Nahversorgung sichern – Probleme und Lösungsansätze

Hintergrund

Laden weg, Kinder aus dem Haus und der Bus fährt auch nicht mehr – gerade für ältere Menschen auf dem Lande wird die Nahversorgung zum Problem. Vielerorts sind Tante-Emma-Läden aus dem Ortsbild verschwunden, und wer kein Auto hat, gelangt nur schwer an Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs. Was also tun?


Von 1990 bis 2010 hat sich die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in etwa halbiert. Gleichzeitig stieg die Verkaufsfläche deutlich. Das bedeutet, dass viele kleine Läden, die häufig in kleineren Orten ländlicher Räume zu finden waren, durch wenige große Supermärkte und Discounter, die sich meist räumlich in den Klein- und Mittelstädten ballen, ersetzt wurden. Die Erreichbarkeitsanalyse belegt, dass insbesondere in dünn besiedelten Räumen der nächste Lebensmittelmarkt sehr weit weg ist. Circa 48 Prozent der Bevölkerung kann den nächsten Lebensmittelmarkt fußläufig nicht erreichen, muss also mehr als 1.000 Meter zurücklegen. In ländlichen Kreisen liegt dieser Anteil  mit zwei Drittel der Bevölkerung deutlich höher.

Weniger Leute, weniger Läden, weniger Angebot?

Eine Fallstudie im Harz, einer besonders von Alterung und Bevölkerungsrückgang betroffenen Region, hat gezeigt, dass die Anbieter Geschäfte und Filialen schließen und stationäre durch mobile Angebote ersetzt werden. Gleichzeitig verbessern aber auch einige Anbieter ihre Qualität, um die sinkende Anzahl von Kunden im Harz an sich zu binden und neue Kunden zu gewinnen.

Die im Harz befragten Seniorinnen und Senioren sehen den größten Handlungsbedarf hinsichtlich der Nahversorgung, der medizinischen Versorgung und der Mobilität. Ihnen fehlen Einkaufsmöglichkeiten vor Ort; an noch bestehenden Läden im Dorf kritisieren sie die Preise als zu hoch und die  Auswahl als zu gering. Um diese Defizite zu bewältigen,  erhalten die Seniorinnen und Senioren  ihre Automobilität so lange wie möglich aufrecht, lassen sich von Familienangehörigen und Nachbarn mitnehmen und passen ihre Bedürfnisse an die Angebotssituation an – indem sie in anderen Bereichen sparen, um sich die höheren Fahrtkosten oder Preise leisten zu können.

Dorfläden – ein erfolgreicher Lösungsansatz?

Um die Nahversorgung sicherzustellen, werden verschiedene Lösungswege verfolgt: Franchise-Konzepte von Großhändlern, Bürgerläden mit Ehrenamtlichen, Läden mit einem Mix aus Lebensmittel- und Dienstleistungsangebot sowie Integrationsmärkte, die benachteiligten Menschen die Teilhabe am Arbeitsmarkt ermöglichen. Dorfläden werden wegen ihrer sozialen Funktion als sozialer Treff- und Identifikationspunkt von diversen Förderprogrammen unterstützt.

Das ernüchternde Ergebnis einer Befragung von mehr als 100 Betreibern solcher Läden: Trotz teils erheblicher staatlicher Förderung bleibt die wirtschaftliche Lage kleiner Läden oft prekär. Zu dominant ist die Marktposition der Konzerne, zu verlockend für Verbraucher der Einkauf im Großmarkt.

Wer Erfolg haben will, muss die Lage vor Ort sondieren und Nischen finden – etwa die Nähe zu Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen suchen. Wo sich kein festes Angebot mehr lohnt, werden Dorfbewohner über kurz oder lang auf mobile Supermärkte angewiesen sein oder sich privat Fahrdienste organisieren müssen.


Die Broschüre Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Räumen (2014) gibt Impulse für die Praxis.