Demographischer Wandel: Wer ist betroffen?

Hintergrund

Deutschlandkarte, die zeigt, welche Regionen über- bzw. unterdurchschnittlich vom demographsichen Wandel betroffen sind. Rot eingefärbt, also stark betroffen, ist der Nordosten, blau eingefärbt, und damit weniger betroffen, der Südwesten.
Der Nordosten Deutschlands ist besonders stark vom demographischen Wandel betroffen. (© Thünen-Institut/Patrick Küpper)

Der demographische Wandel wird häufig auf die einfache Formel „weniger – älter – bunter“ gebracht. Das Weniger bezieht sich auf die abnehmende Bevölkerung, das Älter auf  das höhere Durchschnittsalter und das Bunter auf die wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund. Während die beiden ersten Prozesse (weniger und älter) für ländliche Räume von Bedeutung sind,  ist letzterer (bunter) für Großstädte zentral.

In vielen ländlichen Regionen sinkt die Bevölkerungszahl bereits seit mehreren Jahrzehnten, die Alterung schreitet voran. Dass seit den 1970er-Jahren durchschnittlich zu wenige Kinder geboren wurden und  die Lebenserwartung seit Mitte des letzten Jahrhunderts steigt, trägt zum demographischen Wandel in Deutschland bei. Dass viele Jüngere zu Arbeitsplätzen und Ausbildungsstätten abwandern, verstärkt die deutschlandweiten Entwicklungen insbesondere in strukturschwachen ländlichen Räumen. In ländlichen Räumen mit starker Wirtschaft und im Umland wachsender Städte ist der demographische Wandel weniger ausgeprägt.

Nachgefragt: Mehr Angebote für Ältere  

Die Unterschiede in der demographischen Entwicklung wirken sich auch unterschiedlich auf die Daseinsvorsorge aus, sodass sich räumliche Ungleichheiten beim Zugang zu entsprechenden Angeboten vertiefen. Der allgemeine Bevölkerungsrückgang bewirkt eine sinkende Nachfrage nach altersübergreifenden Angeboten wie technische Infrastrukturen, Nahversorgung, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten. Mit der Alterung nimmt die Nachfrage nach seniorenspezifischen Einrichtungen wie Gesundheitsdienstleistungen, Pflege- und Kulturangeboten zu; weniger nachgefragt werden Einrichtungen für Jüngere, zum Beispiel Schulen, Kitas, Jugendhilfe, Sport- und Freizeitangebote.

Die veränderte Bevölkerungszahl und -struktur erfordert Anpassungen, die häufig mit Kosten verbunden sind. Allerdings fehlen gerade in Regionen, die von Schrumpfung betroffenen sind, oft die nötigen Ressourcen. Denn mit der Einwohnerzahl gehen auch die öffentlichen Einnahmen zurück; wegen hoher Fixkosten, zum Beispiel für das Unterhalten von Abwassersystemen, verteuern sich die Leistungen relativ zur Nutzerzahl. In der Folge verschlechtern sich Angebote, die Gebühren steigen – und der Zugang zu bzw. die Nutzung von Leistungen kann sich weiter reduzieren.

Schrumpfende Dörfer – woran man sie erkennt

Im Rahmen der Demographiestrategie der Bundesregierung hat das Thünen-Institut zusammen mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) eine Methodik entwickelt, um Regionen identifizieren zu können, die besonders vom demographischen Wandel betroffen sind. Dazu wurde unter anderem ein Index berechnet, der die Herausforderungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge abbildet: Neben der Entwicklung der Bevölkerung und besonders relevanter Altersgruppen wurden auch Merkmale der Siedlungsstruktur und die Erreichbarkeit der Zentren berücksichtigt. Die grundlegende Idee dabei: Alterung und Schrumpfung allein müssen nicht unbedingt negativ sein, sie sind es vor allem dann, wenn sie auf bereits ungünstige Ausgangsbedingungen treffen. Das Demographieportal der Bundesregierung stellt eine interaktive Karte bereit, mit der Einzelwerte für bestimmte Handlungsfelder der Daseinsvorsorge in einzelnen Kreisen abgerufen werden können.