Grünland auf dem Rückzug – was tun?

Dossier

Das Grünland ist in der Klemme: Seit Anfang der 1990er-Jahre gingen in Deutschland über 700.000 Hektar verloren. Es landwirtschaftlich zu nutzen, ist aus ökonomischer Sicht immer weniger attraktiv. Was hat das für Gründe – und welche Folgen?


In Deutschland gibt es immer weniger Grünland. Dadurch entgehen uns als Gesellschaft Leistungen, die das Grünland im besonderen Maße für die Umwelt erbringt: Wasser- und Bodenschutz, Kohlenstoffspeicherung, hohe Biodiversität. Die Ökosystemleistungen des Grünlands variieren jedoch erheblich, je nach Standort und Nutzungsintensität. Auf Basis eines geografischen Informationssystems untersuchen wir am Thünen-Institut detailliert, wie sich der Grünlandanteil und die Nutzungsart des Grünlands verändern. Außerdem analysieren wir, wie wirtschaftliche Entwicklungen und politische Maßnahmen die Flächennutzung beeinflussen. Zur künftigen Nutzung und zur Erhaltung des Grünlands erarbeiten wir Empfehlungen für die Agrar- und Umweltpolitik, den Wasser- und Naturschutz und die landwirtschaftlichen Betriebe.

Die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen des ungebrochenen Verlustes an Grünland bereiten vielen Akteuren aus der Wissenschaft und Praxis Sorgen. Im Rahmen der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA), der das Thünen-Institut auch angehört, haben sie deshalb vor einiger Zeit das DAFA-Fachforum „Grünland: Innovativ nutzen und Ressourcen schützen“ eingerichtet. Ziel der Bemühungen ist es, den Wert des Grünlands für die zukünftige agrarische Produktion, für ökologische und gesellschaftliche Ansprüche verstärkt öffentlich zu machen und standort- und praxisbezogene, innovative Wertschöpfungspotentiale für das Grünland zu entwickeln. Derzeit diskutieren die Akteure des Fachforums den Entwurf für eine „DAFA-Forschungsstrategie Grünland“, um auf diesem Weg gemeinsam voranzukommen.  

Flächennutzung: Immer mehr Mais, immer weniger Grünland


Die Flächennutzung weist einige markante Entwicklungen auf: Zum einen nehmen die  Dauergrünlandflächen seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich ab. Zum anderen hat bei den Ackerflächen die Erzeugung von Energiepflanzen und Pflanzen zur stofflichen Nutzung seit dem Jahr 2000 stark zugenommen. Insbesondere der Maisanbau (Anstieg von 1,5 auf 2,5 Mio. ha) hat zu einer Veränderung des Landschaftsbildes geführt.  

Ein Rückgangs-Hotspot: der tierhaltungsintensive Nordwesten

Der Rückgang des Dauergrünlands ist in Deutschland nicht gleichmäßig verteilt. Am vergleichsweise starken Rückgang zum Beispiel in den Veredlungsregionen mit intensiver Tierhaltung im deutschen Nordwesten zeigt sich ein Grund: Dort ist der Anteil von Mais, der zur Futter- und Energienutzung angebaut wird, als dominierender Kultur auf ehemaligen Grünlandflächen besonders hoch.

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 10

  1. Wamser S, Diekötter T, Boldt L, Wolters V, Dauber J (2012) Trait-specific effects of habitat isolation on carabid species richness and community composition in managed grasslands. Insect Conserv Divers 5(1):9-18, DOI:10.1111/j.1752-4598.2010.00110.x
  2. Klimek S, Marchiori E, Sturaro E, Bittante G, Ramanzin M, Marini L (2013) Impact of grazing management and distance from farm buildung on orthopteran and butterfly diversity in alpine summer pastures. In: Open landscapes : ecology, management and nature conservation ; program & abstract book, 29th September - 3rd October 2013, Hildesheim, Germany. Hildesheim: Ecology and Environmental Education Group, Institute for Biology and Chemistry, p 107
  3. Klimek S, Isselstein J, Steinmann HH (2010) Artenvielfalt bewirtschafteter Grünlandsysteme ergebnisorientiert honorieren : Ansätze zur Weiterentwicklung von Agrarumweltprogrammen. Forschungsreport Ernähr Landwirtsch Verbrauchersch(41):42-45
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  4. Klimek S, Marini L, Hofmann M, Isselstein J (2008) Additive partitioning of plant diversity with respect to grassland management regime, fertilisation and abiotic factors. Basic Appl Ecol 9(6):626-634
  5. Dahms H, Mayr S, Birkhofer K, Chauvat M, Melichnova E, Wolters V, Dauber J (2010) Contrasting diversity patterns of epigeic arthropods between grassland of high and low agronomic potential. Basic Appl Ecol 11(1):6-14, DOI:10.1016/j.baae.2009.06.004
  6. Schmidt TG, Röder N, Dauber J, Klimek S, Laggner A, Witte T de, Offermann F, Osterburg B (2014) Biodiversitätsrelevante Regelungen zur nationalen Umsetzung des Greenings der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU nach 2013. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 70 p, Thünen Working Paper 20, DOI:10.3220/WP_20_2014
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  7. Nitsch H, Osterburg B, Roggendorf W, Laggner B (2012) Cross compliance and the protection of grassland - illustrative analyses of land use transitions between permanent grassland and arable land in German regions. Land Use Pol 29(2):440-448, DOI:10.1016/j.landusepol.2011.09.001
  8. Laggner B, Orthen N, Osterburg B, Röder N (2014) Ist die zunehmende Biogasproduktion die alleinige Ursache für den Grünlandschwund in Deutschland? - eine Analyse von georeferenzierten Daten zur Landnutzung. Raumforsch Raumordn 72(3):195-209, DOI:10.1007/s13147-014-0278-7
  9. Schramek J, Osterburg B, Kasperczyk N , Nitsch H, Wolff A, Weis M, Hülemeyer K (2012) Vorschläge zur Ausgestaltung von Instrumenten für einen effektiven Schutz von Dauergrünland. Bonn: Bundesamt für Naturschutz, 112 p
  10. Nitsch H, Osterburg B, Laggner B, Roggendorf W (2010) Wer schützt das Grünland? - Analysen zur Dynamik des Dauergrünlands und entsprechender Schutzmechanismen [online]. In: 50. Jahrestagung der GEWISOLA "Möglichkeiten und Grenzen der wissenschaftlichen Politikanalyse", Braunschweig, 29.09. - 01.10.2010. pp 1-10, zu finden in <http://purl.umn.edu/93940> [zitiert am 20.09.2010]
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