Der Holzmarkt – ein Sektor im Wandel

Dossier

Mit dem Ausbau der Bioökonomie können Textilien, die aus Zellulose gewonnen werden, an Bedeutung gewinnen. Wir berücksichtigen diese Entwicklung bei der Modellierung künftiger Holzmarkt-Szenarien. (© SFIO CRACHO - stock.adobe.com)

Internationaler Handel, Klimaerwärmung und gesellschaftliche Trends zu einem nachhaltigeren Lebensstil führen dazu, dass sich die Angebots- und Nachfragestrukturen im Holzmarkt stetig ändern. Wir untersuchen die Wechselwirkungen von Waldbewirtschaftung, Rohholzaufkommen und Rückkopplungseffekten entlang der Wertschöpfungskette.


Der Schwerpunkt unserer modellbasierten Analyse liegt auf längerfristigen Trends, um Richtung und Größenordnung möglicher Veränderungen im Holzmarkt erkennen zu können. Die Impulse für solche Veränderungen können von politischen Maßnahmen, sich ändernden Marktbedingungen oder Verbraucherpräferenzen herrühren.

Das Holzmarktmodell GFPM (Global Forest Products Model) bildet Produktion, Handel und Konsum von Rohholz und Holzwaren für 180 Länder der Erde ab. In seiner Grundversion modelliert das GFPM einige wichtige holzbasierte Produkte nur stark aggregiert. Für unsere Fragestellungen haben wir das Modell so weiterentwickelt, dass wir Rohholz und Schnittholz nicht als Ganzes betrachten müssen, sondern jeweils zwischen Laub- und Nadelholz unterscheiden können. Im Hinblick auf die Entwicklung der deutschen Wald- und Industriestruktur, aber auch für internationale Fragestellungen ist dies eine wichtige Komponente, wie unsere Analysen gezeigt haben.

Manche im Modell verwendeten Parameter, z.B. Preiselastizitäten oder bilaterale Handelsflüsse, sind zum Teil veraltet und müssen neu geschätzt werden, um aktuelle Themen behandeln zu können. Ein Ergebnis dieser Schätzungen ist, dass die Rohholzproduktion sich auf globaler Ebene hauptsächlich an der Nachfrage orientiert und kaum am Preisniveau.

Unsere ökonometrischen Analysen aufstrebender, lignozellulose-basierter Produkte zeigte, dass sowohl Import als auch inländische Nachfrage stark auf Preisänderungen reagieren. Dies kann ein Hinweis sein, dass lignozellulose-basierte Produkte wie beispielsweise Viskose mindestens durch ein ähnliches Produkt wie Baumwolle oder Polyester leicht zu ersetzen sind.

WEHAM-Szenarien

Im Rahmen des Projekts WEHAM-Szenarien haben wir mögliche Auswirkungen unterschiedlicher nationaler Rohholzpotenziale auf Produktion, Verbrauch und Handel modelliert. Die Simulationsergebnisse zeigen, dass sowohl die inländische Nadel- als auch die Laubholzproduktion für eine Nutzung im Bau-, Möbel- und Papiersektor bis 2050 steigen würde, sofern ein ausreichendes Rohholzpotenzial vorhanden wäre. Vereinzelt werden Rohholzpotenziale (insbesondere Laubholz) nicht vollständig vom Markt nachgefragt. Die Nachfrage nach Nadelholz übersteigt langfristig in allen Szenarien das heimische Angebot.

In Abhängigkeit des Rohholzangebots wächst die Produktionsleistung der holzverarbeitenden Industrie je nach betrachtetem Szenario unterschiedlich. Produzierte Mehrmengen werden dank global steigender Nachfrage exportiert. In einem anderen Szenario zeigte sich, dass die Produktion von Holzhalbwaren wie Schnittholz, Furniere und Spanplatten in Deutschland sinken würde, wenn man den Holzeinschlag einschränkt.

„Neue” holzbasierte Produkte

Im Rahmen des Projekts BEPASO zur Entwicklung und Akzeptanz einer biobasierten Ökonomie arbeiten wir daran, Produkte, die aus Zellulose gewonnen werden, in die traditionelle Holzmarktanalyse und Modellierung zu integrieren. Diese Produkte, die heute noch als Nischenprodukte zu betrachten sind, gewinnen mit dem Ausbau der Bioökonomie an Bedeutung. Bei der Modellierung von Szenarien für 2050 müssen wir ihre Entwicklung ebenfalls berücksichtigen.

Im Szenario „Bioökonomie am Tropf“ wird für Deutschland eine leicht sinkende Holzproduktion für die stoffliche und eine leicht steigende Holzproduktion für die energetische Nutzung beobachtet. Insgesamt führt dies zu einem Rückgang des deutschen Holzeinschlages bis 2050. Die Schnittholzproduktion bleibt ungefähr auf dem Niveau von 2015. Gleichzeitig sinkt die Produktion von Holzwerkstoffplatten und Papierprodukten, während die Chemiezellstoffproduktion leicht ansteigt. Die hieraus hergestellten Produkte bilden bei diesem Niveau allerdings auch 2050 nur einen Nischensektor.

Auch im Szenario „Bioökonomie-Inseln“ sinkt die deutsche Produktion an Industrierundholz bis 2050 wegen des stetigen technischen Fortschritts in den Industrieländern leicht. Im Gegensatz dazu steigt die Nachfrage nach Brennholz. Dieser gegenläufige Trend führt dazu, dass der gesamte Holzeinschlag bis 2050 in Deutschland in diesem Szenario sehr leicht ansteigt. Das Szenario ist durch eine steigende Nachfrage nach Schnittholz, nach Furnier und Sperrholz sowie nach Holzwerkstoffplatten geprägt. Der Papierkonsum sinkt bis 2050. Vereinzelt können hier freiwerdende Kapazitäten für die Produktion von Chemiezellstoff genutzt werden. Dadurch ist eine steigende Produktion von zellulose-basierten Chemikalien und Fasern bis 2050 möglich, und die Produkte wachsen langsam aus ihrer heutigen Nische.

Im Szenario „Bioökonomie-Wende“ wird Brennholz in Deutschland bis 2050 nur noch aus nostalgischen Gründen nachgefragt. Dadurch kann das freiwerdende Rohstoffpotenzial an Holz stofflich genutzt werden. Weltweit sinkt die Brennholzproduktion nicht so stark wie in Deutschland, allerdings steigt die stoffliche Nutzung von Holz stark an. Die Nachfrage nach Schnittholz, nach Furnier- und Sperrholz sowie nach Span- und Faserplatten steigt ebenfalls stark. Dabei verändert sich der Rohholzverbrauch nicht im gleichen Maße, weil technischer Fortschritt den Rohstoffinput reduziert. Aufgrund der Digitalisierung sinkt der Papierkonsum weiter und damit auch der Verbrauch an Holzschliff und Zellstoff. Somit werden Kapazitäten in der Zellstoffproduktion frei, die für die Herstellung von Chemiezellstoff verwendet werden. Chemiezellstoff dient wiederum als Rohstoff für die Herstellung von Zellulose-Derivaten bzw. von zellulose-basierten Fasern. Besonders Letzteren kommt eine besondere Bedeutung bei, da sie bis 2050 Baumwolle als Rohstoff für die Textilherstellung ersetzen können.

Unsere Holzbilanzen erfassen Aufkommen und Verwendung aller Holzprodukte. Sie verdeutlichen den Zusammenhang zwischen inländischer Produktion, Außenhandel und Verbrauch und geben Einblicke in die Marktstrukturen und Marktentwicklungen. Sie sind damit eine wichtige Grundlage für Akteure in Politik und Wirtschaft.

Projekte

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 7

  1. Morland C, Schier F, Weimar H (2020) The structural gravity model and its implications on global forest product trade. Forests 11(2):178, DOI:10.3390/f11020178
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  2. Morland C, Schier F (2020) Modelling bioeconomy scenario pathways for the forest products markets with emerging lignocellulosic products. Sustainability 12(24):10540, DOI:10.3390/su122410540
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  3. Schier F, Morland C, Janzen N, Weimar H (2018) Impacts of changing coniferous and non-coniferous wood supply on forest product markets: a German scenario case study. Eur J Forest Res 137(3):279-300, DOI:10.1007/s10342-018-1111-6
  4. Morland C, Schier F, Janzen N, Weimar H (2018) Supply and demand functions for global wood markets: Specification and plausibility testing of econometric models within the global forest sector. Forest Pol Econ 92:92-105, DOI:10.1016/j.forpol.2018.04.003
  5. Schier F, Weimar H (2018) Holzmarktmodellierung - Szenarienbasierte Folgenabschätzung verschiedener Rohholzangebotssituationen für den Sektor Forst und Holz. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 57 p, Thünen Working Paper 91, DOI:10.3220/WP1523005251000
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  6. Schier F, Weimar H (2017) Modellierung des Holzmarktes im WEHAM-Projekt. AFZ Wald 72(13):21-23
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  7. Seintsch B, Döring P, Dunger K, Gerber K, Glasenapp S, Klatt S, Linde A, Mantau U, Meier-Landsberg E, Oehmichen K, Reise J, Rüter S, Saal U, Schweinle J, Schier F, Selzer AM, Rosenkranz L, Wenz E, Weimar H, Winter S (2017) Das WEHAM-Szenarien-Verbundforschungsprojekt. AFZ Wald 72(13):10-13
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