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zu den Jungfisch- und Garnelengebieten in der Nordsee

Expedition

Clupea, Seetagebuch der 263. Reise

Dauer der Reise: 3. bis 17. September 2012

Fahrtgebiet: Nordsee 

Zweck der Reise:  Jungfisch- und Garnelen-Vorkommen in der Deutschen Bucht (DYFS). Die Reise gehört zu einer seit 1974 bestehenden Untersuchungsserie entlang der Nordseeküste, die die Kenntnisse über Verbreitung und jährliche Bestandsschwankungen von Rekruten kommerziell genutzter Fische und Garnelen (Crangon crangon) sowie Beifangorganismen erweitert. Das Standardprogramm des DYFS umfasst gleichartige Untersuchungen mit Charterkuttern im nahen Küsten- und Wattenstrombereich entlang der deutschen Küste, die analog auch in den Niederlanden, Belgien, sowie zeitweise England und Dänemark durchgeführt werden.

Die Clupea ergänzt diese Datenserien durch Probenahmen im Flachwasser und vor der Inselkette. Langfristig ist geplant, dass die Clupea einige der Charterkutter ersetzt. Das neue Schiff wird für diese Aufgabe erstmals getestet. Parallelfänge mit Charterkuttern im Bereich der Weser und vor Nordfriesland dienen einem Gerätevergleich. 

Fahrtleiter: Thomas Neudecker, Thünen-Institut für Seefischerei

Alles neu! Nicht nur, dass die Clupea ihre erste Forschungsreise in der Nordsee unternimmt, auch das Untersuchungsprogramm ist für das Schiff eine Premiere. Es geht vor allem darum, die Dichte und Bestandsschwankungen von Garnelen (Crangon crangon) und Jungfischen im Bereich der ost- und nordfriesischen Küste und der Deutschen Bucht zu ermitteln. Ein alljährliches Untersuchungsprogramm, das bislang ausschließlich mit gecharterten kommerziellen Krabbenkuttern durchgeführt wurde - und mit erheblichen Kosten für das Anmieten der Schiffe und Mannschaften verbunden war. Ein Teil dieser Fahrten soll künftig mit dem eigenen Forschungsschiff möglich sein. Nicht zuletzt deshalb wurde die neue Clupea so konzipiert, dass sie auch nordseetauglich ist.

Doch in wieweit sind die Fänge der Clupea mit denen der Krabbenkutter vergleichbar? Zwar ist das Fanggerät, eine standardisierte 3-Meter-Baumkurre, das gleiche, doch die Schiffe unterscheiden sich durchaus voneinander. Diese essentielle Frage soll auf der jetzigen Reise angegangen werden. Wir werden also versuchen, unter möglichst ähnlichen Bedingungen zusammen mit einem Krabbenkutter zu fischen und die Fänge zu vergleichen. Gestern wurden die ersten Hols im Bereich der Wesermündung an Bord genommen und ausgewertet, morgen soll es Richtung Helgoland gehen. Das Wetter ist günstig und die Stimmung an Bord ist gut.

Viele Grüße von Bord der Clupea
Michael Welling

Schon um 5:15 Uhr heißt es „Leinen los“. Im Morgengrauen fahren wir mit ablaufender Flut durch die Schleuse weserabwärts. Als die Sonne aufgeht, ist das Land nur noch eine Silhouette am Horizont. Wir dampfen Richtung Nordosten und lassen in der Tegeler Rinne das Netz zu Wasser. Witterung und Strömung lassen die Clupea erheblich schwanken. Aber die Mannschaft bringt die ersten Hols problemlos an Bord. Gegen 8:30 Uhr besprechen Kapitän Stefan Meier und Fahrtleiter Tom Neudecker erneut das weitere Vorgehen. Helgoland ist bei den aktuellen, rauen Seebedingungen für die Clupea schlecht zu erreichen; alternativer Zielort für heute wird Cuxhaven.

Später am Vormittag läuft die Vergleichsfischerei mit dem Krabbenkutter „Nixe II“ an. Insgesamt werten wir heute acht Hols aus. Das heißt: Wiegen des gesamten Fangs, Sortieren des Beifangs nach Arten, Längen- und Gewichtserfassung der Fische. Zusätzlich werden von jedem Fang Garnelenproben für die weitere Auswertung im Hamburger Labor genommen. Jeder Hol sieht anders aus: Neben den Garnelen, die die Hauptmasse des Fangs ausmachen, finden sich Schwimmkrabben, Jungfische, Algen und auch Muschelschalen in veränderlichen Anteilen. Eine bunte Vielfalt! Alles wird sorgfältig protokolliert (klassisch mit wischfestem Bleistift in lange tabellarische Formblätter eingetragen) und später in den Computer eingegeben. Parallel erfassen wir neben den Stationsdaten die hydrografischen Bedingungen wie Wassertemperatur, Sichttiefe und Salzgehalt.

Am Spätnachmittag laufen wir in Cuxhaven ein und machen am Fischereischutzboot „Meerkatze“ fest, das dort an der Pier liegt. Für morgen ist Windstärke 6 bis 7 angesagt – zu heftig, um mit der Clupea fischen zu können. Also werden wir nicht hinausfahren, bleiben im Hafen und bereiten schon mal die gewonnenen Daten auf. Das bedeutet zwar einen Tag weniger an Fischerei-Ergebnissen, aber gegen das Wetter sind wir machtlos.

Der witterungsmäßig erzwungene Aufenthalt im Hafen gibt Gelegenheit für eine Bewertung der bisherigen Eindrücke. Erstens: Die Clupea lässt sich in der Nordsee einsetzen, allerdings ist bei Windstärken ab 6 ein ordentlicher Fischereibetrieb nicht mehr möglich. Zweitens: Die Baumkurrenfischerei funktioniert auf diesem vielseitig einsetzbaren Schiff ohne Probleme. Das ist ein wichtiger Punkt, denn der Neubau der Clupea ist auch dahingehend geplant worden, einen Teil der Forschungsfahrten mit gecharterten Kuttern übernehmen zu können, um langfristig Kosten zu sparen. In tieferem Wasser jenseits der Inseln ist dies auch möglich. Anders in den flachen Wattengebieten zwischen den Inseln und dem Festland: Hier ist die Clupea mit ihrem Tiefgang von rund 2,40 m nur bedingt einsetzbar. Krabbenkutter haben demgegenüber einen geringeren Tiefgang, und ihre Besatzung ist mit den lokalen Verhältnissen besser vertraut. 

Ein anderer Punkt ist die Raumsituation an Bord. Neben den Kammern für die vierköpfige Besatzung (Kapitän, Mechaniker und zwei Matrosen) gibt es zwei Wissenschaftler-Kammern für jeweils zwei Personen. Soll bei mehrtägigen Fahrten die Clupea nachts auf See bleiben, muss neben dem Kapitän ein zweiter Nautik-Offizier für die Nachtschicht mit an Bord sein. Der benötigt allerdings eine Kammer, was dann auf Kosten der Unterbringungsmöglichkeiten für das wissenschaftliche Personal ginge.

7:35 Uhr: Leinen los! 8:15 Uhr: Die Schleuse von Cuxhaven liegt hinter uns. Wir machen uns auf zu unseren ersten Fangstationen im Bereich von Nordergründe. Über Cuxhaven hängen tiefe, schwarze Wolken, aber die See ist glatt wie ein Ententeich. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Bei wechselndem Wetter mit Windstärken bis 5 schaffen wir im Laufe des Tages neun Hols. Irgendwann merken die Möwen, dass es attraktiv ist, unser Schiff im Blick zu behalten, denn die Proben gehen nach der Auswertung über Bord und sind eine willkommene Beute. Am Nachmittag kommt Helgoland in Sicht. Um 17 Uhr laufen wir im Südhafen ein. Hier bleiben wir über Nacht. Morgen früh wollen wir wieder Richtung Süden dampfen, um im Gebiet zwischen Helgoland und den ostfriesischen Inseln zu fischen.

Gegen 8 Uhr verlassen wir Helgoland und dampfen Richtung Süden. In 36 m Wassertiefe machen wir den ersten Hol. Erwartungsgemäß sieht das Fangspektrum deutlich anders aus als in den flacheren Zonen. Kleinere Fänge, wesentlich weniger Garnelen, dafür ist der Fischanteil größer. Bei den Plattfischen überwiegen junge Klieschen und Schollen, einige Seezungen und vereinzelt recht große, aber noch untermaßige Flundern. Regelmäßig und in großer Zahl finden sich Grundeln, daneben Steinpicker, Leierfische, Stinte, Seenadeln mit einem Querschnitt von nur 1 mm und zahlreiche andere Arten. An wirbellosen Tieren sind es vor allem Schwimmkrabben, häufig Schlangensterne, kleine Tintenfische, dazu Rippenquallen und vereinzelt auch große Quallen.

Nördlich von Langeoog in flacherem Gewässer (8 bis 20 m)  ändert sich die Fangstruktur. Große Mengen verfilztes Seemoos (pflanzenförmige Nesseltiere) bestimmen die Fänge und machen das Sortieren zu einer zähen und unerfreulichen Angelegenheit; alle Tiere sind darin verfangen und müssen mühsam herausgeklaubt werden.

Wir fischen natürlich nicht wild drauf los, sondern arbeiten mit standardisierten Hols. Dazu dient eine 3 m lange Baumkurre (kommerzielle Kutter arbeiten mit 7 bis 12 m Kurren, aber uns geht es nicht um große Fangmengen, sondern um Stichproben). Das Netz hat Maschenöffnungen von 20 mm und bleibt 15 Minuten im Wasser, während das Schiff mit konstanter Geschwindigkeit fährt. Nur so sind die Fangergebnisse später räumlich und zeitlich vergleichbar.

Das Wetter ist warm und sonnig, aber der Seewetterbericht hat für Dienstag stürmische Winde angekündigt – bei dem heutigen Traumwetter kaum vorstellbar. Aber das kann sich auf der Nordsee schnell ändern. Gegen 18 Uhr sind wir zurück im Hafen von Helgoland. Morgen wollen wir von dort aus nach Osten dampfen, Richtung nordfriesische Inseln. Was dann kommt, wird sich zeigen.

Um 7 Uhr legen wir ab. Wir wollen zunächst einige Hols in tieferem Wasser bei Helgoland machen und dann weiter ostwärts im Flacheren fischen, um die unterschiedlichen Bestandsdichten der Garnelen und Jungfische zu überprüfen. Gegen Mittag treffen wir auf Höhe der Halbinsel Eiderstedt auf unseren zweiten Krabbenkutter, mit dem wir die nächste Vergleichsfischerei betreiben. Nach drei parallelen Hols trennen sich unsere Wege wieder, und der Kutter setzt sein Standard-Beprobungsprogramm auf Höhe der Insel Amrum fort. Wir nehmen wieder Kurs Helgoland und nutzen die Gelegenheit, auf der Rückfahrt noch einige Fischereistationen abzuarbeiten. Während es zunächst sonnig war, hat es sich im Laufe des Tages bezogen und der Wind wurde phasenweise stärker.

Mit insgesamt 12 ausgewerteten Hols kann sich unser Tagespensum sehen lassen. Spätnachmittag machen wir wieder in Helgoland fest. Neben uns an der Pier liegt heute die deutlich größere Atair, ein Vermessungsschiff des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie.

Kapitän und Fahrtleiter besprechen die Lage und entscheiden angesichts des Seewetterberichts, morgen im Hafen zu bleiben.  Es sind auffrischende Winde angekündigt, in Böen bis Windstärke 9. Das ist nichts für unsere kleine Clupea.

Der heutige Zwangsaufenthalt im Hafen gibt Gelegenheit, einmal die Besatzung vorzustellen: Kapitän auf der aktuellen Reise ist Stefan Meier, ein Mann aus der Reihe der Finkenwerder Fischer. Er fährt sonst auf der Solea, dem größeren Fischereiforschungsschiff. Für ihn ist es die erste Fahrt mit der neuen Clupea. Günter Holzheu ist Leiter der Maschinenanlage („Chief“). Ein alter Hase, der schon auf vielen Forschungsschiffen gefahren ist. Unser Bootsmann heißt Dieter Mewes. Er war Friedrichskooger Fischersmann und zählt seit Jahrzehnten zur Stammbesatzung der Solea. Was uns zugute kommt: Er kennt sich besonders gut mit der Krabbenfischerei aus. Der vierte im Bunde ist Maik Schünemann, Matrose aus Rostock, der schon zur Stammbesatzung der alten Clupea zählte. Seine Fähigkeiten reichen ebenfalls weit, da er sein Seemannspatent gemacht hat. Und –  von zentraler Bedeutung: Er kocht auf dieser Reise für uns!

Kopf der Forschungs-Crew ist Dr. Thomas Neudecker, der Fahrtleiter. Seit 38 Jahren in der Fischereiforschung tätig, zählt er zu den „Urgesteinen“ der Krabbenforschung. Ihm zur Seite steht der Fischereibiologe Dr. Holger Haslob. Er ist erst in diesem Jahr ans Thünen-Institut gekommen und wird dort in erster Linie das Plattfisch-Assessment übernehmen. Als wissenschaftliche Hilfskraft ist der Biologe Sebastian Schultz an Bord, ein Hamburger, der den praktischen Teil seiner Doktorarbeit an der Universität Wien und dem WasserCluster Lunz gemacht hat und jetzt zusammenschreibt. Komplettiert wird das Team durch Dr. Michael Welling, Biologe und Pressesprecher des Thünen-Instituts, der beim Sortieren der Fangproben assistiert und dieses Seetagebuch verfasst.

Gegen Mittag kommen die Seebäderschiffe mit den Tagestouristen in Sicht. Es bläst ganz ordentlich. So, wie die Schiffe durch die Wellen stampfen, können wir froh sein, heute im Hafen zu bleiben.

Um 5:45 Uhr geht es los. Unser Ziel ist wieder das Seegebiet westlich der nordfriesischen Inseln. Der Wind ist gegenüber gestern abgeflaut, aber die See ist noch äußerst kabbelig. Die Clupea schwankt erheblich, doch wir machen gute Fahrt. Gegen 8 Uhr lassen wir das erste Mal das Netz zu Wasser. Insgesamt 10 Hols machen wir im Gebiet westlich Pellworm und Amrum in 10 bis 17 m Wassertiefe. Die Fänge sind durchweg sauber und übersichtlich, so gut wie kein Seemoos – bis auf den letzen Hol, den wir in 17 m Tiefe machen: Das Netz ist voll; wir erhalten fünf Fangkörbe verfilztes Material, durchsetzt mit Garnelen, Schwimmkrabben und Fischen. Eine echte Herausforderung! Wir sortieren zwei Fangkörbe aus und nehmen Unterproben, die Ergebnisse rechnen wir hoch.

Die See und das Wetter verlangen uns heute einiges ab. Wir starten mit rot aufgehender Sonne, dann baut sich hinter uns eine Gewitterfront auf, so dunkel, dass das Nordseewasser hell erscheint. Die tiefstehende Morgensonne malt einen fast senkrechten Regenbogen an den Horizont. Sonnige Abschnitte wechseln sich mit Regen und Hagel ab, nach Mittag überwiegt wieder die Sonne. Im Wasser schaukeln sich Wind und Dünung auf und werfen unsere Clupea hin und her. Bis zu 3 m hohe Wellen geben uns – trotz schönstem Sonnenschein – einen Eindruck von den Gewalten der Nordsee. Über Steuerbord nehmen wir häufig Wasser über.

Auf dem Rückweg – Helgoland ist bereits wieder in Sicht – erwartet uns die nächste Überraschung: Wie bereits gestern ist heute bei Bauarbeiten ein Blindgänger gefunden worden. Der Südhafen ist bis zur Entschärfung der Bombe gesperrt, wir können nicht an Land. Also dümpeln wir wohl noch zwei bis drei Stunden auf Reede...

Wie schnell sich die Verhältnisse auf der Nordsee ändern können! Gestern noch Wind und starke Dünung mit 3 Meter hohen Wellen, heute liegt die See vor uns wie eine Badewanne und die Sonne scheint. Um 8 Uhr verlassen wir Helgoland. An diesem Tag wollen wir das Gebiet südlich der bereits befischten Gebiete von Nordfriesland beproben, angefangen von der Höhe der Eidermündung (St. Peter-Ording) bis zum nördlichen Bereich der Elbmündung, also auch das Gebiet der so genannten Piepen dazwischen. 

Insgesamt verarbeiten wir heute 7 Hols. Der vorletzte Hol zeigt den Einfluss der Elbe, die sich hier in breiter Bahn mit dem Nordseewasser mischt. Der Fang ist voll mit kleinem Muschelschill und auch wieder mit Seemoos. Garnelen sind in diesem Fall kaum vorhanden. Dafür stinken einige tote Krebse und Muscheln im Faulschlamm zum Himmel und mindern den mittäglichen Appetit.

Der heutige Arbeitstag am Sortiertisch endet bereits gegen 14:30 Uhr. Wir nutzen die Zeit, um die Datenbank im Computer zu füttern. Und Fahrtleiter Tom Neudecker kann einen Krabben-Vortrag vorbereiten, den er demnächst im Altonaer Museum halten wird. 

Nachmittags dampfen wir gegen den starken Elbstrom an, machen schließlich um 16 Uhr in Cuxhaven fest. Hier muss das Schiff frisches Wasser und Treibstoff für den Rest der Reise bunkern – und wir schrubben uns vergeblich den „Duft“ des Schlamms von den Händen.

Der Seewetterbericht hat für heute nichts Gutes verheißen: Windstärke fast durchgängig 7, in Böen 8, und ein Wellengang von mehr als 3,5 m. Daher haben wir uns entschlossen, im Hafen abzuwettern. Schade, dass uns dadurch ein weiterer Beprobungstag verloren geht. Dennoch ist es kein verlorener Tag. Wir haben Ruhe, die aufgelaufenen Daten in den Computer einzugeben, zu kontrollieren und eventuelle Fehler, die uns auffallen, zu korrigieren. Je zeitnäher man das macht, desto besser.

Unsere Entscheidung erweist sich als richtig. Der Wind hält, was der Wetterbericht verspricht. Morgen soll sich das Wetter nicht wesentlich ändern, aber spätestens am Sonntag wollen wir wieder rausfahren, um im Gebiet der Weser- und Jademündungen Proben zu nehmen. Eben hat ein Versorgungsschiff bei uns festgemacht, um unsere Vorräte an Treibstoff und Frischwasser aufzufüllen. Damit sind wir für die restlichen Reisetage gerüstet.

Es gibt nicht viel zu berichten, denn wir liegen weiter sicher im Hafen, während es draußen ungemütlich windig ist. Datenverarbeitung und Projektplanung sind unsere Tätigkeiten bis kurz vor Mitternacht. Auch ein Spaziergang an Land bis zum nächsten Einkaufscenter gehört dazu und wirkt dem Bewegungsmangel auf unserem kleinen Schiff entgegen.

Gegen 5:15 Uhr legen wir ab, und eine halbe Stunde später beginnt leichtes, langsam stärker werdendes Schaukeln, als wir die Elbe hinab dampfen. Starker Verkehr herrscht auf den Unterelbe im dunstig-gelben Licht der aufgegangenen Sonne. Wir begegnen dem „Musikdampfer“ AIDA Cara, während wir Kurs nach Südwesten zu unserer nächsten Station vor der Wesermündung nehmen. Schaumkronen beherrschen das Bild, und unsere Clupea rollt wegen der südwestlichen Wellen und der quer laufenden, nordwestlichen Dünung von gut 2 Metern Höhe.

Wir können aber fischen und freuen uns am letzten Tag bei schönstem Sonnenschein über unsere letzten Hols, die relativ sauber und nicht allzu groß an Deck kommen, sodass wir sie zügig abarbeiten können. Es sind etwas mehr  junge Schollen drin, hier zwischen Jade und Elbe, wo wir unsere Jungfisch-Untersuchungen abschließen.

Die Scholle ist eine der Kern-Arten, auf die der internationale „Demersal Young Fish and Brown Shrimp Survey“ (DYFS) abzielt. Die andern Arten sind Kabeljau, Wittling und Seezunge, die wir aber nur in geringer Stückzahl finden in unseren insgesamt 66 Hols auf dieser Reise. Nun gilt es, die Ergebnisse der Clupea mit denen unserer Charterkutter zu vergleichen, die teils parallel mit uns, teils noch später erarbeitet werden, und die Reise im Zusammenhang zu werten. Alles fließt ein in die Bestandsberechnungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), der die Entwicklung der Fischbestände überwacht und Fangempfehlungen für die Gemeinschaftliche Fischereipolitik in Brüssel abgibt.

Aber das vorerst wichtigste Ziel unseres Törns ist erreicht: Die neue Clupea ist ohne Probleme auch für die Baumkurrenfischerei mit der 3-m-Versuchskurre einsetzbar und kann uns auch in der Nordsee von Nutzen sein.

Nachmittags klaren wir unsere Ausrüstung auf: Spülen, Putzen, Trocknen, Verstauen. Auch die Kammern werden gereinigt. Nachdem dies geregelt ist, können noch amtliche Dinge auf dem PC in Angriff genommen werden: Formeller Fahrtbericht, Abrechnungen sowie in kleiner, lockerer Runde unser persönliches Resümee.

Die Abholung unserer wissenschaftlichen Ausrüstung und von uns Biologen erfolgt am Montag gen Hamburg. Das bedarf sicherlich keines weiteren Eintrags in unser Seetagebuch, und wir verabschieden uns von der Besatzung (Stefan, Günter, Dieter und Maik) mit einem ganz herzlichen „Tschüß! Bis zum nächsten Mal!“. Sie hat uns Gästen an Bord super geholfen uns wirklich bestens umsorgt in den zwei Wochen. DANKE!!!