die Hydrografie-Winde und der Ausleger (L-Frame) zum Schiff geliefert, damit wir auf der Reise CTD-Stationen fahren können. Mit derartigen wissenschaftlichen Einrichtungen ist ein kommerzielles Schiff normalerweise nicht ausgestattet. Winde und Drahtseil wurden von der Firma separat geliefert, so dass das Drahtseil bei Regen, Schnee und Sturm am 4. Mai aufgespult werden musste – kein leichtes Unterfangen, denn eine Anleitung war nicht verfügbar. Aber eine der ersten deutschen Redewendungen, die die schwedische Mannschaft sagen konnte, war „Kein Problem!“. Das stimmt uns für künftige Herausforderungen positiv!

In der Nacht zum 5. Mai sind wir in Skagen ausgelaufen und haben Kurs auf die kleine Insel Donsö vor Göteborg genommen. Sie liegt wunderschön in den Schären vor Schwedens drittgrößter Stadt. Dort ist ein Großteil der Mannschaft beheimatet und die Verpflegung wurde hier aufgenommen. Das führte zu einiger Verwirrung auf Seiten der schwedischen Küstenwache. Sie vermutete eine Verletzung unserer Reisebewilligung, weil wir nur einen Crew-Wechsel im Hafen von Karlskrona in der Mitte der Reise beantragt hatten. Der Grund dafür ist, dass wir wie in den Vorjahren auch erneut keine Erlaubnis für Forschungsarbeiten in der schwedischen 12-Meilen-Zone bekommen haben.

Wir konnten der schwedischen Polizei, die an Bord unsere Personalien aufgenommen hat, erklären, dass die Forschungsreise am 5. Mai offiziell noch gar nicht begonnen hatte und nur Proviant geladen wurde. Charter und Survey begannen erst am Folgetag in Rostock. Die Küstenwache sah von einer Bestrafung ab – eine diplomatische Note über Botschaft und Auswärtiges Amt zog die Einreise dennoch nach sich.

Auf dem Weg nach Rostock kalibrierten wir das Schiff. Zusammen mit unserer Akustikerin Lea Hartkens vom Thünen-Institut für Seefischerei haben wir dazu eine geeichte Wolframcarbit-Kugel unter dem Schiff abgehängt und mit unserer Echolotanlage angepingt. Indem wir die Kugel unter dem Schiff mit kleinen Angeln hin und her bewegten, konnten wir genau bestimmen, wo das Echolot leicht vom „richtigen“ Wert abweicht und so diesen Fehler bei unseren Messungen herausrechnen. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der Schiffmannschaft, die uns schnell neue Angeln mit längeren Auslegern und geschweißten Ringen passend zum Schiff angefertigt hat, konnten wir die Kalibrierung erfolgreich abschließen.

Am 6. Mai abends sind wir dann im Hafen von Rostock-Marienehe eingelaufen. Am 7. Mai brachten wir unsere Ausrüstung einschließlich der aus Bremerhaven angelieferten wissenschaftlichen Netze, Scherbretter sowie unserem improvisierten blauen Fischlabor-Container an Bord. Ein Mitfahrer stieg ab, zwei weitere auf. Da Kristin normalerweise mit deutlich größerem Equipment fischt, war das Handling unseres „kleinen“ PSN205-Netzes auch auf der Pier zunächst ungewohnt. Doch nach einem langen Arbeitstag beendeten wir das Aufrüsten erfolgreich und liefen um 21 Uhr in Richtung auf die Startposition des ersten Akustik-Transsekts aus.

Wir freuen uns auf eine sicher für beide Seiten sehr spannende und lehrreiche Reise mit der Kristin!

Pünktlich um 6 Uhr morgens kommen wir an unserem Startpunkt des heutigen Transektes an. Während unserer Sprotten-Akustikreise fahren wir täglich 70-90 Seemeilen lange Strecken, die sogenannten Transekte (Messpunkte entlang einer Linie). Ziel ist es, jedes statistische ICES-Rechteck (0,5 x 1 Grad, ca. 30 x 30 Seemeilen Fläche) mit 60 Seemeilen Transekt abzudecken. Wir dampfen dann mit 10 Knoten und schicken Echosignale im 38-kHz-Frequenzbereich in die Wassersäule. Wenn sich Fischschwärme in der Wassersäule befinden, bekommen wir ein Signal zurück. Um dann die Zusammensetzung der Schwärme zu bestimmen, fischen wir in regelmäßigen Abständen. In unserem Laborcontainer sortieren, messen und wiegen wir den Fang. Zusätzlich wird eine Unterprobe geschlachtet, bei der wir bei den Heringen und Sprotten Einzelgewichte, Geschlecht, Reifegrad und Magenfüllung aufnehmen, und feststellen, ob sie von Parasiten befallen sind. Wir entnehmen die Otolithen (Gehörsteine), damit Mario später im Institut das Alter der Fische bestimmen kann.

Wir starten das Transekt mit einer Hydrografie-Station und messen mit einer CTD-Sonde Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt vertikal bis zum Boden. Am Anfang ist das Wasser noch nicht tief genug zum Fischen, aber die Fischechos sind sowieso schwach. Das erste Mal setzen wir um 10 Uhr aus. Natürlich muss sich die Mannschaft erst an das Netz gewöhnen, denn sie fischen sonst mit einem deutlich größeren „Gloria“-Netz, bei der die größte Masche 32 Meter weit ist.

Im Arkonabecken sind die Fänge erfahrungsgemäß noch klein, aber so können wir uns eine neue Routine im provisorischen Fischlabor erarbeiten. Denn der Platz ist deutlich kleiner, als wir es von der Walther Herwig III gewöhnt sind. Fließbänder, die den Fisch durch das Labor transportieren, gibt es nicht, also füllen wir uns den Fang aus den Fischhocken in Fischkörbe und tragen ihn ins Labor.

Nach 3 Hols, 79 Seemeilen Transsekt und 10 CTD-Stationen beenden wir den ersten Tag erfolgreich und werden mit Köttbullar und Preiselbeeren belohnt.

Wir sind jetzt schon einige Tage an Bord und haben unsere Routinen optimiert. Das Netz wird jetzt innerhalb weniger Minuten ins Wasser gelassen, sodass wir gezielt auf Signale fischen können. Wenn der Fang an Bord kommt, hilft die Mannschaft, den Fisch in Körbe zu füllen, sodass wir direkt mit dem Sortieren im Container starten können.

Normalerweise sind für diesen Survey bis zu acht Wissenschaftler an Bord. Durch den begrenzten Platz auf dem Schiff sind wir dieses Jahr nur zu viert: Mario Koth (Thünen Ostseefischerei) leitet das Fischlabor, Svea Winning (Thünen Seefischerei) ist unsere Akustikerin, arbeitet aber auch genauso gerne im Labor. Marcel Bächtiger (Uni Hamburg) ist ein sehr erfahrener studentischer Hilfswissenschaftler, der uns schon seit einigen Jahren auf den Seereisen begleitet. Dazu noch ich als Fahrtleiterin.

Dadurch, dass wir pelagisch fischen, also im freien Wasser, sind die Fänge von Hering und vor allem Sprotte dominiert. Aber auch einige Flundern und Dorsche sortieren wir aus den Fängen. Erstaunlich ist in diesem Jahr, dass wir schon im nördlichen Bornholmbecken eine hohe Konzentration von Stichlingen auf dem Echolot gesehen haben und sich dies auch in den Fängen bestätigt hat. In den Jahren zuvor fanden wir Stichlinge erst in der Nähe der schwedischen Insel Gotland. Im Labor sind Stichlinge eher unbeliebt, denn wie der Name schon sagt, haben sie drei kleine Stachel, die sich gerne durch die Handschuhe bohren. Aber auch hier erwies sich die Mannschaft als tapfer, und so erbarmte sich ein Crewmitglied, das Messen zu übernehmen.

An Bord sind wir nur neun Personen. Dadurch ist die Atmosphäre sehr familiär. Wir essen zusammen und wir sitzen oft zusammen auf der Brücke und tauschen Geschichten aus der Fischerei und Wissenschaft aus. Abends schauen wir gemeinsam Fernsehen im „Wohnzimmer“. Da ist es praktisch, dass fast alle Filme auf Englisch und mit schwedischem Untertitel versehen sind.

Gastbeitrag von Hugo Genemo, Schiffsoffizier auf der Kristin:

"My name is Hugo and I am 24 years old. When I was 4 years old, my father took me out on a fishing trip. Since then, I have been on board many times. My great-grandfather founded the company. I have studied the Master Mariner on Chalmers University of Technology in Gothenburg. Now I have been officer onboard the fishing vessel Kristin for one year.

During the "cruise" we are 9 people on board: 5 of the crew and 4 researchers. For the researchers, the day's work usually starts at 06:00 with a CTD cast. For us in the crew, on the other hand, the work is going on around the clock, keeping the ship in operation. Tasks include engine maintenance, watch keeping, cooking food etc. During the day we drive the already planned route and set out the trawl when Stefanie wants it. During the night we anchor or drift with the main engine switched off while waiting for dawn and the day's new mission.

During a normal working day when Kristin is not a research vessel, we are also five people on board, and have approximately the same tasks. Then the trawling can also be conducted during nighttime.

The fishing gear used in this "cruise" is less dimensioned than our regular gear, which makes them more manageable. To set out the trawl, three people are needed out on the deck, which means that one person can rest or do other tasks. During "normal" fishing, the entire crew needs to be awake when setting and hauling in the trawl.

Laying the trawl takes about 10 minutes, pick-up takes about 15 minutes and is very smooth. After capture, we help each other to empty and weigh the catch. Yesterday I was also involved and sorted spigs (Stichling), which was something new for me.

The atmosphere on board is very good, we laugh, have nice fellowships and share experiences with each other. Today I baked "Kanelbullar" (cinnamon buns), which was very much appreciated by everyone on board.

Participating in this research survey and gaining insights and understanding of how research is conducted is a new experience for us. It is in these waters that we fish, which is exciting to be a part of. We are very happy to have created this collaboration with the Thünen Institute and it feels good to be involved and contribute resources to a future sustainable fishing.

Here is the recipe for Kanelbullar: PDF"

In der Nacht zu Montag liefen wir für einen Crewwechsel im südschwedischen Hafen Karlskrona ein. Normalerweise ist die Mannschaft der Kristin immer nur 7-10 Tage auf See, sodass für eine dreiwöchige Reise ein Personalwechsel erforderlich war. Wir haben uns über den kurzen Hafenanlauf bei Sonnenschein natürlich auch gefreut.

Nachdem wir frisches Essen gebunkert hatten, stachen wir nachmittags wieder in See, um am nächsten Morgen die Arbeit an den Akustik-Transekten wieder aufzunehmen. Die scheidende Crew hat alle Kniffe beim Handling mit der ungewohnten wissenschaftlichen Ausrüstung an die neue Mannschaft weiter gegeben, sodass das Fischen weiterhin schnell von der Hand geht.

Wir sind mittlerweile im bis zu 180 m tiefen Wasser südöstlich von Gotland und sehen fast durchgehend ein starkes Sprotten-Signal oberhalb einer Wassertiefe von ungefähr 75 m. Wenn man sich das vertikale Profil der Hydrographie-Sonde anschaut, wird schnell klar warum: Die Sprotten sitzen genau auf der stark ausgeprägten Sprungschicht. Während oberhalb der Sprungschicht Temperatur und Salzgehalt geringer und Sauerstoffgehalt höher sind, herrschen unterhalb der Sprungschicht sauerstofffreie Bedingungen, und Salzgehalt und Temperatur steigen an. Fische können innerhalb der sauerstofffreien Zone nicht dauerhaft überleben. Diese Schichtung in den tiefen Becken ist sehr typisch für die Ostsee.

Ansonsten freuen wir uns weiterhin über Sonnenschein und ruhige See. Die Abende stehen diese Woche ganz im Zeichen des Eurovision Song Contests, der in Schweden deutlich mehr zelebriert wird als in Deutschland. So war uns deutschen Reiseteilnehmenden gar nicht bekannt, dass es vor dem Finale auch zwei Halbfinale gibt, in denen sich die meisten Länder für das Finale qualifizieren müssen.

Gastbeitrag von unserer Hydroakustikerin Svea:

Die BASS-Reise wird vom Rostocker Institut für Ostseefischerei durchgeführt, aber zur Überwachung der Hydroakustik nimmt immer auch eine Hydroakustikerin vom Bremerhavener Institut für Seefischerei am Survey Teil. Dieses Jahr ist dies meine Aufgabe, und so habe ich das Glück, nun an Bord der Kristin zu sein. Da wir mit reduziertem Wissenschaftsteam fahren, arbeite ich aber auch viel „im Fisch“ mit. Dabei sortiere ich den Fang, vermesse die Fische, protokolliere und entnehme gelegentlich auch Heringsotolithen, wenn unser Container-Boss Mario gerade anderes zu tun hat. Wenn die Arbeit im Labor getan ist, gehe ich wieder zurück auf die Brücke. Von hier aus können Steffie und ich nicht nur das EK80 überwachen, sondern haben auch einen wunderschönen Rundum-Blick über die Ostsee.

Die Fänge sehen hier oben im Norden immer sehr ähnlich aus: Sprotte, Hering und Dreistachliger Stichling. Außerdem gibt es fast immer einen Fisch im Gesamtfang einer anderen Art, in der Regel Dorsch, Flunder oder auch mal ein Neunstachlicher Stichling. Bei dem ganzen Silber vor den Augen ist es wichtig, zwischen den Hols auch mal eine Verschnaufpause zu machen – auch wenn es nur eine kleine Eis-Pause im Fisch oder zwei Minuten im Ölzeug an die Wand gelehnt in der Sonne sind. Spätestens bei den Mahlzeiten können wir dann richtig runterkommen und kurz abschalten. Dabei helfen angeregte Unterhaltungen, Späßchen und auch das abwechslungsreiche Essen, welches immer himla god ist.

Auf der Reise haben wir einige schwedische Begriffe gelernt. Zum Beispiel heißt „bitte“ „snälla“, was sehr niedlich, aber auch etwas drängelnd klingt. Einer meiner Favoriten ist „snabbuss“, so wird in Schweden der Schnellbus genannt, oder auch „döda“, was „“töten“ heißt – das habe ich nicht durch Todesdrohungen gelernt, sondern durch die schwedischen Untertitel bei diversen Filmen. Mein Vokabular ist aber leider dennoch eher inte bra.

Auch abseits unserer Schwedisch-Stunden unterhalten wir uns gerne mit der sehr entspannten Mannschaft, die immerzu fröhliche und humorvolle Stimmung verbreitet. Egal ob bei der Arbeitszeit, in der sie uns manchmal im Container besuchen, oder nach Feierabend, wenn wir zusammen im Wohnzimmer sitzen. Deshalb: Hördu, Team Kristin, tack så mycket för fantastik arbeijde!

Nach 1135 nautischen Seemeilen aufgenommenen Akustiktransekt, 52 Fischereihols, 672 geschlachteten Sprotten, 1202 geschlachteten Heringen und 120 Hydrographie-Stationen haben wir am späten Montagabend das letzte Transekt unserer Reise erfolgreich beendet. Es waren für uns alle lange Tage, aber das Wetter war immer auf unserer Seite, und so konnte auch ein gerissenes Netz am vorletzten Tag uns nicht von unserem Plan abbringen. Im 50. Hol der Reise wurden wir von einem 90 cm langen Lachs überrascht, den der Koch Peter uns direkt als Abendbrot servierte! Lecker!

Morgen haben wir einen kompletten Dampftag vor uns. Wir freuen uns auf ein späteres Frühstück und befreien dann den Container von hartnäckigen Fischschuppen bei lauter Musik. In den kommenden Tagen stehen noch einige Versuche vor Sassnitz an, bevor es dann am Donnerstag Richtung Rostock geht.

Schon jetzt ist klar: Das Chartern der Kristin ermöglichte es uns, den wichtigen Sprotten-Akustiksurvey trotz Ausfall der Herwig erfolgreich durchzuführen. Ich möchte mich herzlich bei der gesamten Schiffs- und Wissenschaftler*nnen-Crew für die tolle Zusammenarbeit als Team, viele lustige Stunden und spannende Geschichten bedanken und mich für mein schlechtes schwedisch, auch nach vier Wochen auf See, entschuldigen! Förlåt!

Ganz zuende ist die Reise aber noch nicht. Lea aus Bremerhaven arbeitet jetzt die Akustikdaten auf, Mario liest das Alter der Heringe und Sprotten und ich analysiere die kombinierten Akustik- und biologischen Daten, um so die Biomasse von Hering, Sprotte und Stichling in den von uns abgefahrenen Gebieten zu bestimmen.

Viele Grüße von Bord der Kristin
Stefanie Haase, Fahrtleiterin